Für viele Menschen ist es alltäglich geworden, sich morgens testen zu lassen. Doch während ungeimpfte Arbeitnehmer und Schüler verpflichtet sind, regelmäßig einen Corona-Schnelltest vorzulegen, ist es bei einer Personengruppe freiwillig: Kita-Kinder. Mindestens zwei Frauen aus Singen würden sich auch da eine Pflicht wünschen, um die Sicherheit in Kindertageseinrichtungen zu erhöhen und Schließungen zu vermeiden. Kristin Sorg ist nicht nur Mutter, sondern auch zweite Sprecherin des Gesamtelternbeirats Kita. Und Karin Bähn ist Leiterin des Caritas-Kindergartens Don Bosco. Gemeinsam mit Leonie Braun, Abteilungsleiterin für Kindertagesbetreuung der Stadt, beobachten sie teilweise sehr zurückhaltende Eltern.

„Wir haben Kitas, da testen fast alle Eltern, und andere, wo fast gar nicht getestet wird“, sagt Leonie Braun. „Bei uns wird es sehr wenig angenommen. Dabei steckt hinter jedem Kita-Kind Großeltern, die sich anstecken können“, sagt Karin Bähn. Deshalb wollen die drei Frauen mit möglichen Missverständnissen aufräumen.

Leonie Braun (von links oben) im digitalen Gespräch mit Redakteurin Isabelle Arndt, Mutter Kristin Sorg sowie Karin Bähn, Leiterin des Kindergarten Don Bosco der Caritas.
Leonie Braun (von links oben) im digitalen Gespräch mit Redakteurin Isabelle Arndt, Mutter Kristin Sorg sowie Karin Bähn, Leiterin des Kindergarten Don Bosco der Caritas. | Bild: Screenshot

„Man kann das ja auch spielerisch machen“, sagt Kristin Sorg. Sie ist Mutter zweier Kinder, die sich zweimal pro Woche auf das Coronavirus testen, bevor sie die Kita Bruderhof besuchen.

In einer Kita sind nur 13 von 57 Kindern getestet

Testende Eltern würden sagen, dass es ganz einfach ist, ergänzt Karin Bähn. Sie hätten in der Kita auf verschiedenen Wegen aufgeklärt, ob mündlich, mit Bildern oder mehrsprachigen Anleitungen. Dennoch kämen nur 35 bis 40 Prozent der Kinder getestet in die Kita. „Wenn es Fälle im Umfeld einer Familie gibt, wird einigen bang und sie holen sich einen Test. Doch das lässt dann wieder nach“, schildert die Kita-Leiterin. Während der ein oder andere das Risiko einer Infektion nicht wahrhaben wolle, gebe es auch Testgegner. In der Kita Bruderhof werden laut Kristin Sorg beispielsweise nur 13 von 57 Kindern getestet.

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Die Kita-Leiterin Karin Bähn würde sich zum Schutz aller eine Testpflicht wünschen. Viele Erzieher seien geimpft. Wer nicht immunisiert ist, müsse sich jeden Tag testen. Bei der Caritas würden sich auch geimpfte Erzieher zweimal pro Woche testen lassen. Doch immer wieder würden sie beispielsweise von Geburtstagsfeiern hören, wo klar sei: An Abstands- und Hygieneregeln halten sich nicht alle. Dabei wisse man, dass sich jede Krankheit in einem Kindergarten schneller verbreite. Kinder und Erzieher sind dort in ständigem, engem Kontakt.

Über eine Testpflicht werde diskutiert, sagt Leonie Braun, doch eine Entscheidung sei weder im Landratsamt noch im Landtag gefallen.

Vor- und Nachteile solcher freiwilligen Tests

Tests seien freiwillig und hätten Vorteile: „Es erhöht die Sicherheit aller in den Kitas“, erklärt Braun. Denn so könnten Erkrankungen schneller entdeckt und Ansteckungen vermieden werden. Die Abteilungsleiterin benennt auch Nachteile der Tests: Solche Schnelltests würden keine absolute Gewissheit bieten und bei geringer Viruslast nicht reagieren. Außerdem könnten sie durch Essen oder Trinken verfälscht werden.

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Deshalb wird empfohlen, dass Eltern ihre Kinder direkt am Morgen testen. Kristin Sorg ist sich bewusst, dass die Tests keine absolute Sicherheit bieten. Sie sieht es dennoch als wichtigen Beitrag während der Pandemie, um Erzieher und das eigene Umfeld gleichermaßen zu schützen.

Bald sollen neue Tests bestellt werden

Die Stadt stelle die Tests kostenlos zur Verfügung, wie Leonie Braun erklärt. Das Land wolle diese Kosten teilweise übernehmen, doch noch habe keine Abrechnung stattgefunden. Damit die Stadt finanziell planen kann und Tests nicht verfallen, werde regelmäßig bestellt. 4000 Tests waren es nach den Herbstferien, diese gehen nun zur Neige. Nachschub soll möglichst vor Weihnachten geordert werden.

Wer seine Kinder testen möchte oder noch Fragen dazu habe, könne sich einfach bei der jeweiligen Kita-Leitung melden, erklären die Frauen. Kristin Sorg ermutigt auch, sich mit anderen Eltern auszutauschen. Und wenn ein Test positiv ist? Dann wüssten die Kita-Leitung oder der Hausarzt weiter.

Pool-Tests scheitern in Singen an zwei Umständen

Anders als beispielsweise Konstanz wird Singen in nächster Zeit nicht auf sogenannte Pool-Tests setzen. Dabei werden mehrere PCR-Proben zusammengefasst und in einem Labor ausgewertet, was die Zuverlässigkeit der Ergebnisse erhöhen soll. In Singen sei das derzeit aber nicht möglich, wie Leonie Braun erklärt.

Einerseits gebe es dafür zu wenige Eltern, die ihre Kinder testen lassen wollen. Für Pool-Tests brauche es 15 bis 20 Kinder pro Gruppe. Außerdem brauche es Ärzte, welche die nötige Nachuntersuchung leisten können, falls ein Test positiv ausfalle. „Unsere Kinderärzte können es in dem Umfang nicht leisten“, sagt Leonie Braun. Denn wenn ein Pool-Test positiv ist, müssen sich alle Kinder einer Gruppe erneut einzeln testen lassen, um die tatsächlich Erkrankten festzustellen.

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