Wie komme ich an einen Kindergartenplatz für mein Kind? Was kostet die Betreuung? Und was gilt in Zeiten der Corona-Pandemie? Eltern von Kindergartenkindern haben viele Fragen. Der Gesamtelternbeirat Kita (GEB) in Stockach ist angetreten, bei solchen Fragen weiterzuhelfen und die Interessen von Kindergarteneltern zu vertreten.

Das Gremium gibt es schon seit einiger Zeit, die Gründungsversammlung war bereits Anfang des Jahres 2019. Sie fiel in eine Zeit, in der die Diskussion um die Elternbeiträge zur Kleinkindbetreuung hochkochte. Für viele Familien waren die Beträge gleichzeitig mit dem Wechsel vom badischen zum württembergischen Beitragsmodell stark angestiegen. Der GEB sorgte damals mit einer Stellungnahme zu dem Thema für einigen Unmut in Stadtverwaltung und Gemeinderat.

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Inzwischen steht neues Personal an der Spitze des GEB, der Tonfall ist moderat und die Gruppe stellt sich bei einem ersten Pressegespräch vor – am passenden Ort, nämlich auf dem Spielplatz am Stadtgarten. Man habe in diesem Jahr schon einiges hinbekommen und wolle motiviert weitermachen, sagt die neue Vorsitzende Stephanie Lory. Der Tonfall im Austausch mit der Stadt sei angenehm, sagt Schriftführerin Stefanie Metzinger, der GEB wolle sachlich und argumentativ auftreten. Und Beisitzerin Jessica Hiller, die von Anfang an zum Gesamtelternbeirat gehört, umreißt die Aufgaben des Gremiums. Der GEB vertrete die Eltern: „Dabei versuchen wir, uns nach der Mehrheit zu richten, nicht nach der Lautstärke.“

Viele Themen treiben die Eltern um

Nach wie vor gibt es einige Themen, die die Stockacher Eltern umtreiben. Im derzeitigen durch die Corona-Krise geprägten Umfeld nehmen die Elternbeiträge weiter Raum ein. Denn aufgrund der Krise dürften Gehälter in der nächsten Zukunft kaum steigen, so die Befürchtung von Beisitzerin Jessica Aurioso: „Da wird niemand eine Gehaltserhöhung bekommen.“ Entsprechend plädierte der GEB im Mai, als der Gemeinderat über das Thema zu entscheiden hatte, für eine weniger starke Anhebung der Elternbeiträge, als von der Verwaltung vorgeschlagen. Der Rat folgte jedoch mit zwei Gegenstimmen dem Vorschlag der Verwaltung, ab September 2020 vier Prozent und ab September 2021 weitere drei Prozent mehr an Beiträgen zu berechnen.

„Aufgrund der Corona-Krise konnten seit März keine neuen Kinder mehr aufgenommen werden.“ Hubert Walk, Hauptamtsleiter
„Aufgrund der Corona-Krise konnten seit März keine neuen Kinder mehr aufgenommen werden.“ Hubert Walk, Hauptamtsleiter | Bild: Becker, Georg

Allerdings könne die Erhöhung auch geringer ausfallen, wenn die Empfehlung der kommunalen und kirchlichen Spitzenverbände niedriger ausfällt als der Gemeinderatsbeschluss, hebt Hiller hervor. Hauptamtsleiter Hubert Walk, der in der Stadtverwaltung für die Kinderbetreuung verantwortlich ist, bestätigt auf Anfrage, dass die Verwaltung dem Gemeinderat in diesem Fall eine Beitragssenkung vorschlagen werde. Dass die Erhöhungen nun für drei Jahre festgelegt werden, sei zudem einer der Wünsche des GEB gewesen, sagt Metzinger: „Das macht die Sache für Eltern verlässlich und absehbar.“

Der Einfluss der Corona-Krise

Und auch bei der Notbetreuung während der Corona-Krise geht es um die Elternbeiträge. In diesem Zusammenhang plädiere der GEB für einen Tagessatz, so Stefanie Metzinger. Im Klartext: Eltern sollen Beiträge für die Notbetreuung nur für die Tage zahlen, in denen sie sie auch in Anspruch genommen haben, statt einen ganzen Monatsbeitrag zu zahlen. Im Juli solle das Thema im Gemeinderat sein, was Hauptamtsleiter Hubert Walk bestätigt. Der Rat werde sich voraussichtlich in der Sitzung am Mittwoch, 22. Juli, mit der Erhebung der Elternbeiträge von März bis Juli 2020 befassen, schreibt er.

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Auch die Versorgung mit Plätzen ist ein Thema, über das sich die im GEB vertretenen Eltern ihre Gedanken machen. Es gebe an mehreren Einrichtungen Wartelisten und manche Kinder würden keinen Platz bekommen, sagt Jessica Hiller. Hauptamtsleiter Walk begründet dies auch mit der Corona-Krise: „Aufgrund der Corona-Krise konnten seit März keine neuen Kinder mehr aufgenommen werden.“ Die Kindergärten hätten deswegen laufende Eingewöhnungen von neuen Kindern abbrechen müssen. Dies aufzuholen könnte in einigen Einrichtungen bis Jahresende dauern, neue Aufnahmen auch nach der Sommerpause könnten sich verzögern. Konkrete Angaben zur Zahl der betroffenen Kinder machte Walk nicht.

Zumindest ein Kindergarten soll erweitert werden

Doch er schreibt auch, dass zumindest eine neue Erweiterung geplant sei: „In einer der beiden Juli-Sitzungen werden wir dem Gemeinderat vorschlagen, am Kindergarten Winterspüren eine zusätzliche Kleinkindgruppe für Zwei- bis Dreijährige zu schaffen.“ Der Kindergartenbedarfsplan, der sich durch die Corona-Krise ebenfalls verzögert habe, solle weiteren Handlungsbedarf aufzeigen, so Walk. Jessica Hiller gibt allerdings zu bedenken, dass es die Wartelisten gebe, obwohl die Stadt Stockach im regionalen Vergleich relativ hohe Elternbeiträge erhebe.

Auch der Stichtag für die Einschulung spielt bei diesem Thema eine Rolle. Denn dieser wird in Baden-Württemberg schrittweise vom 30. September eines Jahres auf den 30. Juni eines Jahres vorgezogen. In diesem Jahr rutscht er auf den 31. August nach vorne. Ergebnis: Kinder, die im September 2020 sechs Jahre alt werden, müssen nicht in die Schule gehen, sondern können länger im Kindergarten bleiben. Metzinger: „Das gibt weniger Planungssicherheit, weil die Eltern es selbst entscheiden.“

Haben die Kita-Eltern das Gefühl, mit ihren Anliegen gehört zu werden? Das Gremium gibt Stellungnahmen ab, wenn der Gemeinderat Fragen der Kinderbetreuung entscheidet. Und diese Stellungnahmen werden auch wahrgenommen, so der Eindruck von Stefanie Metzinger. Dennoch würden die Eltern begrüßen, wenn sie auch in der Sitzung etwas sagen dürften, sagt Jessica Hiller. Ein Rederecht im Gemeinderat sei im Austausch mit dem GEB bislang kein Thema gewesen, schreibt Hubert Walk.