Der Schulleiter: „Wir sind professioneller geworden.“

Markus Oppermann ist zufrieden: Der Leiter der Grundschule Welschingen zieht nach den ersten Tagen der leeren Klassenzimmern, von wo aus er seine Schüler mit Video-Konferenzen und Wochenplänen unterrichtet, eine positive Bilanz – auch wenn noch nicht alles reibungslos läuft. „Die Situation hat sich im Vergleich zum ersten Lockdown im Frühjahr wirklich verbessert“, sagt er. Schüler aber auch Lehrer hätten dazugelernt und sich im Umgang mit den neuen oder digitalen Lernangeboten verbessert. „Wir sind professioneller geworden“, betont Oppermann. Dennoch ist der Schulalltag ohne Schüler im Klassenzimmer ein anderer. „Natürlich fehlen uns unsere Schüler“, sagt Oppermann.

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Und auch der Arbeitsaufwand sei für die Pädagogen ein anderer als im Präsenzunterricht. „Der ist wesentlich höher“, so der Welschinger Schulleiter weiter. Lehrer müssten bei der Vorbereitung der Wochenpläne mögliche Fragen der Schüler vorwegnehmen, vieles muss viel detaillierter erklärt werden, direkte Rückfragen sind nicht möglich. „Das erschwert die Sache ungemein“, sagt Oppermann. Es reiche als Lehrer nicht mehr aus, die Schüler nur aufzufordern auf einer beliebigen Seite eine bestimmte Aufgabe zu lösen. „Wir können nicht einfach nur Aufgaben an unsere Schüler rausgeben“, erklärt er.

Ein bisschen Normalität kehrt zurück

Der direkte Kontakt mit den Schülern, der spontane Austausch, das gemeinsame Lachen und natürlich auch das Lernen fehlen Oppermann. Ein Umstand hilft ihm dann an der Welschinger Grundschule doch, ein bisschen Normalität in den Schulalltag zu bekommen: Ein Zimmer ist komplett als digitales Klassenzimmer ausgerüstet. Das ermögliche den Lehrern, regelmäßig mit ihren Schülern in einer Video-Konferenz zu sprechen. So sei ein Stück weit Normalität möglich. „Ich sehe die Kinder, sie sehen mich und was viel wichtiger ist, wir können uns direkt austauschen“, sagt der Schulleiter.

Video-Konferenz als Alternative

Den Unterricht im Klassenzimmer ersetze es zwar nicht, aber durch die Video-Konferenz schaffe man Wertschätzung und einen direkten Kontakt. „Die Kinder wollen und sollen das Gefühl haben, in der Schule zu sein“, sagt Oppermann. Er erinnert sich dabei an eine kuriose Geschichte: Einem Schüler sei bei der Konferenz die Hauskatze durch das Bild gelaufen, wonach es natürlich etliche Fragen zum Namen der Mieze, der Art und dem Alter kam – der Unterricht wurde kurzzeitig ausgesetzt, aber auch das gehöre dazu. Nach ein paar Minuten wurde wieder fleißig gelernt.

Technisch hakt es manchmal

Ganz rund läuft es im Alltag des Schulleiters in Zeiten des Fernunterrichts nicht. Zumindest nicht immer. Mit technischen Defekten müsse man immer rechnen. „Mir ist bei einer der ersten Konferenzen eine Minute vor Beginn das Mikrofon ausgefallen, „ sagt er. Aber das gehöre mitten in einer Pandemie wohl dazu. „Ich freue mich einfach, wenn ich die Kinder wieder in der Schule sehen kann“, hofft Oppermann.

Das Wohn- wird zum Klassenzimmer: Falko Bossenmaier beim Onlineunterricht und sein Bruder Hansi beim Bearbeiten von Aufgaben. Bild: Sandra Bossenmaier
Das Wohn- wird zum Klassenzimmer: Falko Bossenmaier beim Onlineunterricht und sein Bruder Hansi beim Bearbeiten von Aufgaben. Bild: Sandra Bossenmaier | Bild: Sandra Bossenmaier

Die Mutter: „Frust und Lustlosigkeit machten sich breit.“

SÜDKURIER-Mitarbeiterin Sandra Bossenmaier gehört zu den zahlreichen Eltern, die sich wegen geschlossener Schulen umstellen müssen: Schule findet jetzt zuhause statt. Dabei ist auch sie selbst als Mutter gefordert. Ein persönlicher Erfahrungsbericht.

„Die erste Woche Homeschooling im zweiten harten Lockdown ist geschafft. Zu Beginn der Woche gab es im Hause Bossenmaier allerdings die Befürchtung, diese nicht unbeschadet zu überstehen. Rückblick auf den Montag nach den Weihnachtsferien: Stress machte sich bei mir und meinen beiden Söhnen, welche die dritte und vierte Klasse der Grundschule besuchen, bemerkbar. Die in der Schule abgeholten Lernpakete ließen auf eine anstrengende und lehrreiche Woche vorausblicken. Von Freude und Ehrgeiz beim Lernen war bei den Kindern jedoch überhaupt nichts zu spüren, Frust und Lustlosigkeit machten sich breit. Zumindest die Onlinekonferenzen mit den Lehrerinnen funktionierten fast reibungslos. Technische Probleme waren lediglich meiner Unkenntnis bei der Einrichtung von neu angeschafften Endgeräten geschuldet.

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Im Laufe der Woche entspannte sich die Situation am heimischen Wohnzimmertisch, die Kinder kamen täglich besser mit der Situation klar. Die große Herausforderung Homeschooling hat nämlich auch Vorteile. Zum einen klingelt der Wecker deutlich später als an normalen Schultagen. Es genügt vollkommen, erst ein paar Minuten vor der Onlineschulstunde aufzustehen. Und wenn der Sohn noch eine Schlafanzughose und zwei verschiedene Socken trägt, bemerken dies nicht einmal die Schulfreunde.
Zusammenfassend ist für uns Homeschooling keine zufriedenstellende Alternative zum regulären Präsenzunterricht in der Schule. Denn am meisten fehlt meinen Söhnen der persönliche Kontakt zu den Schulfreunden und Lehrkräften, welche die vielen Lernhinhalte besser erklären können als die Mutter daheim.“

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Die Elternsprecher: „Das kann kein Ersatz sein für Präsenzunterricht.“

Eine anspruchsvolle Situation für Eltern schildert Marc Neininger als Vorsitzender des Gesamtelternbeirats Singener Schulen. Seine neunjährige Tochter besucht die vierte Klasse der Beethovenschule in Singen. „Wir haben schon vor den Ferien einige Materialien zum Ausdrucken erhalten“, schildert er, denn viele hätten bereits nicht mit Präsenzunterricht gerechnet. Weitere Materialien kämen nun per Mail – meist an die Eltern, die auch ein Lösungsblatt erhalten und damit die Lernerfolge ihrer Kinder begleiten können. Diese Begleitung sei aber auch nötig und erfordere Zeit, sagt Neininger, besonders bei jüngeren Kindern.

Wenn die Technik streikt

Probleme mit dem Server, wie sie zu Wochenbeginn für die Plattform Moodle gemeldet wurden, hat Neininger nicht bemerkt: „Bei uns funktioniert es gut, ich kann nicht meckern.“ Doch die Schule nutze einen anderen Dienst, auf den dann jeder zugreifen könne. Videounterricht gebe es in der Form allerdings noch nicht: Am Mittwoch war beispielsweise eine Videokonferenz angedacht, die an der Technik gescheitert sei. Neininger weiß als IT-Experte für die Stadtverwaltung, wovon er spricht: „Für eine Internetkonferenz muss die Verbindung aus der Schule raus gut sein.“ Daran hake es momentan noch, doch die Stadt arbeite daran. Daran gearbeitet wurde beispielsweise am Friedrich-Wöhler-Gymnasium, wo laut Elternsprecherin Esther Hall-Andes bereits die Kabel liegen und nur noch ein Vertrag fehlt. Aktuell würde Online-Unterricht teilweise nach zehn Minuten abbrechen.

Kontakt zu Lehrern darf nicht verloren gehen

„Wir haben im ersten Lockdown gemerkt, dass manche auf der Strecke bleiben. Es ist im Moment unglaublich viel, aber Kinder sind die schwächsten“, sagt Marc Neininger. Deshalb sollen Webkonferenzen künftig auch dazu beitragen, dass der Kontakt zu Kinder nicht verloren geht. Viele Eltern hätten zuhause keinen Festnetzanschluss: „Manche Schüler kommen einzeln und streng getrennt in die Schule, weil sie zuhause keinen Zugang zu den Lernmaterialien haben“, sagt Neininger. Deshalb bräuchten Endgeräte auch eine SIM-Karte.

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Beim ersten Lockdown hätten Lehrer die Aufgaben teils auch auf dem Schulhof übergeben oder direkt beim Schüler vorbeigebracht, damit jeder versorgt werde. Esther Hall-Andes schildert auch die schwierige Lage für Abschlussklassen wie die ihres Sohnes: Für nächste Woche waren ursprünglich zehn Unterrichtsstunden in der Schule geplant, denn das Abitur steht kurz bevor. Doch das sei nun doch nicht möglich. Präsenz gilt nur bei Klausuren, die weiterhin geschrieben werden müssen.

Elternvertreter Marc Neininger: „Bei uns funktioniert es gut, ich kann nicht meckern.“ Bild: Privat
Elternvertreter Marc Neininger: „Bei uns funktioniert es gut, ich kann nicht meckern.“ Bild: Privat | Bild: SK

Die wenigsten Lehrer hätten Informatik studiert, doch die allermeisten würden sich sehr bemühen, sagt der Gesamtelternsprecher. So biete die Lehrerin seiner Tochter etwa eine Sprechstunde an, in der Lernfortschritte besprochen werden. Waren die Aufgaben schwer? Dann gibt es weitere Erklärungen. Waren die Aufgaben schnell geschafft? Dann gibt es weitere. „Gut lief es im ersten Lockdown nicht“, sagt Neininger offen, „aber wir haben dazu gelernt. Damit es wirklich gut ist, braucht es aber noch eine Weile.“ Auch Esther Hall-Andes erfährt überwiegend positive Rückmeldungen. Dennoch betonen beide Elternvertreter: „Die aktuelle Situation kann kein Ersatz sein für Präsenzunterricht.“ Hall-Andes appelliert: Künftig sollte auch für ausreichend Schulbusse gesorgt werden, damit Schüler darin nicht dicht gedrängt stehen müssen. Verständnis zeigt auch Marc Neininger für alle Eltern: Es sei schwer, Kinderbetreuung parallel zur Berufstätigkeit gerecht zu werden. „Ich ziehe den Hut vor jedem, der es versucht – und das sind alle!“