Der Name des geplanten neuen Rielasinger Baugebiets "Aufgehender" verspricht viel Optimismus. Die Pläne, hunderte neue Bauplätze vorwiegend für Familien zu schaffen, gehen aber derzeit alles andere als auf. Dies machte die Einwohner-Versammlung von Rielasingen-Worblingen mit gut 200 Besuchern in den Talwiesenhallen deutlich.

Das Neubaugebiet weist wie eine weiteres in Worblingen viele kleine Parzellen auf, die in privater Hand sind. "Ein Großteil der Eigentümer ist leider nicht bereit, ihre Flächen zu verkaufen. Es wird teils auch um die Verkaufspreise gepokert", betonte Bürgermeister Ralf Baumert. Die Gemeinde könne aber nur Baugebiete ausweisen, wenn sie die Grundstücke flächendeckend in Eigentum bringen könne.

Derzeit sei dies nur für einen Teilbereich im Gewann "Aufgehender" möglich. Dabei soll die Gemeinde Rielasingen-Worblingen mit 12 500 Einwohnern weiter wachsen. "Erfreulich ist, dass durch Investoren 200 bis 300 neue Wohnungen entstehen. Als Besonderheit haben wir mit ihnen vereinbart, dass sie auch nötige Erweiterungen in Schulen und Kindergärten finanziell mittragen und sie sich in den sozialen Wohnungsbau einbinden", so Baumert.

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Ein Dauerbrenner bleibt die hohe Verkehrsbelastung in der Ortdurchfahrt von Rielasingen. Durch ein geänderte Richtlinie beim Lärmaktionsplan hofft Baumert, dass die Tempo-30-Zonen in der Haupt- und Ramsener Straße erweitert werden können. Ein Funke Hoffnung keimt auch auf, dass die schon lange geforderte Ortsumfahrung wieder auf die Projektliste des Verkehrsministeriums des Landes Baden-Württemberg kommt. Von dieser war sie vor einem Regierungswechsel entfernt worden.

Bahn soll aktiviert werden

Es sei egal, ob man mit dem Auto oder mit dem Bus im Stau stehe, so Baumert. Vielleicht gäbe es aber bald sogar die Möglichkeit, mit der Bahn nach Singen zu fahren, stellte er in Aussicht. Denn derzeit prüften Behörden, ob die Bahnstrecke Etzwilen – Singen reaktiviert werden könne. Die Bahngleise seien in einem tadellosen Zustand, das fehlende Stück in Singen am Kreisverkehr Georg-Fischer-Straße müsste von der Stadt Singen in absehbarer Zeit ohnehin wieder eingebaut werden.

Damit wäre die Strecke wieder durchgängig. Die Gemeindeverwaltung wertet dieses Signal als positiv, denn mit Eröffnung des Einkaufzentrums Cano in Singen befürchtet man einen noch höheren Durchgangsverkehr als bisher. Den öffentlichen Nahverkehr würde man bei einer positiven Entscheidung auf keinen Fall reduzieren.

Bürgermeister Ralf Baumert zeigte die Gemeinde-Entwicklung auf.
Bürgermeister Ralf Baumert zeigte die Gemeinde-Entwicklung auf. | Bild: Sandra Bossenmaier

Ökologisch und ökonomisch sei es das Beste, wenn Autofahrer auf den Bürgerbus für Strecken in der Gemeinde umsteigen würden. Baumert wünscht sich hier eine höhere Akzeptanz für den Bürgerbus, welcher auf zwei Linien von Montag bis Freitag in der Gemeinde mit ehrenamtlichen Fahrern unterwegs ist.

Kritik an Winterdienst

Bei der Fragerunde kritisierten einige Bürger den von der Gemeinde abgespeckten Winterdienst, wie in Arlen. Wegen der zuletzt milden Winter hat laut Baumert der Gemeinderat beschlossen, den Winterdienst auf den Nebenstraßen zu reduzieren. Es sei dadurch viel Geld gespart worden. Das Gremium soll sich nun nochmals mit dem Thema befassen. Personal-Engpässe bei der Kinderbetreuung wurden moniert. Dies will die Gemeinde auf den Prüfstand stellen.

Wichtige soziale Aufgaben in Rielasingen-Worblingen

  • Schulsozialarbeit: Jenny Frankenhauser, die Leiterin des Kinder- und Jugendförderteams, stellte bei der Einwohnerversammlung die Arbeitsfelder ihres Bereiches vor. Das Angebot der drei Schulsozialarbeiter Roland Harnischfeger, Catia Di Fiore und Mario Maué an allen Schulen der Gemeinde werde gut angenommen werden, trotz personell enger Besetzung konnten die meisten präventiven Projekte umgesetzt werden.
  • Jugendzentrum: Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt liegt im Jugendzentrum Juca 60. Am Abend sei da manchmal eine ganze Menge los, erklärte Frankenhauser. Marcus Engesser suchte im vergangenen Jahr 114 Mal an bekannten Treffpunkten Jugendliche in der Gemeinde auf, im mit ihnen in Kontakt zu kommen und sie an das Juca 60 anzubinden. Außerdem begleitete er an insgesamt 515 Stunden Jugendliche, die Arbeitsstunden ableisten mussten, auf ihrem Weg in eine bessere Zukunft.
  • Jugendrat: Stolz äußerte sich Frankenhauser über die Frauenquote des Jugendrates (neun Mädchen und ein Junge), welcher seit zwei Jahren in dieser Zusammensetzung tätig ist. Im letzten Jahr konnte das große Projekt einer Jugendschutzhütte umgesetzt werden.
  • Integration umd Beratung: Anja Marosits, die Flüchtlings- und Integrationsbeauftragte, ist die zentrale Anlauf- und Koordinierungsstelle in allen Flüchtlingsangelegenheiten. Neu im Team ist Emily Maers. Sie bietet in den kommunalen Kinderhäusern eine Familienberatung an.
  • Kinderbetreuung: Insgesamt gibt es in der Gemeinde sieben Kinderbetreuungseinrichtungen, 532 Betreuungsplätze mit 60 Mitarbeitern. Hier würde sich Jenny Frankenhauser eine höhere Zahl wünschen, denn man sei auf der Suche nach guten Fachkräften. Die Angebotsformen der Einrichtungen sind breit gefächert, der Bedarf an Krippenplätzen tendenziell steigend. Im vergangenen Jahr konnte jedem Kind ein Betreuungsplatz angeboten werden, ebenso sieht die Prognose für 2019 aus.