Schon vor einem Jahr brachte der Juli einen Neuanfang für die Stockacher Krämermärkte, nach einer Corona-Pause durfte damals der erste Markt seit dem Beginn der Pandemie stattfinden. Und nun, ein Jahr später, konnten am Donnerstag mit dem Monatsbeginn ebenfalls zum ersten Mal nach langem Stillstand Händler wieder ihre Ware anbieten und Kunden durch die Hauptstraße schlendern. Zuletzt war das im Dezember möglich gewesen, im April war der Markt wegen zu hoher Corona-Zahlen ausgefallen.

Noch gibt es wenig Krämermärkte

Das Interesse an der Veranstaltung war groß: Wie der städtische Marktmeister Michael Evers, der schon im Vorfeld berichtete, hatten sich für den ersten Krämermarkt des Jahres 28 Verkäufer angemeldet. In der Vergangenheit, als Corona noch keine Rolle gespielt habe, seien es teilweise nur 14 Anmeldungen gewesen.

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Evers führt die große Nachfrage auf die schwierige Situation der Marktbeschicker zurück. Viele Krämermärkte seien wegen der Pandemie ausgefallen. „Im Moment sind wir eine der wenigen Städte, die einen Krämermarkt anbieten“, so Evers. „Da sind die Marktbeschicker natürlich froh, wenn überhaupt etwas stattfindet.“

Der erste Stockacher Krämermarkt in diesem Jahr lockte nicht nur viele Verkäufer, sondern auch Kunden in die Hauptstraße
Der erste Stockacher Krämermarkt in diesem Jahr lockte nicht nur viele Verkäufer, sondern auch Kunden in die Hauptstraße | Bild: Marinovic, Laura

„Es ist fast wie Weihnachten“

Die Händler bestätigten Evers‘ Eindruck. „Es ist fast wie Weihnachten“, sagte Rudolf Kleinknecht, der mit seiner Frau Gabriele unter anderem Haushaltsware und Gürtel verkauft. Der Stockacher Krämermarkt sei erst der fünfte, am dem die beiden in diesem Jahr teilnehmen, normalerweise seien es zu dieser Zeit bereits etwa 60 bis 65 gewesen, berichtet Kleinknecht.

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Er sei „sehr dankbar“, dass die Stadt Stockach den Krämermarkt anbietet: „Man muss sie wirklich loben, das macht nicht jede Stadt.“ Andere Städte sagen die Krämermärkte in diesem Jahr einfach im Vorfeld komplett absagen. In Stockach läuft das anders, wie Michael Evers erklärt, werde es abhängig von der Corona-Inzidenz vor jedem Markt neu entschieden, ob die Veranstaltung möglich sei oder nicht. Sollte sich die Situation schnell verschlechtern, müsse ein Markt im schlimmsten Fall kurzfristig abgesagt werden.

Für Rudolf und Gabriele Kleinknecht ist der Stockacher Krämermarkt wegen Corona erst der fünfte in diesem Jahr.
Für Rudolf und Gabriele Kleinknecht ist der Stockacher Krämermarkt wegen Corona erst der fünfte in diesem Jahr. | Bild: Marinovic, Laura

Rudolf Kleinknecht hat dafür Verständnis: „Uns ist ja auch die Sicherheit und Gesundheit das Wichtigste“, sagte er. Nur pauschale Absagen, die halte er für eine schlechte Entscheidung. Und noch etwas beklagte er: So habe er bisher nur teilweise Soforthilfen erhalten und davon würden auch Rückzahlungen gefordert. Um durch die Krise zu kommen, habe er auf Rücklagen zurückgreifen müssen, obwohl das Geld „eigentlich für die Rente vorgesehen war.“ Die Situation sei schwierig.

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Besonderer Flair in der Hauptstraße

Darina Krauß, die vor allem Süßwaren verkauft, hätte in diesem Jahr bisher sogar schon etwa 90 Krämermärkte besucht, doch wegen Corona war der Stockacher Markt für sie erst der dritte. Zwar verkaufe sie auch über das Internet, erzählte sie, „aber das hat auch brutal nachgelassen“. Schwer sei auch, dass bereits das Weihnachts- und Fasnachtsgeschäft ausgefallen sei. Durch staatliche Hilfen und die Möglichkeit von Kurzarbeit sei es allerdings möglich, zu überleben.

Darina Krauß verkauft vor allem Süßigkeiten
Darina Krauß verkauft vor allem Süßigkeiten | Bild: Marinovic, Laura

Mehr Glück hatte in der Pandemie Immanuel Hinz. Mit seinem Stand, an dem er Kräuter und Gewürze anbietet, sei er auch auf Wochenmärkten unterwegs gewesen, die trotz Krise stattgefunden haben. Dennoch freute auch er sich über die Möglichkeit, in Stockach seine Ware auch wieder auf einem Krämermarkt verkaufen zu können. „Das ist ein ganz anderer Flair“, erklärte er. „Hier gibt es Sachen, die es so nicht im Laden zu kaufen gibt.“

Und nicht nur bei den Händlern, sondern auch bei den Kunden kam das Angebot gut an, den ganzen Tag über waren Menschen in der Hauptstraße unterwegs. Der Markt habe ihr gefehlt, erzählte Elisabeth Heine, während sie zwischen den Ständen unterwegs war. „Ich gehe gerne auf den Krämermarkt.“ Angst vor einer Ansteckung habe sie dabei nicht gehabt. Zum einen sei man an der frischen Luft, zum anderen werde beim Einkaufen Abstand gehalten.