Während das Leben in der Singener Innenstadt wegen der Corona-Epidemie so gut wie lahmgelegt ist, gibt es Bereiche, die anscheinend reibungslos weiter funktionieren. Gemeint sind die Großbaustellen. Beinahe unbehelligt von der weltweiten Krise gehen die Arbeiten voran.

So auch beim Einkaufszentrum im Herzen der City. „Noch“, sagt Carolin Faustmann und verweist darauf, dass sich auch die Bestimmungen für die Handwerker jeden Tag ändern könnten. „Aber wir sind mit dem Cano voll im Zeitplan.“

Carolin Faustmann stellt die Weichen

Die Center-Leiterin hat zum Jahresbeginn ihre Arbeit in Singen aufgenommen und ihr Team zusammengestellt. Auch wenn sie nicht für den Hochbau zuständig ist, so ist sie doch stark vom Baufortschritt abhängig. Verzögert sich der Bau, so gerät der Eröffnungstermin in Gefahr. Doch das ist bisher nicht der Fall.

„Zum Glück“, sagt Carolin Faustmann, die zur Zeit von einer Telefonkonferenz zur nächsten eilt. Denn jetzt werden bereits die Weichen für die künftigen Abläufe gestellt. Dabei geht es sogar schon um Details wie Ladenzugänge, Wegeführung oder Beschilderungen für Toiletten. Diese Themen werden nun mit den Architekten und den künftigen Mietern besprochen. Jetzt schon?

Hier entstehen rund 80 Läden

Wer derzeit einen Blick auf die Baustellen gegenüber dem Singener Bahnhof wirft, kann sich eigentlich kaum vorstellen, dass das hier entstehende Einkaufszentrum im November 2020, also in acht Monaten, eröffnet werden soll. Zwar wächst der Rohbau rasant aus der Erde; aber die künftige Gebäudehöhe ist noch nicht einmal auf dem gesamten Areal erreicht.

Sobald die Kontaktsperre wegen der Corona-Pandemie gelockert wird, will Carolin Faustmann öffentliche Führungen über die Cano-Baustelle anbieten. Derzeit arbeitet sie jedoch überwiegend vom Home-Office aus.
Sobald die Kontaktsperre wegen der Corona-Pandemie gelockert wird, will Carolin Faustmann öffentliche Führungen über die Cano-Baustelle anbieten. Derzeit arbeitet sie jedoch überwiegend vom Home-Office aus. | Bild: Tesche, Sabine

Wie also sollen die rund 80 Läden bis zum Eröffnungstermin ausgebaut und mit der nötigen Infrastruktur versorgt sein? Carolin Faustmann lacht. „Das ist für Außenstehende in der Tat schwer vorstellbar“, sagt sie. „In der Shopping-Branche finden wir das aber relativ normal. Das meiste tut sich immer erst in den letzten 14 Tagen vor der Eröffnung.“ Doch bevor die Ladenbauer mit der Einrichtung der Geschäfte starten können, muss noch sehr viel geschehen.

Viele ausländische Arbeiter

230 Handwerker sind zur Zeit in den verschiedenen Gewerken auf dem Gelände aktiv. Rohbau, Haustechnik und Fassaden sind jetzt die Themen. Für diese Gewerke hat die Hamburger Entwicklungsfirma ECE Dienstleister unter Vertrag genommen. Diese Firmen beschäftigen viele ausländische Mitarbeiter. Die meisten bleiben über Monate hier und arbeiten auch an den Samstagen. Sie wohnen in Monteurswohnungen.

Viele kommen aus osteuropäischen Ländern. Zur Zeit dürfte ein Besuch in der Heimat wegen der verschärften Ein- und Ausreisebestimmungen kaum in Frage kommen. „Solange es keine Lieferengpässe gibt, arbeiten wir weiter“, erklärt Carolin Faustmann. Der Nachschub aus China komme wieder in Singen an. „Die Arbeiten finden im Freien statt und da ist es gut möglich, den Abstand von 1,50 Metern einzuhalten.“

Planer arbeiten in Zweierteams

Für die Planer und Manager hat ECE allerdings weitere Vorsichtsmaßnahmen ergriffen, um Infektionen zu verhindern. Es wurden Zweierteams gebildet und ein zweites Büro eingerichtet. Um die Koordination der Baustelle im Falle einer Ansteckung mit dem neuen Virus nicht zu gefährden, arbeiten die Teams getrennt voneinander und begegnen sich zum Bau-Jour-Fix nur in Telefonkonferenzen.

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Unterdessen ist die Center-Leiterin mit den Ladenbauern und der Stadtverwaltung im Gespräch. Viele Planer arbeiteten zur Zeit vom Homeoffice aus und hätten auch etwas mehr Zeit. Das habe zur Folge, dass jetzt sehr gute Pläne gezeichnet würden. Und auch die Stadt engagiere sich in den Genehmigungsverfahren massiv.

Bisher noch kein Rückzug wegen Corona

Über 90 Prozent der 16.000 Quadratmeter Verkaufsfläche seien sehr nachhaltig vermietet. Wackelkandidaten seien gar nicht erst in das Konzept aufgenommen worden. Bisher habe noch kein Mieter einen Corona-bedingten Rückzug angekündigt. Das sei aber auch noch zu früh, sagt Carolin Faustmann. „Viele kümmern sich jetzt zuerst um ihre Bestandsläden.“