Die Hochphase der Corona-Pandemie ist vorüber, nun beginnen die Diskussionen darüber, wie deren Lasten gerecht aufgeteilt werden. Erkennbar war das an einer Diskussion im Stockacher Gemeinderat über die Erhebung von Elternbeiträgen für die Monate, in denen Kindergärten und andere Betreuungseinrichtungen geschlossen waren. Konkret ging es um die Zeit zwischen dem 17. März, zu dem die Landesregierung die Schließung von Schulen und Kitas verfügte, und Ende Juni, als der Vollbetrieb unter Pandemiebedingungen begann.

In der Zeit der Schließung mussten die Träger der Kitas Notfallbetreuung anbieten. Zunächst gab es diese für Kinder von Paaren, die beide in systemrelevanten Berufen arbeiten, später wurde dieser Kreis erweitert. Zu Beginn der Notfallbetreuung seien daher in ganz Stockach nur etwa 20 Kinder in den Kitas gewesen, im Mai sei diese Zahl auf mehr als 100 gestiegen und im Juni weiter gewachsen, erklärte Hauptamtsleiter Hubert Walk, bei der Stadtverwaltung für die Kinderbetreuung zuständig, in der Sitzung. Er dankte den Erzieherinnen dafür, unter den schwierigen Bedingungen diese Arbeit gemacht zu haben. Und Bürgermeister Rainer Stolz schilderte den Aufwand: „Wir haben uns unglaublich ins Zeug gelegt, um die Notfallbetreuung zu machen, und sie bis zum letzten Tag angeboten, auch wenn es nur ein Kind bei zwei Betreuungskräften war.“

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Doch irgendjemand muss das bezahlen. Für die Stadtverwaltung ist klar: Das Land hat die Schließung verfügt, daher soll es auch die Fehlbeträge ausgleichen. Diese liegen laut der Sitzungsvorlage bei mindestens 130.000 Euro pro Monat, für die Monate April bis Juni fehlen also etwa 400.000 Euro. Aus den Hilfspaketen des Landes, die für alle Corona-bedingten Kosten da sein sollen, seien in Stockach bislang 226.228 Euro angekommen, heißt es weiter. Die Stadtverwaltung fordert mehr Geld vom Land, was der Gemeinderat ohne Diskussion unterstützte.

Die Erhebung von Elternbeiträgen für die Notfallbetreuung traf auf geteilteres Echo. Der Gesamtelternbeirat Kita (GEB) hat per Stellungnahme eine tagegenaue Abrechnung gewünscht. Hauptargument: Die betroffenen Familien hätten die Notfallbetreuung nur in Zeiten nutzen dürfen, in denen auch wirklich gearbeitet wurde, sodass viele der Kinder nur einige Tage in den Kindergarten gegangen seien. Walk hingegen berichtete in der Sitzung auf Nachfrage von Doris Rath (Grüne) von seinem Eindruck, dass die meisten in Notgruppen betreuten Kinder dauerhaft dorthin gegangen seien. Die Verwaltung schlug ein Modell mit halben und ganzen Monatsbeiträgen vor (siehe Text unten).

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Die Vorstellungen im Rat waren breit gefächert. Sie reichten von Entlastung für diejenigen, die in systemrelevanten Berufen an der Corona-Front gewesen seien, wie Wolf-Dieter Karle aus der Diskussion der Freien Wähler berichtete und wie es Julia Zülke (FDP) ins Spiel brachte. Andererseits hätten die Menschen, die Notfallbetreuung nutzen konnten, auch normal ihrer Tätigkeit nachgehen können, sagte Wolfgang Reuther (CDU). Andere hätten sehen müssen, wie sie die Kinder neben der Arbeit betreuen. Den Aufwand für tagegenaue Abrechnung hielten manche für nicht allzu groß (Michael Junginger und Jürgen Kragler, beide CDU). Walk argumentierte, dass es Diskussionen geben werde, wie viele Tage ein Kind nun genau in der Kita war. Und: Man müsste aus jedem der etwa 30 Tarife einen Tagessatz bilden. Stolz warnte: „Warum sollte man dann nicht grundsätzlich tagegenau abrechnen?“

Der Rat stimmte mit zwei Enthaltungen einstimmig für den Vorschlag der Verwaltung, der auch für kirchliche und Waldorf-Kindergärten gilt. Jessica Hiller, Beisitzerin im GEB, die die Sitzung verfolgt hat, sagt: „Wir sind nicht unzufrieden. Ich denke, damit können die Stockacher Eltern leben.“