Künftig muss sich Andreas Egger nicht mehr entscheiden, welche Jacke er anzieht: Die des Kommandanten der Singener Feuerwehr, des stellvertretenden Kreisbrandmeisters oder des Vize-Vorsitzenden des Kreisfeuerwehrverbands? Denn bald ist Andreas Egger nur noch eines: Kreisbrandmeister. Dazu wurde er Ende Juli gewählt. Dabei wehrt er sich gegen die Vorstellung, dass er Chef aller Feuerwehren wird: „So will ich es nicht verstanden haben.“ Vielmehr wolle er die Kollegen unterstützen und organisatorische Dinge klären. Wann er die neue Stelle antreten wird, ist aber noch unklar: Egger spricht von einer langen Kündigungsfrist, der zufolge er erst zum April 2021 den Arbeitgeber wechseln könnte.

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Er wechselte 2003 vom Ehren- ins Hauptamt

Die Lücke, die Andreas Egger in Singen hinterlässt, wird groß sein: 2003 wechselte der 51-Jährige vom Ehren- ins Hauptamt und wurde Kommandant. „Mir macht es hier Spaß“, sagt Egger klar. Es sei auch viel Zeit, Engagement und Herzblut in die Singener Wache geflossen: 1983 sei er hier erstmals ein- und ausgegangen, Vater und Großvater löschten schon ehrenamtlich Brände. Auch während seiner Lehre zum Fernmeldemechaniker, während seines Studiums zum Nachrichtentechniker und seiner Arbeit habe er Einsätze absolviert.

„Es gab Jahre mit 800 ehrenamtlichen Stunden“, erinnert sich Egger fast beiläufig. Dabei habe er stetig mehr Verantwortung getragen und sich schließlich zum Vize-Kommandanten hochgearbeitet. Als die Kommandanten-Stelle vakant war, habe der damalige OB Andreas Renner sie ihm angeboten. Und Egger zögerte nicht.

In Singen gibt es für den Nachfolger Einiges zu tun

Langeweile fürchtet Egger auch nach 17 Jahren als Kommandant nicht. Seit Langem gehe es zum Beispiel darum, dass die Feuerwehr eine neue Wache braucht: Der aktuelle Standort sei zwar ideal gelegen, aber früher ein Autohaus mit Werkstatt gewesen und nie für den Einsatz ausgelegt. Das merke man inzwischen deutlich. Doch Andreas Egger wird künftig von Konstanz aus erleben, wie sein Nachfolger eine mögliche neue Wache begleitet. Wer das sein wird, sei noch nicht klar: „Das wird spannend.“ Egger will nach eigenen Angaben dazu beitragen, dass ein qualifizierter Nachfolger gefunden wird.

Viel Zuspruch zur Entscheidung

Warum Egger nach so vielen guten Jahren in Singen doch wechselt? „Ein drittes Mal wird man nicht gefragt“, sagt er ehrlich. Als sein Vorgänger Carsten Sorg im Februar das Landratsamt verließ, wollte er noch nicht. Die Zeit sei noch nicht reif gewesen.

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Was sich seitdem verändert hat? Ein Kandidat, der Kreisbrandmeister werden sollte, hat kurzfristig abgesagt. Die Stelle blieb weiter unbesetzt. Und Andreas Egger wurde erneut gefragt. Der Kommandant spricht von anschließend spannenden Wochen mit vielen Fragezeichen: Will er sich wirklich aus dem Einsatzgeschehen zurückziehen? Er will. Denn nachdem er Kollegen von seinen Plänen erzählte, habe er unerwartet viel Zuspruch erfahren.

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Egger will das Ehrenamt stärken

Die Voraussetzungen für den neuen Posten habe er, erklärt Egger: Nachdem er Kommandant in Singen wurde, machte er eine Ausbildung für den gehobenen Dienst. Seitdem kümmerte sich Egger auch um vorbeugenden Brandschutz und prüft bei Gebäuden schon mit dem Bauantrag, ob diese im Brandfall sicher wären. Solche organisatorischen Dinge werden ihn künftig intensiver beschäftigen: „Der Kreisbrandmeister löscht in erster Linie keine Feuer, sondern unterstützt im Einzelfall.“ Nach dem Bauwagen-Unglück von Mühlingen habe er sich beispielsweise darum gekümmert, dass auch die Feuerwehrleute mental aufgefangen werden. Das ist ein Thema, das Andreas Egger grundsätzlich beschäftigt: Dass Feuerwehrleute wertgeschätzt und in ihrem Ehrenamt unterstützt werden.

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Rückblick auf Singen & Ausblick nach Konstanz

  • 17 Jahre in Singen waren laut Andreas Egger geprägt vom Wandel: Der Fuhrpark sei komplett umgekrempelt und technisch seien sie auf einem ganz anderen Niveau. Außerdem gebe es statt einst vier inzwischen neun hauptamtliche Mitarbeiter.
  • Monate ohne Kreisbrandmeister: Aktuell gibt es keinen Kreisbrandmeister, nachdem Carsten Sorg das Landratsamt im Februar verließ. Das bedeutet viel Arbeit für die Stellvertreter und den Abteilungsleiter: „Momentan ist es eine Mangelverwaltung“, erklärt Egger realistisch. Einen Teil der Arbeit könne der Amtsleiter übernehmen, doch ein Teil bleibe auch liegen.
  • Zukunft in Konstanz: Andreas Egger will die Themen vorantreiben, die sein Vorgänger angestoßen hat – und die Art und Weise beibehalten. „Es war ein Miteinander und das muss es auch in Zukunft sein.“ Thematisch geht es zum Beispiel darum, dass Feuerwehrleute künftig digital alarmiert werden sollen. Außerdem braucht es eine Atemschutz-Übungsstrecke im Landkreis: Atemschutzgeräte-Träger müssen einmal pro Jahr eine Übung nachweisen, dafür fahren die rund 1700 Feuerwehrleute aus dem Landkreis Konstanz aktuell nach Schaffhausen. Das sei jedoch eine Notlösung, die besonders in Corona schwierig sei. Eine eigene Strecke soll bis 2022 in Rielasingen-Worblingen entstehen, der Landkreis habe dafür Kosten von sieben bis acht Millionen Euro bewilligt.
  • Zeitpunkt des Wechsels: Der Zeitpunkt des Wechsels von Egger von Singen nach Konstanz steht nach Angaben des Landratsamts noch nicht fest und muss erst noch zwischen der Stadt Singen und dem Landratsamt abgestimmt werden. Im Landkreis Konstanz sind aktuell drei ehrenamtliche stellvertretende Kreisbrandmeister bestellt. Dies sind derzeit Hans-Jürgen Oexl, Uwe Hartmann und Andreas Egger. Die Aufgaben des Kreisbrandmeisters werden in der Übergangszeit von den Stellvertretern wahrgenommen.
  • Das sind die Aufgaben: Der Kreisbrandmeister übt einerseits die Aufsicht über die Gemeinde- und Werkfeuerwehren im Landkreis aus, hat aber auch eine beratende und unterstützende Funktion, etwa bei der Ausbildung der Feuerwehrangehörigen und der Planung und Beschaffung der technischen Ausstattung der Feuerwehren. Ferner nimmt der Kreisbrandmeister Aufgaben im Bereich des Katastrophenschutzes wahr und arbeitet hierbei eng mit sämtlichen Hilfsorganisationen, Behörden, Kommunen, Nachbarkreisen zusammen.

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