Auf der Terrasse steht ein Christbaum, drinnen sitzen acht ältere Damen und Herren. Aber nein, sie sitzen nicht. Sie strecken die Arme nach oben und wippen hin und her. Dann stehen sie auf. Die Gäste der Tagespflege in Gottmadingen nehmen gerade an einer Gymnastikrunde teil.

Mehr Stabilität beim Gehen und Stehen

„Bei unserem Sturzpräventionsprogramm setzen wir Klanghölzer und Rassel-Eier ein. Die Bewegung sorgt für Stabilität beim Stehen und Gehen“, erläutert Elisabeth Waibel. Waibel ist Leiterin der Sozialstation Hegau-West, zu der die Tagespflege gehört.

Wie es den Anschein hat, wirkt diese weihnachtliche Gymnastikrunde: Eine Frau, die davor in sich gekrümmt auf dem Stuhl saß, steht nun da – ihr Gesichtsausdruck wirkt gelöst. „Wir beziehen in unsere Aktivierungen alle ein. Egal, ob die Gäste von einer Demenz betroffen sind oder nicht“, erklärt Stefanie Neurohr, Teamleiterin der Tagespflege.

Aktivität ist wichtig

Bewegung gehört in der Tagespflege Gottmadingen zum täglichen Programm. Aktivität ist wichtig für Menschen, die sich gerne bewegen – aber auch für solche, die Bewegung vernachlässigen.

„Wir sind eine Gruppe, zu der sich die Gäste zugehörig fühlen“, fasst Elisabeth Waibel zusammen. Sie berichtet von einem Mann, der überall fortgelaufen sei. Früher haben die Experten in solchen Fällen von einer Weglauftendenz gesprochen. Inzwischen spricht man eher von einer Hinlauftendenz, so auch Waibel. Denn man geht davon aus, dass der Betroffene ein Ziel hat, zu dem er hin läuft.

Einer ihrer Gäste sei nirgendwo geblieben, nennt Waibel ein Beispiel. Er sei überall ausgebüxt – in der Kurzzeitpflege, aber auch zuhause oder bei Angehörigen. Der einzige Ort, an dem er geblieben sei, war die Tagespflege. „Das ist natürlich ein Riesenkompliment für uns“, findet Waibel.

Tänze für Menschen mit Demenz

Eine, die sich mit Bewegung und Demenz ebenfalls auskennt ist Alice Kühn aus Gottmadingen. Sie unterrichtet Betreuungskräfte und bringt ihnen Techniken näher, mit denen sie Menschen mit Demenz abholen können.

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Bewegung ist bei ihr noch mehr als nur Gymnastik – sie setzt sogar Tänze für Menschen mit Demenz ein. „Geeignet ist langsamer Walzer, Wiener Walzer, Tango oder Märsche.“ Solche Tänze können auch im Sitzen getanzt werden, mit Tüchern als Hilfsmittel, so Kühn. Außerdem verwende sie Rhythmik-Hölzer, Schütteleier und Holzrasseln.

Tanzen schult Gleichgewichtssinn

„Regelmäßiges Bewegen senkt das Demenzrisiko und bei Menschen mit Demenz erhöht es die Fähigkeit, sich zu erinnern“, so Kühn. Tanzen vernetze die beiden Hirnhälften, schule den Gleichgewichtssinn, kräftige Sehnen und Bänder und halte die Gelenke jung. Wer tanzt, baue damit Stress ab, stärke bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und wirke gegen Depression. Auch Feiertage und Lockdown müssen kein Grund sein, sich weniger zu bewegen.