Das scheint wie Schlauch auf Hydrant zu passen. Und auch die Uniform mit dem rot bezungtem Bär mit den Singener Stadtfarben Gelb und Blau auf dem Oberarm sitzt wie angepasst: Mario Dutzi ist neuer Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr in Singen. Am Montag hat der 38-Jährige seinen Dienst in der Wache an der Hauptstraße 31 aufgenommen. Der SÜDKURIER begleitete Dutzi bei seinem Amtsantritt. Dabei wurde deutlich: Der neue Feuerwehrchef fühlt sich unterm Hohentwiel pudelwohl – nur die goldene Umrandung des Abzeichens auf seiner Uniform fehlt noch.

Ein Kind der Jugendfeuerwehr

Der Nachfolger von Andreas Egger, der seit Kurzem neuer Kreisbrandmeister im Landkreis Konstanz ist, ist da. Quasi als erste Amtshandlung als neuer Kommandant nahm Mario Dutzi das neue Löschfahrzeug LF10 entgegen. „Es gibt schlechtere erste Arbeitstage“, sagt er. Der 38-Jährige ist gelernter Elektroinstallateur und war vor seinem Amtsantritt in Singen schon viele Jahre in Bereichen mit Führungsverantwortung bei der Berufsfeuerwehr der Stadt Pforzheim tätig. Seit 2010 war er ehrenamtlicher Kommandant der Feuerwehr Ubstadt-Weiher. „Ich bin ein Kind der dortigen Jugendfeuerwehr“, sagt Dutzi. Im Jahr 2012 wurde er zum Oberbrandmeister befördert.

Das könnte Sie auch interessieren

Warum es ihn nach Singen verschlagen hat? Zum einen sei in ihm schon länger der Wunsch gereift, sich zu einem hauptberuflichen Feuerwehrkommandanten zu entwickeln. Zum anderen habe es private Gründe, denn seine Partnerin lebe aktuell in Radolfzell-Böhringen. „Privat und beruflich passt das hier einfach“, so Dutzi weiter.

Begutachten das neue Löschfahrzeug: die Feuerwehrmänner Wolfram Groll (rechts) und Markus Weber.
Begutachten das neue Löschfahrzeug: die Feuerwehrmänner Wolfram Groll (rechts) und Markus Weber. | Bild: Matthias Güntert

Er sehe die Feuerwehr in Singen sowohl von der Mannschaftsstärke als auch von der Fahrzeugausstattung sehr gut aufgestellt. „Die Stadt und die Ortsteile stehen sehr gut da. Singen hat eine leistungsbereite Feuerwehr, darauf kann die Stadt stolz sein.“ Was nun noch fehlt: der dritte Streifen auf der Uniform. Die dafür erforderliche Prüfung für den gehobenen Feuerwehrdienst hat Dutzi schon bestanden. Am 15. Mai soll die Beförderung erfolgen. Dann kommt auch die goldene Umrandung auf der Schulter. „Dann müssen wir die neue Uniform noch einmal ein bisschen ändern“, sagt er.

Der Neue mit bewährtem Stellvertreter:

Mario Dutzi kann sich als neuer Feuerwehrkommandant auf einen Mann ganz besonders verlassen: seinen Stellvertreter Kai Olbrich. Der 45-Jährige ist seit 27 Jahren Feuerwehrmann, ein echtes Singener Urgestein also. Seit 2015 bekleidet er – damals noch unter Andreas Egger – die Funktion des stellvertretenden Kommandanten und er wird dies auch weiterhin tun. Denn Olbrich wurde vom Gemeinderat jüngst in seiner Funktion bestätigt. Für den neuen Kommandanten Mario Dutzi ist Kai Olbrich ein echter Glücksgriff. „Wir werden ein Duo auf Augenhöhe sein“, sagt Dutzi. Kai Olbrich fügt hinzu: „Ergänzend sogar.“ Von einem Konkurrenzkampf wollen beide nichts wissen. „Wir verstehen uns und sind schon länger im engen Austausch“, so Dutzi. Olbrich lobt vor allem die Zusammenarbeit mit der Stadt: „Wir wurden von Anfang an in die Entscheidung mit einbezogen.“

Singen können gut schlafen

Im Rathaus ist man erleichtert, dass sich das neue Führungsduo der Feuerwehr so gut versteht. „Wir sind unglaublich froh, dass das so gut funktioniert“, betont Oberbürgermeister Bernd Häusler. Für ihn selbst sei der Wechsel von Dutzis Vorgänger, Andreas Egger, ein kleiner Schock gewesen.

Zuwachs bei der Singener Feuerwehr: Das Löschfahrzeug LF10 hat ebenfalls seinen Dienst aufgenommen. OB Bernd Häusler übergab das Auto an Kommandant Mario Dutzi (Dritter von Rechts).
Zuwachs bei der Singener Feuerwehr: Das Löschfahrzeug LF10 hat ebenfalls seinen Dienst aufgenommen. OB Bernd Häusler übergab das Auto an Kommandant Mario Dutzi (Dritter von Rechts). | Bild: Matthias Güntert

Als dieser die Stadt von seinem Fortgang unterrichtet habe, habe ihn dies hart getroffen, so Häusler: „Das war ein schwerer Verlust, da er ein echter Fachmann mit unglaublichem Wissen und Leidenschaft für seinen Beruf ist.“ Doch der Rathauschef zeigt sich davon überzeugt, dass Dutzi die großen Fußstapfen seines Vorgängers bestens ausfüllen werde. „Mario Dutzi ist ein ausgewiesener Fachmann, der menschlich und von seiner Ausbildung her perfekt zu uns nach Singen passt“, sagt Häusler. Der Funke sei im wahrsten Sinne des Wortes schon übergesprungen.

Das könnte Sie auch interessieren

Auch für Stellvertreter Kai Olbrich findet Häusler lobende Worte -gerade mit Blick auf seine mehrere Monate andauernde Zeit als kommissarischer Kommandant. „Kai Olbrich hat das Schiff über fünf Monate hinweg auf Kurs gehalten“, so Häusler. Er sei dennoch froh, dass man mit Mario Dutzi schnell einen Nachfolger gefunden habe. „Wir wussten im Vorfeld nicht, wie lange die Interimszeit dauern wird“, so Häusler. Die Singener Feuerwehr habe wieder einen engagierten Chef, der die Wehr weiterentwickeln und zukunftsfähig aufstellen werde. „Die Singener können wieder beruhigt schlafen“, scherzt Häusler.

Wenn der Platz auf der Wache eng wird

Was auf das neue Führungsduo zukommen werde? OB Bernd Häusler macht aus einem Vorhaben kein Geheimnis: „Das einzige Manko unserer Feuerwehr ist seit vielen Jahren das aktuelle Gebäude.“ Dies sei nicht mehr zeitgemäß und vor allem zu eng für die rund 300 Feuerwehrkräfte. Für etwas Entspannung werde zwar demnächst gesorgt, wenn das Deutsche Rote Kreuz die angrenzenden Räumlichkeiten aufgeben und in den Neubau beim Krankenhaus ziehen werde.

Das könnte Sie auch interessieren

Doch auf lange Sicht müsse etwas Neues her. OB Häusler bekräftigte jüngst im SÜDKURIER, dass die Stadtverwaltung beim Feuerwehrhaus bereits eine Vorstellung habe, aber eine Entscheidung des Gemeinderates noch ausstehe. „Eine moderne Feuerwehr sollte auch ein modernes Gebäude haben“, so Häusler.

Häusler rechnet mit 15 Millionen Euro

Auch erste Zahlen präsentierte der Rathauschef: Häusler rechnet mit Kosten von bis zu 15 Millionen Euro. Mario Dutzi macht dabei deutlich, dass man ein neues Feuerwehrgebäude so planen müsse, dann man es in der Zukunft bei Bedarf auch erweitern könne. „Feuerwehrarbeit verändert sich“, sagt er. Mario Dutzi macht dabei deutlich, dass man ein neues Feuerwehrgebäude so planen müsse, dann man es in der Zukunft bei Bedarf auch erweitern könne. „Feuerwehrarbeit verändert sich“, sagt er.

Ehren- und Hauptamt gehen Hand in Hand

Nicht außer Acht lassen wollen Dutzi und Olbrich zudem die Abteilungen in den Ortsteilen. Auch dort besteht mit Blick auf Schlatt unterm Krähen und Friedingen Handlungsbedarf. Die Gebäude seien zum Teil stark sanierungsbedürftig. „Wir haben dort schon Pläne“, betont Olbrich. Auch das Thema Tagesverfügbarkeit wollen sie angehen. Es werde immer schwerer, dass ehrenamtliche Feuerwehrleute tagsüber in ihren Heimatorten einsatzbereit seien. Viele würden nicht mehr in Singen arbeiten, sondern in umliegenden Gemeinden. Dort werde irgendwann das Hauptamt ins Spiel kommen. „Aber das Hauptamt wird nie das Ehrenamt ersetzen“, betont Dutzi. Die hauptamtliche Arbeit könnte die ehrenamtlichen Feuerwehrleute aber entlasten.