So ein Glück! Ein hilfsbereiter Mensch am Telefon. Kein Tonband. Sondern einer, der interessiert ist, Fragen stellt und einem den Rücken stärkt. Petra Elze atmet auf. Gemeinsam mit ihrer Schwester Sabine Zierold hat sie rund zehn Jahre lang Erfahrung in der Betreuung dementer Menschen gesammelt. Dennoch kommt sie immer wieder an Grenzen. Zuerst war der Vater betroffen, dann die Mutter – und jetzt auch noch die Tante. Jetzt haben sie Hilfe gefunden.

Olaf Schulze, Pflegeberater beim Pflegestützpunkt des Landratsamtes Konstanz, ist für Angehörige da. Auch mit anderen Einrichtungen hat Petra Elze gute Erfahrungen gemacht: „Die Klinik für Geriatrie in Radolfzell war für uns Gold wert.“ Bei den grundlegendsten Fragen seien sie ratlos gewesen, erinnert sich Petra Elze. „Was müssen wir tun? Was sind die nächsten Schritte? Was darf ich eigentlich?“

Bei Menschen mit Demenz gebe es verschiedene Schwierigkeiten: Es könne sein, dass sich die Persönlichkeit verändert. Damit müsse man klar kommen und der Person dennoch mit Respekt und Wertschätzung begegnen. „Einen Angehörigen mit Demenz zu betreuen, bedeutet, Verantwortung zu übernehmen – große Entscheidungen zu treffen bis zum Tod und darüber hinaus.“ Immer wieder sei die Gesellschaft ratlos und überfordert.

Olaf Schulze, Pflegeberater des Pflegestützpunktes Landkreis Konstanz, hat ein offenes Ohr für Angehörige.
Olaf Schulze, Pflegeberater des Pflegestützpunktes Landkreis Konstanz, hat ein offenes Ohr für Angehörige.

Olaf Schulze, Pflegeberater des Pflegestützpunktes, hilft gerne weiter. Es seien häufig ähnliche Fragen, die auftauchen. „Wie kann ich entlastet werden?“, sei oft ein erstes Fragezeichen. Olaf Schulze hilft betroffenen Angehörigen, Unterstützung zu finden – etwa durch ambulante Pflege, Tagespflege oder Nachbarschaftshilfe.“ Schnell fragen Angehörige dann weiter: „Wie kann ich das alles finanzieren?“

Die Pflegeberater helfen Angehörigen, den richtigen Ansprechpartner zu finden und Formulare auszufüllen. Noch eine weitere Frage beschäftige viele Angehörige von Menschen mit Demenz: „Wie kann mein Angehöriger möglichst lange zuhause leben?“

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Die Pflegeberater bieten ihre Hilfe nicht nur in Konstanz, Radolfzell und Singen an. Sie kommen auch in die Gemeinden. „Es gibt Sprechstunden in Stockach, Mühlingen, Moos, Rielasingen, Engen, Steißlingen, Gottmadingen, Hilzingen, Mühlhausen-Ehingen und Tengen„, so Schulze.

Die Kommunen informieren vorher über die Sprechstunde im Amtsblatt. Auch außerhalb der Sprechzeiten können Termine vereinbart werden. Dieses Jahr konnte das Jubiläum des Pflegestützpunktes nicht öffentlich gefeiert werden. Angehörige wie Petra Elze sind dennoch dankbar, dass ihnen die Pflegeberater den Rücken stärken. Trotz Corona-Krise.

Der Pflegestützpunkt Landkreis Konstanz ist unter Telefon (0 75 31) 800-2673 oder per E-Mail an psp@lrakn.de erreichbar.

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Demenz am Anfang schwer zu erkennen

Über die Situation pflegender Angehöriger von Menschen mit Demenz.

Frau Elze, wie fühlt es sich an, wenn man Angehörige mit Demenz betreut?

Ich bin sehr froh, dass ich das nicht alleine stemmen muss. Meine Schwester ist auch mit aktiv. Angehörige mit Demenz betreuen – das fühlt sich an, wie wenn man mehrere Leben verwaltet. Neben meinem eigenen Leben muss ich auch immer noch das Leben meiner Tante mitbedenken.

Wie kam es, dass Sie von Konstanz und Tägerwilen aus die Betreuung ihrer Tante in Berlin übernehmen mussten?

Sie war zehn Jahre lang Witwe, hatte keine Kinder und sonst keine Verwandten mehr. Zum Glück hat Tante Annemarie mit Unterstützung der Nachbarn eine Generalvollmacht ausgefüllt, in der sie uns bevollmächtigt hat. Das hat vieles erleichtert. Nun lebt sie in der Heimstätte Helianthum in Steißlingen.

Wie findet man denn heraus, dass ein Angehöriger dement ist?

Menschen mit Demenz sind Weltmeister im Überspielen. Man redet mit ihnen – und sie geben einem Antworten, die schlüssig erscheinen. Am Anfang merkt man erst auf den zweiten Blick, dass etwas nicht stimmt. Im Verlauf der Demenz wird es deutlicher. Auch Alltagskompetenzen gehen zurück.

Geht man dann zum Arzt?

Das wäre sinnvoll. Aber es ist nicht so einfach. Menschen mit Demenz sagen oft: „Ich bin doch nicht krank. Nein, ich muss nicht zum Arzt.“ Der normale Weg geht zum Hausarzt, dann zu einem Neurologen oder in eine Spezialklinik.