Kurz nach dem Mittagessen füllt sich schnell der Raum, in dem die internationale Vorbereitungsklasse unterrichtet wird. Elf Kinder aus den ersten und zweiten Klassen sind an diesem Mittwochmittag zur Hausaufgabenbetreuung gekommen. Sechs bis acht Helfer sitzen bei den Grundschülern der ersten und zweiten Klasse und schauen, ob sie mit den Hausaufgaben zurechtkommen.

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Da die Kinder teilweise noch nicht lesen können oder auch in ihren Heimatländern nicht oder wenig zur Schule gegangen sind, kann es schon mal vorkommen, dass ein Elfjähriger vorübergehend mit den Erstklässlern in die VKL geht, erklärt Klassenlehrerin Silke Daub. „Alphabetisierung ist eine große Herausforderung und nimmt viel Raum ein“, sagt Daub. Das Niveau in punkto Lesen und Schreiben ist bei diesen Kindern sehr unterschiedlich. Deshalb freut sie sich umso mehr, dass die Kinder nun zwei Mal wöchentlich Unterstützung bekommen. Auch die Schulleitung ist froh über das Projekt, von dem die Kinder in der Grundschule nur profitieren können, sagt Konrektor Marc Laporte-Hoffmann.

Seit Beginn des Schuljahrs kommen Helfer über den Verein InSi (Integration in Singen) montags und mittwochs jeweils für zwei Stunden zur Hausaufgabenbetreuung. „Wir bekamen im Frühjahr 2019 eine Art Hilferuf von Konrektor Marc Laporte-Hoffmann“, berichtet Dietmar Vogler, stellvertretender Vorsitzender von InSi. Die Betreuungskräfte, die im Ganztagsbereich an der Grund- und Werkrealschule tätig sind, haben nicht die zeitlichen Kapazitäten, sich um einzelne Kinder intensiv zu kümmern. An der Hebelschule waren schon von je her viele Kinder aus Familien, die nicht aus Deutschland stammen. Doch nach der Flüchtlingswelle wurde die Situation noch schwieriger.

Dietmar Vogler (vorn rechts) hat das Projekt von InSi auf den Weg gebracht. Unser Bild zeigt die Kinder beim Mittagessen. Im Hintergrund (von links, stehend) die Klassenlehrerin der internationalen Vorbereitungsklasse Silke Daub, der Vorsitzend von InSi Manfred Hensler, Konrektor Marc Laporte-Hoffmann und Schulleiterin Daniela Wetz.
Dietmar Vogler (vorn rechts) hat das Projekt von InSi auf den Weg gebracht. Unser Bild zeigt die Kinder beim Mittagessen. Im Hintergrund (von links, stehend) die Klassenlehrerin der internationalen Vorbereitungsklasse Silke Daub, der Vorsitzend von InSi Manfred Hensler, Konrektor Marc Laporte-Hoffmann und Schulleiterin Daniela Wetz. | Bild: Susanne Gehrmann-Röhm

So hat Dietmar Vogler, pensionierter Gymnasiallehrer und selbst stark im Deutschunterricht für erwachsene Flüchtlinge eingebunden, im Umfeld von InSi nach Helfern gesucht und fand auch ehemalige Lehrerinnen, wie Annerose Zimmermann. Sie ist nun immer mittwochs in der Hebelschule, wo sie schon bis zum Eintritt in den Ruhestand vor rund zehn Jahren als Lehrerin beschäftigt war.

Nach den Hausaufgaben wird gespielt

Der eigentliche Einsatz beginnt für Annerose Zimmermann schon um 12.15 Uhr. Dann gehen die Kinder, die zur Hausaufgabenbetreuung kommen, gemeinsam zum Mittagessen in die Mensa. Die Kinder genießen das gemeinsame Essen und die Möglichkeit zu Gesprächen. Bei den Hausaufgaben wäre eine 1:1-Betreuung wohl am sinnvollsten, doch das kann derzeit noch nicht ganz geleistet werden. „Wenn die Hausaufgaben gemacht sind, machen wir mit den Kindern meist noch ein Spiel“, so Zimmermann.

Veronika Kucam (Dritte von links) schaut, ob Teodora, Yasmin und Aleksandra (von links) mit den Aufgaben klar kommen.
Veronika Kucam (Dritte von links) schaut, ob Teodora, Yasmin und Aleksandra (von links) mit den Aufgaben klar kommen. | Bild: Susanne Gehrmann-Röhm

Die Kinder der Vorbereitungsklasse arbeiten mit den Übungsheften „Willkommen in Deutschland“, damit sie schnell Deutsch lernen. Bei den Matheaufgaben hilft den Kindern auch mal ein Rechenrahmen, um das Einmaleins besser zu verstehen. „Die ganze Schulentwicklung ist blockiert, wenn die Kinder nicht richtig Deutsch lernen“, weiß Vogler. Eigentlich müsste an der Schule Deutsch für Ausländer in allen Klassenstufen angeboten werden, ist Silke Daub überzeugt. Der Vorsitzende von InSi, Manfred Hensler, nahm beim Gespräch mit den Helfern und der Klassenlehrerin die Idee eines gemeinsamen Treffens aller Helfer auf, damit diese sich austauschen können. Mit dabei sind übrigens auch zwei Schüler des Friedrich-Wöhler-Gymnasiums.

Vor der Hausaufgabenbetreuung wird gemeinsam in der Mensa gegessen. Im Bild auch Helferin Annerose Zimmermann (am Tischende sitzend) sowie (stehend links) die Klassenlehrerin der internationalen Vorbereitungsklasse Silke Daub und die FSJ-lerinnen Veronika Kucam (vorne links) und Vanessa Kopp (vorne, Zweite von rechts).
Vor der Hausaufgabenbetreuung wird gemeinsam in der Mensa gegessen. Im Bild auch Helferin Annerose Zimmermann (am Tischende sitzend) sowie (stehend links) die Klassenlehrerin der internationalen Vorbereitungsklasse Silke Daub und die FSJ-lerinnen Veronika Kucam (vorne links) und Vanessa Kopp (vorne, Zweite von rechts). | Bild: Susanne Gehrmann-Röhm

Den Überblick haben auch die beiden FSJ-lerinnen Veronika Kucam und Vanessa Kopp, die ihr soziales Freiwilligenjahr beim CVJM Singen machen. Da Silke Daub, die Lehrerin der Vorbereitungsklasse, auch im CVJM aktiv ist, kam diese Kooperation zustande. Anfangs sei es gar nicht so einfach gewesen, dass Projekt ins Laufen zu bringen, so Dietmar Vogler. Inzwischen geht es beim Mittagstisch recht ruhig zu und auch die Übernahme der Kosten für das Essen durch die Stadt Singen ist geklärt.

Spenden und Helfer sind immer willkommen

Die Helferinnen von InSi bekommen für ihren Einsatz eine Aufwandsentschädigung. „Für dieses Projekt haben wir über die Sparkassenstiftung einen Betrag von 2500 Euro bekommen“, so Dietmar Vogler. Dieses Geld sei nun aufgebraucht, doch ein neuer Antrag laufe schon. Natürlich freut sich der Verein InSi auch über andere Sponsoren und Freiwillige, die sich vorstellen können, bei der Hausaufgabenbetreuung zu helfen.