Ultraschallreinigung: Das wird größtenteils Brillenträgern ein Begriff sein. Vereinfacht gesagt, funktioniert das Verfahren so: In einem Wasserbad werden Schwingungen erzeugt. Dadurch wiederum entstehen Luftbläschen, die platzen und dabei viel Energie freisetzen. Und mit dieser Energie wiederum kann man etwas reinigen – eine Brille zum Beispiel. Dafür gibt es die einschlägigen Geräte, die in Optiker-Geschäften zur Standardausstattung gehören.

Doch mit Ultraschall kann man noch viel mehr machen. Was mit dieser Technik im professionellen Maßstab möglich ist, kann man zum Beispiel beim Singener Unternehmen Elma Schmidbauer erleben. Dort ist man auf Reinigungstechnik spezialisiert, die größtenteils mit Ultraschall funktioniert. Kompakte und in Serie gefertigte Reinigungsgeräte gehören dort natürlich auch zum Programm. Doch das Alleinstellungsmerkmal des Unternehmens sind Anlagen, mit denen man auch große Werkstücke reinigen kann, zum Beispiel von Produktionsrückständen. „Mitunter gibt es extreme Anforderungen an die Reinheit. Wir sind teilweise das einzige Unternehmen weltweit, das diese Reinheitsklassen erreicht“, beschreibt Fabian Merk, Leiter Strategisches Marketing bei Elma, die Kernkompetenz des Unternehmens.

Ab 1. Oktober werden sie die Geschäftsführung von Elma Schmidbauer sein (von links): Fritz Bachhuber, Cornelia Schmidbauer, Mirja Schmidbauer.
Ab 1. Oktober werden sie die Geschäftsführung von Elma Schmidbauer sein (von links): Fritz Bachhuber, Cornelia Schmidbauer, Mirja Schmidbauer. | Bild: Manuel Paul Fotografie

Zu den Kunden zählt die Singener Firma unter anderem zahlreiche Hersteller von Medizintechnik wie Instrumenten und Implantaten, die nach der Herstellung gereinigt werden müssen, heißt es beim Pressegespräch. Aber auch bei Präzisionsoptiken, die beispielsweise in der Halbleiterherstellung genutzt werden, komme es auf Reinheitsgrade an, die teilweise optisch gar nicht mehr feststellbar seien, so Merk. Halbleiter werden unter anderem in Mobiltelefonen immer kleiner, die Anforderungen an die Präzision immer höher.

Dieses Unternehmen, das nach eigenen Angaben in 80 Ländern mit seinen Produkten vertreten ist, ist derzeit in der dritten Generation im Familienbesitz. Und das soll auch bei der Unternehmensleitung so bleiben. Denn bei Elma Schmidbauer steht der Wechsel zur nächsten Führungsgeneration an. Mirja Schmidbauer, älteste Tochter des 2014 verstorbenen früheren Chefs Manfred H. Schmidbauer, wird zum 1. Oktober geschäftsführende Gesellschafterin. Seit 2019 ist die 35-Jährige Mitglied in der Geschäftsleitung. Gesellschafter des als GmbH organisierten Unternehmens sind die jetzige geschäftsführende Gesellschafterin Cornelia Schmidbauer und die vier Kinder des Paares. Die Gesellschafter haben im April einstimmig beschlossen, dass Mirja Schmidbauer in die Geschäftsführung aufrücken soll.

Den Plan für die Nachfolge gab es schon länger

Dass sie Verantwortung für das Familienunternehmen übernehmen will, sei ihr schon früh klar gewesen, erzählt Mirja Schmidbauer beim Pressetermin. Ihr Vater habe sie auch schon früh einbezogen, einen Plan für die Nachfolge habe es schon länger gegeben. Doch im Jahr 2014 hatte Manfred Schmidbauer einen tödlichen Verkehrsunfall: „Als mein Vater verunglückt ist, war mir klar, dass der Übergang schneller laufen muss“, sagt sie. Zunächst übernahm Manfred Schmidbauers Ehefrau Cornelia die Geschäftsführung für die Eigentümerfamilie, sie sei schon länger bei wichtigen Entscheidungen einbezogen gewesen, berichtet sie. Als angestellter Geschäftsführer kam Fritz Bachhuber dazu. Der Übergang auf die nächste Generation habe Zeit gebraucht, sagt er beim Pressetermin. Druck von ihrem Vater habe sie indes nie gespürt, sagt Mirja Schmidbauer. Und mit 35 Jahren die Verantwortung für ein ganzes Unternehmen tragen? „Es ist ein großer Schritt, aber Verantwortung trage ich schon länger“, sagt Schmidbauer dazu.

Das könnte Sie auch interessieren

Denn schon kurz nach dem Unfalltod ihres Vaters ist sie ins Unternehmen eingestiegen, eine bereits in London begonnene Promotion habe sie dafür abgebrochen. Zunächst baute sie eine Schweizer Niederlassung von Elma Schmidbauer auf. Das war folgerichtig, denn das Unternehmen, gegründet von Großvater Hans Schmidbauer, hat seinen Ursprung in der Uhrenindustrie. Der Großvater sei Uhrmacher gewesen und habe vor der Frage gestanden, wie man die Uhrenteile reinigen könne, erzählt Mirja Schmidbauer. Das Unternehmen entstand in Singen, doch viele Kunden seien in der Schweiz.

Mit dem Übergang zur Quartzuhr sei es dann nötig geworden, die Geschäftsfelder zu diversifizieren, sagt Mirja Schmidbauer – die Aufgabe ihres Vaters, der 1973 die Leitung übernahm. In dieser Zeit habe man auch eigene chemische Mittel für die Reinigungsanlagen entwickelt, die nun in Mühlhausen-Ehingen hergestellt werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Und wohin soll es mit Mirja Schmidbauer an der Unternehmensspitze gehen? Sie wolle langfristig den Mitarbeitern ein Ziel geben, aber die Mannschaft vor allem kurzfristig in der Corona-Zeit zusammenhalten. Corona-Fälle habe es in der Belegschaft zwar gegeben, „aber aufgrund unserer Corona-Maßnahmen keine Ansteckungen im Unternehmen“, erklärt sie. Und am Ende geht es auch um Wachstum, wenn auch nicht aggressiv: „Wir werden langfristig moderat und zielgerichtet wachsen, sind dabei aber sehr standortverbunden“, sagt Mirja Schmidbauer.

Ihr Einstieg in die Geschäftsführung ist noch nicht das Ende beim Übergang an die dritte Familiengeneration: Auch der jüngste Sohn der Familie, Jannik Schmidbauer, werde langfristig im Unternehmen Verantwortung übernehmen, teilt die Firma in einer Pressemeldung zum Führungswechsel mit.