Die Singener Kulturschaffenden hatten sich unter der Federführung des Kulturbüros für den 45. Internationalen Museumstag ein umfangreiches Programm einfallen lassen.

Oberbürgermeister Häusler freute sich bei der Eröffnung im Garten des Hegau-Museums besonders, dass sich nicht nur die städtischen, sondern auch die privaten Kulturbetriebe wie das MAC, die Galerie Vayhinger, der Kunstverein und die Singener Maler am Aktionstag beteiligt hatten.

Im MAC 1 liefert Mitarbeiter Bernhard Grunewald Informationen zur Ausstellung „Dolce vita“.
Im MAC 1 liefert Mitarbeiter Bernhard Grunewald Informationen zur Ausstellung „Dolce vita“. | Bild: Sandra Baindl

Interessantes zum Garten des Singener Schlosses

Dabei konnten nicht nur die meisten Einrichtungen kostenlos besucht werden. Unter dem Motto „The power of museums“ (Die Kraft der Museen) wartete das Programm neben Führungen, Workshops, Mitmachaktionen und einer Signierstunde mit dem Büchner-Preisträger Arnold Stadler auch mit weiteren Besonderheiten auf.

Gleich zu Beginn konnten die Besucher Interessantes zum Garten des Singener Schlosses, dem heutigen Hegau-Museum, von Museumsleiter Ralph Stephan erfahren. So war der Park schon immer durch eine Mauer von alten Singener Dorf getrennt, da sich der Adel von den Bauern abgrenzen wollte.

Während ein Besuch im Schloss nur Adligen vorbehalten war, war der Park und mit ihm das japanische Teehaus eine Art sozialer Treffpunkt. Denn er war auch den Bürgern bei Veranstaltungen wie Konzerten zugänglich.

Einblicke, die man als Besucher sonst nicht bekommt

Ein Höhepunkt erwartete die Besucher im Singener Kunstmuseum. Denn Museumsleiter Christoph Bauer gewährte einen Blick hinter die Kulissen und öffnete ausnahmsweise das Depot im Keller des Museums.

Museumsleiter Christoph Bauer erläutert im Depot des Singener Kunstmuseums, warum die Werke nur mit Handschuhen angefasst werden sollten.
Museumsleiter Christoph Bauer erläutert im Depot des Singener Kunstmuseums, warum die Werke nur mit Handschuhen angefasst werden sollten. | Bild: Sandra Baindl

Normalerweise sei der Zutritt nur Museumsmitarbeitern vorbehalten, da jeder Aufenthalt von Personen Einfluss auf Raumtemperatur und Feuchtigkeit und somit auf die Kunstwerke habe, erklärt Bauer zu Beginn seiner Führung.

Der kleine Besucherkreis erfuhr außerdem, warum die Kunstwerke nur mit Handschuhen angefasst werden dürften, wie die Werke im Depot sortiert sind und warum Spucke beim Restaurieren helfen kann.

Teilnehmer wissen jetzt viel über die Lagerung von Kunst

Zudem wissen die Besucher jetzt, dass Krakelüren feine Risse im Gemälde aufgrund von Temperaturschwankungen sind und der Begriff Flachware nichts über die Qualität der Kunstwerke aussagt, sondern damit Gemälde gemeint sind, die im Gegensatz zu Skulpturen flach gelagert werden können.

Bauer zeigte sich sehr froh, dass der Großteil der Werke, die das Kunstmuseum besitzt, direkt im Depot in Dach und Keller des Museums lagere. Dies sei ein deutlicher Vorteil zu anderen Museen, denn jeder Transport schade einem Kunstwerk.

Singener Maler präsentieren sich im Stadtgarten

Im Stadtgarten, wo die Singener Maler aktuell wieder mit einer Freiluft-Ausstellung vertreten sind, informierten die Künstler persönlich über ihre Werke. So berichtete Vera Flötenmeyer-Löbe, dass dieses Jahr viele Bilder der Ausstellung von Blautönen und Tieren geprägt seien.

Vera Flötenmeyer-Löbe führt in die Freiluft-Ausstellung der Singener Maler ein. Im Hintergrund Werner Klinghoff, Leiter des Ensembles ...
Vera Flötenmeyer-Löbe führt in die Freiluft-Ausstellung der Singener Maler ein. Im Hintergrund Werner Klinghoff, Leiter des Ensembles „Gittarissimo“ der Jugendmusikschule. | Bild: Sandra Baindl

Bei der Ausstellung waren in diesem Jahr nicht nur die meisten Singener Maler dabei, sondern auch einige der Gastkünstler wie beispielsweise Anita Grabher, die eigens aus Österreich angereist war.

Musikalisch untermalt wurden die Ausstellung vom Ensemble „Gitarrissimo“ der Jugendmusikschule unter der Leitung von Werner Klinghoff und mit Timon Hahn am Schlagzeug. Die jungen Musiker lieferten trotz der ungewohnt hochsommerlichen Temperaturen eine tolle Leistung ab.

Musikalische Unterhaltung lieferte das Ensemble „Gittarissimo“ unter der Leitung von Werner Klinghoff bei hochsommerlichen ...
Musikalische Unterhaltung lieferte das Ensemble „Gittarissimo“ unter der Leitung von Werner Klinghoff bei hochsommerlichen Temperaturen. | Bild: Sandra Baindl

Über das Leben unter französischer Flagge

Britta Panzer, Leiterin des Singener Stadtarchivs, informierte in ihrer Führung im Singener Stadtpark über die Ausstellung zum Singener Alltag unter französischer Flagge. Ursprünglich sollte diese in der Stadtbücherei stattfinden. Coronabedingt war dies jedoch nicht möglich, sodass auf die Fläche zwischen Aach und Offwiese ausgewichen wurde, wo einst die Installation Frontierland stand.

Letztendlich erwies sich dies als ein Glücksgriff, da, so Panzer, die neun Tafeln der Ausstellung nun auch Menschen erreichten, die den Weg in die Bücherei wahrscheinlich nicht gefunden hätten. Die Ausstellung beschäftigt sich mit den drei Themen Besatzung durch die Franzosen, Essen in der Nachkriegszeit sowie Kindheit und Schule zu dieser Zeit.

Appell an Singener, Bilder zur Verfügung zu stellen

Grundlage der Ausstellung bilden Interviews mit Zeitzeugen. Da zur Entnazifizierung nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur Waffen und Radios, sondern auch Fotoapparate abgegeben werden mussten, liegen dem Stadtarchiv nur wenige Bilder aus dieser Zeit vor.

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Deshalb bat Panzer im Rahmen ihrer Führung darum, dem Archiv mögliches Bildmaterial aus der Nachkriegszeit in Singen zur Verfügung zu stellen.

Deutlich weniger Besucher als bei letzter Aktion

Möglicherweise war es den hohen Temperaturen oder den vielen Konkurrenzveranstaltungen an diesem Sonntag geschuldet, dass die Hegauer deutlich weniger Interesse an den Museen zeigten als zur Museumsnacht im September. Den Organisatoren wäre eine höhere Resonanz zu wünschen gewesen angesichts des umfang- und abwechslungsreichen Programmes, das sie auf die Beine gestellt hatten.