Singen Neuer Amtsgerichtsdirektor in Singen

Man kann es als Traumjob für Juristen bezeichnen. Vor dem Amtsgericht werden vielfach Streitfälle mit großer Nähe zur Lebenswirklichkeit verhandelt. Johannes Daun, der neue Direktor des Amtsgerichts Singen, hielt bei seiner Amtseinführung eine entsprechend launige Antrittsrede.

Bereits zu Beginn seiner juristischen Laufbahn galt er als "Volltreffer", seit einigen Montagen leitet Johannes Daun nun das Amtsgericht Singen. Der Begriff wurde am Dienstag bei der offiziellen Amtseinführung im Singener Rathaus vom Präsidenten des Landgerichts, Otto Röding, aus der Personalakte seiner bisherigen Wirkungsstätte in Waldshut am Hochrhein entlehnt. Der 1967 in Solingen/Nordrhein-Westfalen geborene Johannes Daun hatte nach der Schulzeit in Trier und Freiburg studiert und war nach den beiden Staatsexamen ab 1995 in Waldshut zunächst als Staatsanwalt tätig. Bei seinen Vorgesetzten am dortigen Landgericht hinterließ er dabei einen "glänzenden Eindruck" – ein Volltreffer eben, was 1999 zur Ernennung zum Richter auf Lebenszeit führte.

An der offiziellen Amtseinführung von Johannes Daun als neuem Direktor des Singener Amtsgerichts nehmen zahlreiche Vertreter aus der örtlichen Politik und Gesellschaft teil. <em>Bild: Torsten </em><em>Lucht</em>
An der offiziellen Amtseinführung von Johannes Daun als neuem Direktor des Singener Amtsgerichts nehmen zahlreiche Vertreter aus der örtlichen Politik und Gesellschaft teil. Bild: Torsten Lucht

Otto Röding nutzte dabei die Gelegenheit, um auf die Besonderheiten eines Amtsgerichts einzugehen. Neben der fachlichen Kompetenz kommt hier dem menschlichen Einschätzungsvermögen einige Bedeutung zu. Das Amtsgericht ist fürs Alltägliche zuständig, was nichts anderes als eine Umschreibung für die Vielfalt der Fälle darstellt. Die Palette reicht vom Nachbarschaftsstreit oder Streitigkeiten beispielsweise über Strafzettel bis hin zu schweren Delikten wie Drogenmissbrauch, Körperverletzungen oder Erpressungen. Ob ein Rechtsstreit vor dem Landgericht, das prinzipiell für die schwereren Fälle zuständig ist, oder dem Amtsgericht landet, hängt dabei wesentlich vom zu erwartenden Strafmaß ab.

Aus der Antrittsrede von Johannes Daun konnten die rund 150 Vertreter aus Politik und Gesellschaft (nicht zuletzt der Polizei und der Justiz) erschließen, dass der neue Chef auf jeden Fall den Ernst der Aufgabe mit menschlicher Gelassenheit und einem zuweilen ironischen Blick auf den Lauf der Dinge zu kombinieren weiß. So zitierte er einen hiesigen Anwalt, der ihm zur Begrüßung an seiner neuen Wirkungsstätte jene besagte Aufgabenvielfalt mit den Worten "Eine gute Sau frisst alles" schmackhaft zu machen versuchte. Unter diesem Leitspruch dürfte der Mann auch für die gelegentlich vor dem Amtsgericht in Erscheinung tretenden Kuriositäten gerüstet sein.

Was Johannes Daun seinen Zuhörern zugleich vermittelte, ist das Rollenverständnis eines Richters, der sich trotz der Bedeutung des Amts und der Tragweite seines Urteils in Bescheidenheit übt. "Der Richter", so zitierte er einen Kollegen, der sich vor rund 90 Jahren grundsätzliche Gedanken über den Berufsstand gemacht hatte, "fühlt sich nur als Arbeiter in einem Staatsbetrieb; als kleine Schaufel an einer ungeheuren Turbine. (...) Er ist für eine gewisse Zeit von Jahren an einen bestimmten Platz gestellt, um eine Reihe von Sachen zu erledigen."

Ähnlich launig verortete Oberbürgermeister Bernd Häusler die Funktion des neuen Direktors des Amtsgerichts im sozialen Getriebe der Stadt und Region. Dem Rathauschef passt der Erfolg des 1929 gegründeten Amtsgerichts, das damit unter historischen Gesichtspunkten weit und breit das jüngste seiner Art ist, grundsätzlich überhaupt nicht. Dieser Erfolg finde seinen Niederschlag allein darin, dass schon bald nach der Gerichtsniederlassung in Singen auch ein Gefängnis gebaut wurde. Heute bemühe sich die Stadt durch Kriminalprävention sowohl die Sicherheitslage als auch das Sicherheitsgefühl zu verbessern und versteht sich damit als natürliche Konkurrentin der Gerichtsbarkeit. Trotz der Fortschritte bei dieser Politik ist sich Bernd Häusler allerdings der Notwendigkeit und der Vorzüge eines am Ort befindlichen Amtsgerichts bewusst.

 

Fakten zum Amtsgericht

Das Amtsgericht in Singen ist nicht nur für Rechtsfälle in der Stadt zuständig, in seinem Bezirk leben rund 110 000 Menschen (die in der juristischen Fachsprache übrigens als „Gerichtseingesessene“ bezeichnet werden). Nach Angaben von Johannes Daun gehört das Amtsgericht Singen unter den 108 Amtsgerichten in Baden-Württemberg (gemeinsam mit den Amtsgerichten Konstanz und Villingen-Schwenningen) mittlerweile zur Gruppe der mit acht und mehr Richterplanstellen ausgestatteten Amtsgerichte und damit zu den Top Ten der badischen Amtsgerichte. Das Amtsgericht Singen verfügt derzeit über 52 Mitarbeiter, mit der demnächst hinzukommenden Aufgabe der nachlassgerichtlichen Zuständigkeit wird die Zahl der Beschäftigten auf 62 Köpfe anwachsen. (tol)

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