Frau Alaro, im Mai sind Sie Teil der Ausstellung ‚Introspection: Outside the picture‘ in New York. Für Sie ist das eine große Premiere, wie kam dieses Projekt zustande?

Als sich die Möglichkeit geboten hat, habe ich mich einfach beworben. Ich dachte, verlieren kann ich ja nichts, also habe ich der Galerie mein Portfolio zugesandt. Kurze Zeit später wurde ich zu einem Online-Interview eingeladen und man sagte mir, dass ich gut zum Konzept der Galerie passen würde.

Worum wird es dabei gehen?

Es ist eine kollektive Ausstellung mit verschiedenen internationalen Künstlern, die so die Gelegenheit haben, sich vorzustellen. Mein persönliches Thema ist aus einer Serie namens ‚Sunflower Ocean‘. In 16 Werken geht es um emotionale Erinnerungen und Geschehnisse, die ich beim Malen verarbeitet habe. Dazu gehört auch, dass ich bikulturell aufgewachsen bin. Dadurch entstehen Konflikte, aber auch schöne Ereignisse. Der Faktor der Kultur ist immer ein Aspekt, den man aber nicht immer direkt im Bild sieht. Insbesondere Identität ist ein wiederkehrendes Motiv meiner Arbeiten. Deshalb sind euch einige Selbstbildnisse darunter.

Reisen sind aktuell ja kaum möglich und New York ist weit weg. Werden Sie anwesend sein können?

Bisher war ich noch nie in New York. Ich wäre gerne persönlich dabei gewesen, aber wegen den Corona-Regelungen darf ich leider nicht einreisen. Das finde ich teilweise frech, denn Arbeitsreisen sind schließlich zulässig. Kunst scheint allerdings nicht als Arbeit angesehen zu werden. Gerade in solchen Zeiten sieht man, wie kreativ die Leute zuhause werden, wie wichtig Kunst auch jetzt ist. Trotzdem wird es wohl lediglich als Hobby betrachtet. Einer ebenfalls beteiligten Künstlerin aus Spanien erging es genauso. Nun werden nur meine Bilder verschifft. Auch ein paar Freunde, die ich dort habe, helfen dabei. Aber Steuern muss ich dann trotzdem ordentlich zahlen. Das muss ich gerade alles noch abklären.

Was hat Sie zur Malerei getrieben? Gab es Einflüsse aus Ihrem Umfeld?

Meine Mutter meint, sobald ich einen Stift halten konnte, habe ich gemalt. Ab da habe ich nie wieder damit aufgehört. Nachträglich denke ich, dass ich meiner ehemaligen Kunstlehrerin sehr dankbar bin. Sie hat immer versucht, mich zu fördern. Selbst als sie mich nicht mehr offiziell unterrichtet hat, hat sie mich aufgefordert, meine Bilder zu zeigen. Sie hat sie korrigiert und mir Anregungen gegeben. Im Sommer haben wir uns bei ihr zuhause getroffen und sie hat mir verschiedene Techniken gezeigt. Als Kind war mir gar nicht bewusst, wie viel das wert ist.

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Was für Pläne stehen als nächstes an?

Ich wollte dieses Jahr eigentlich mit einem Masterstudiengang anfangen. Ob Architektur oder Kunst bin ich noch am Überlegen, bei beidem interessiere ich mich für eine Lehrtätigkeit. Ein reines Onlinestudium möchte ich aber mit einem künstlerischen-praktischen Studiengang nicht machen, erst wenn sich die Situation verbessert. Ich bin noch jung, also arbeite ich aktuell und probiere mich aus. Solange der Lockdown andauert, möchte ich mich meinen Fertigkeiten widmen. Ausstellungen werden in Deutschland vermutlich ohnehin nicht stattfinden können. Nächstes Jahr wird das hoffentlich anders sein.

Bis vor Kurzem haben Sie noch in Konstanz gelebt. Was hat Sie jetzt nach Berlin getrieben?

Ich wollte immer nach Berlin, schon in den vergangenen Jahren bin ich regelmäßig nach Berlin gefahren. Als meine Schwester hergezogen ist, habe ich mich ebenfalls dafür entschieden. Eigentlich wollte ich jetzt meinen Master in Berlin anfangen, aber auch wegen der Kunstszene in Berlin hat es mich gereizt. Jetzt bin ich seit ein paar Monaten hier, aber durch die Pandemie habe ich weniger zu sehen bekommen als in allen meinen Reisen. Trotzdem ist das Leben hier anders, lebendiger.

Den Großteil Ihres Lebens haben Sie im Hegau verbracht. Was verbindet Sie noch mit dieser Heimat?

Ich bin nach wie vor viel dort. Ich werde vermutlich nicht dauerhaft in Berlin bleiben. Dafür bin ich nicht die richtige Person. Ich gehe dorthin, wo es mir gerade gefällt. Seit ich in Deutschland bin, ist der Hegau meine erste Heimat geworden. Eine Freundin vor mir meinte, wer einmal in der Bodensee-Region gelebt hat, findet immer wieder dorthin zurück. Da meine Eltern noch in Singen wohnen, komme ich häufig dorthin.

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Inwiefern hat Corona Ihre künstlerische Tätigkeit beeinflusst?

Ich hole viel Inspiration aus Kontakten mit Menschen und den Erfahrungen, die ich sammle. Vor allem in den letzten Monaten habe ich gemerkt, dass mir diese Inspirationsquelle fehlt. Aber ich suche mir eben neue Wege. Ich versuche einfach zu arbeiten und durch diesen Prozess auf Ideen zukommen. Trotzdem sind auch neue Dinge zustande gekommen. Bereits seit meinem Bachelorstudium habe ich in Konstanz Zeichenkurse angeboten. Da nun alles online durchgeführt wird, kann ich sie trotz meines Umzugs fortführen. Außerdem hatte ich vor kurzem eine Online-Ausstellung. Ich dachte immer sowas würde ich mir niemals ansehen, aber es war letztlich eine tolle Erfahrung. Gerade da es online war, konnten am Ende Verbindungen mit Menschen aus der ganzen Welt entstehen.

Warum haben Sie sich trotz dieser Leidenschaft für die Kunst für ein Architekturstudium entschieden?

Mir war sofort klar, ich will Kunst nicht studieren. Ich habe mich in meiner freischaffenden Kunst noch nicht bereit dafür gefühlt. Ich hatte Angst, dass mich ein solches Studium blockieren würde. Mittlerweile überlege ich mir jedoch, das nachzuholen. Ich habe das Gefühl, es würde mir nun mehr helfen. Außerdem denke ich darüber nach Kunst selbst zu lehren. In einem Praktikum hatte mir Architektur erst gar nicht gefallen. Nach drei Semestern Politik und Verwaltung wusste ich dann aber, dass ich etwas Praktischeres brauche. Architektur vereint Technisches und Künstlerisches. Kunst mache ich ja eh immer.

Identität ist ein wiederkehrendes Motiv ihrer vielseitigen Arbeiten.
Identität ist ein wiederkehrendes Motiv ihrer vielseitigen Arbeiten. | Bild: Alaro

Über mein Studium bin ich sehr glücklich. Es hat mir gezeigt, dass Kunst mehr als Malerei ist. So wurde meine Perspektive erweitert. Jede Kunst vereint sich und am Ende steht die Architektur. Ich habe viele Interessen. Ich bin ein Mensch, der macht was ihm gefällt. Nur weil ich jetzt nichts mit Architektur zu tun habe, bin ich nicht für immer davon weg.

Das heißt also, dass Sie nun Ihren ganzen Fokus auf Kunst legen?

Ja, das ist mein Plan. Außerdem bin ich weiterhin als Lehrbeauftragte an der HTWG Konstanz für künstlerisches experimentelles Gestalten tätig. Ich habe neben dem Studium auch in einem Architekturbüro gearbeitet, aber jetzt muss ich mir Nebenjobs suchen. Gerade im letzten Halbjahr habe ich realisiert, dass ich Kunst hauptberuflich machen will.

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