Steine, davon will Thomas Steier in der nächsten Zeit erstmal nichts mehr hören. Obwohl Steine in seinen Zuständigkeitsbereich gehören. Aber der Felssturz am Hohentwiel hat des Landesamtes Vermögen und Bau mit Sitz in Konstanz und seine Kollegin, die Architektin Ela Dünkelsbühler, in den vergangenen 15 Monaten genug Nerven gekostet. Auch Birgit Rückert, Leiterin der Schlossverwaltung Salem Staatliche Schlösser und Gärten, kann ein Lied davon singen.

Zwei schwere Vorfälle

Ihre Aufgabe ist es, den Singener Hausberg mit der eindrucksvollen mittelalterlichen Burgruine zu vermarkten. Doch da wurde sie gleich zweimal ausgebremst. Zuerst musste sie den Berg für die Besucher sperren, weil das Eschentriebsterben eine massive Abholzung erfordert hatte; dann kam zwei Wochen später der Felssturz und die Burg musste wieder geschlossen werden. Diesmal für eineinviertel Jahr.

15 Monate der Unwägbarkeiten

Beim Treffen aller für den Hohentwiel zuständigen Landesvertreter mit dem Singener Oberbürgermeister Bernd Häusler, Roland Frank als Leiter von Kultur Tourismus Singen (KTS) und Pressevertretern sprudelten die Erinnerungen an die zurückliegenden Monate der Unwägbarkeiten. Die Felsbrocken hatten sich zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt gelöst. Die Stadt Singen wollte das 50. Jubiläum der Übergabe des Hohentwiels im Juli 2019 mit einem opulenten Fest feiern. „Die Lastwagen mit dem Bühnenmaterial standen praktisch schon unten, und die Festung machte zu“, erinnert sich Häusler. Das Programm stand, die Künstler waren verpflichtet. „Ein Jahr später waren wir vor Corona immer noch nervös, ob wir das Fest unter dem Motto 50 + 1 feiern könnten.“

Solche Steinebrocken hatten sich im April 2019 aus der Felswand gelöst und waren mit hoher Geschwindigkeit in die obere Festung gekracht.
Solche Steinebrocken hatten sich im April 2019 aus der Felswand gelöst und waren mit hoher Geschwindigkeit in die obere Festung gekracht. | Bild: Tesche, Sabine

Felssturz bei Sicherungsarbeiten

Die Sorge war berechtigt, wie die Berichte von der leitenden Architektin Ela Dünkelsbühler nachträglich zeigen. Denn Ende Oktober 2019, als die Felssicherungsarbeiten durch die Industriekletterer und Alpinisten so gut wie beendet schienen, lösten sich erneut massive Felsbrocken aus der Wand, fielen mit großer Wucht auf den einzigen Zugang zur Ruine und über die Mauer bis in die obere Festung. Dort hatte sich jetzt der Tross zur offiziellen Wiedereröffnung der Burg versammelt.

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Bis zu einem halben Kubikmeter Größe

Wer die herumliegenden Klötze sieht und die Kerben in der Mauerkrone betrachtet, die die herabfallenden Steine verursacht haben, wird nicht mehr leichtfertig über die Vorsichtsmaßnahmen der Landesbehörden urteilen. „Bis zu einem halben Kubikmeter groß waren die Steine“, erinnert Ela Dünkelsbühler. Sehr viel Unterstützung bei der Schadenserhebung, der Ausschreibung und der Abnahme habe das Landesamt für Geologie und Bergbau in Freiburg geleistet, erklärt Thomas Steier. Warum die Sanierung für alle Beteiligten eine so große Herausforderung war, deutet der Behördenleiter an. Der Hohentwiel steht nicht nur unter Denkmalschutz, sondern ist auch ein streng geschütztes Naturschutzgebiet. „Hier mussten zahlreiche Belange berücksichtigt werden.“ Jede einzelne Sicherungsmaßnahme habe von allen Behörden genehmigt werden müssen.

Die Leiterin der Schlossverwaltung Salem, Birgit Rückert, bei den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg ist für die Vermarktung des Hohentwiel zuständig.
Die Leiterin der Schlossverwaltung Salem, Birgit Rückert, bei den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg ist für die Vermarktung des Hohentwiel zuständig. | Bild: Tesche, Sabine

Tests mit Zugversuchen

So richtig spannend war es noch einmal vor der letzten Abnahme durch die Freiburger Geologen geworden. Ela Dünkelsbühler schildert, wie mit Zugversuchen getestet wurde, ob die Felsnägel auch halten. „Alle geprüften Anker haben standgehalten.“ Auch Birgit Rückert musste sich zuerst belehren lassen, dass sie nach diesem Steinschlag die Festung nicht betreten durfte. Vom 27. April 2019 bis zur letzten Abnahme am 11. Juli 2020 war die Ruine gesperrt.

Es fehlen erhebliche Einnahmen

In der Zwischenzeit wurden 26 Felsnägel in die Steilwand getrieben und 180 Quadratmeter Stahldrahtgeflecht verspannt. Ein 22 Meter langer Geröllfangzaun soll kleinere Steine auffangen. Das alles wird das Land rund 200.000 Euro kosten. Nicht eingerechnet sind die fehlenden Einnahmen der rund 60.000 zahlenden Besucher.

Im Februar 2020: Philipp John ist selbstständiger Industriekletterer und leitete die Sicherungsarbeiten am Hohentwiel zusammen mit drei weiteren Kollegen der Würzburger Spezialfirma Königl.
Im Februar 2020: Philipp John ist selbstständiger Industriekletterer und leitete die Sicherungsarbeiten am Hohentwiel zusammen mit drei weiteren Kollegen der Würzburger Spezialfirma Königl. | Bild: Trautmann, Gudrun

Ein Chaos auf den Parkplätzen

Apropos Besucher: Seit die Burg wieder offen ist, wollen viele die Ruine sehen. So viele, dass die Parkplätze nicht mehr ausreichen. OB Bernd Häusler verweist auf den kostenlosen Hontesbus, der jetzt an den Wochenenden im 30-Minutentakt verkehrt. Um das Parkchaos des vergangenen Wochenendes rund um die Domäne künftig zu vermeiden, will die Stadt jetzt auch noch Sicherheitskräfte engagieren, die die Zufahrten kontrollieren.

Ela Dünkelsbühler von Vermögen und Bau, Amt Konstanz, hat die Sanierung des Felsens federführend begleitet. Oberbürgermeister Bernd Häusler betrachtet die Wand mit dem Geröllschutzzaun und den Felsnägeln.
Ela Dünkelsbühler von Vermögen und Bau, Amt Konstanz, hat die Sanierung des Felsens federführend begleitet. Oberbürgermeister Bernd Häusler betrachtet die Wand mit dem Geröllschutzzaun und den Felsnägeln. | Bild: Tesche, Sabine