Fast schon überfüllt ist es beim Konzert des Jazzclubs auf der Bühne. Sage und schreibe zehn Mann drängen sich dort. Ein Flügel steht auch dabei. Es ist aber nicht etwa das Publikum hinauf gestürmt, sondern es handelt sich dabei um die Musiker von Thärichen‘s Tentett.

Die Berliner Mini-Bigband präsentiert aktuell das Programm zu ihrem 20-jährigen Bestehen. „No half measures“ (Keine halben Sachen) heißt das Album, das dazu entstanden ist. „Es ist ein Dankeschön an die Band“, wie Pianist und Bandleader Nicolai Thärichen erklärt.

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Jeder der Musiker habe dazu einen Teil beigesteuert. So basiert der humorvolle Titel „Ich hab‘ dir heut ein Grab gekauft“ auf einem Text von Baritonsaxophonisten Nikolaus Leistle und zeigt dessen romantische Ader, wie Thärichen sarkastisch anmerkt.

Frech und mit viel Humor

Damit setzt sich der Tenor des ganzen Abends: humoresk und frech. Die ungewöhnliche Formierung lässt den Glanz vergangener Tage aufleben, allerdings nicht ohne ein Augenzwinkern. Besonders Sänger Michael Schriefel macht dabei viel von diesem ganz speziellen Charme aus.

Der erste Eindruck lässt an Max Raabe erinnern, Schriefel zeigt jedoch noch eine Schippe mehr Attitüde in seiner Performance. Da wird mit den Hüften mitgewippt, theatralisch die Arme geschwungen, die exaltierte Mimik nicht zu vergessen. Selbst eine Luftgitarre und ein imaginäres Klavier kommen zum Einsatz. Wenn der Berliner Sänger sich so in Szene setzt, ist es kaum möglich, sich nicht mitreißen zulassen.

Ensemble mit Kultfaktor

Der Kultfaktor des Ensembles ist groß. Vor dem geistigen Auge lassen sie einen Hauch von Broadway aufleben. Durch Posaunist Simon Harrer bringen sie einen ehemaligen Singener mit.

„Wir haben ihn heute heimgeführt“, scherzt Pianist Thärich. Das unterhaltsame Stück „Tilda Eats Chickpeas“ ist sein Beitrag zum Jubiläum. Dramaturgischer Höhepunkt des Programms ist die Komposition von Gitarrist Kai Brückner. In „Giant Leap for Mankind“ bringen die Herren ihren ganzen Schwung zum Ausdruck. Altsaxophonist Jan von Klewitz glänzt mit seinem Solo.