Frau Schwarz, bedeutet die Krankheit Demenz für die Betroffenen automatisch, zu vereinsamen?

Durch die Maßnahmen rund um Corona wird die Einsamkeit von Demenzkranken natürlich noch größer. Aber die Gefahr zu vereinsamen ist auch in normalen Zeiten groß. Denn Verwandte und Freunde ziehen sich zurück. Vereinskollegen sind unsicher und kommen nicht mehr zu Besuch.

Warum ist das so?

Das veränderte Verhalten von Menschen mit einer Demenzerkrankung ist oft schwer zu ertragen. Es ist fast so, wie wenn er gar nicht mehr der Mensch wäre, den ich kenne. Er erkennt sein Gegenüber vielleicht auch nicht mehr, einst Bekannte werden zu Unbekannten. Oder er stellt immer wieder die gleichen Fragen.

Können Sie ein Beispiel erzählen?

Eine Frau im Gesangsverein hat lange aktiv gesungen. Sie war auch immer da, hat den Verein unterstützt und geholfen, wo sie konnte. Dann erkrankte sie an Alzheimer. Und plötzlich ist alles weg gebrochen. Keiner war mehr da. Und damals gab es noch nicht einmal Corona, das man als Begründung für den Kontaktabbruch nennen konnte.

Gibt es denn auch positive Beispiele?

Aber natürlich, ganz viele. Ich denke an einen ehemaligen Marathonläufer. Im Alter war er durch seine Demenz stark eingeschränkt. Aber einmal in der Woche ist ein ehemaliger Kollege gekommen und ist mit ihm spazieren gegangen.

Wie verhalte ich mich denn richtig?

Lassen Sie Betroffene und die Angehörigen nicht allein. Machen Sie mal einen Spaziergang zusammen. Machen Sie, was Sie früher auch gemeinsam getan haben. Wenn einer Ihrer Vereinskollegen oder Nachbarn dement wird – gehen Sie auch weiterhin auf ihn zu. Angehörige haben oft Hemmungen, sich Unterstützung zu suchen. Natürlich ist das während eines Lockdowns nicht möglich. Aber behalten Sie den Betroffenen im Gedächtnis – und besuchen Sie ihn, wenn es wieder möglich ist.

Wie kann die Gruppe hier helfen?

Wir klären zusammen natürlich auch die Frage, wie man ein Unterstützungsnetzwerk aufbauen kann. Wie kann man Freunde, Nachbarn und auch professionelle Helfer einbauen? Und auch die Beziehungen in der Frühstücksgruppe geben den Angehörigen untereinander Kraft. Meine Bitte an die Angehörigen ist immer wieder: Gönnen sie sich Zeit für sich, suchen Sie ihre persönlichen Kraftquellen.

Weitere Artikel zum Thema

Weitere Informationen zu Selbsthilfegruppen gibt es beim Seniorenbüro Singen unter der Telefonnummer (0 77 31) 85-540.