Auch wenn er auf dem Rad saß, hatte Rainer Alferi das Geschehen und vor allem die Passanten im Blick. Also bremste er kurzentschlossen am Kappedeschlebrunnen in der Poststraße ab, stieg vom Sattel und begann eine typische Radolfzeller Konversation: „Ah, wenn ich Dich gerade triff‘...“ und damit hatte er schnell das Feld der Plauderei verlassen. Denn Rainer Alferi hatte im umtriebigen Zustand des beruflichen Ruhestands immer etwas zu tun. Und schon ging es um die Heimattage 2021.

Nur zuschauen – schwer vorstellbar

Nur zuhören und zuschauen, wenn die Heimattage in seiner Heimatstadt bevorstehen, das ist bei der Person Rainer Alferis zwar denkbar, aber schwer vorstellbar. Zusammen mit Roswitha Guhl-Paulus hat er die Idee und einen Plan für eine öffentliche Gesprächsrunde zu den Heimattagen ausgetüftelt. Menschen, die in Radolfzell aufgewachsen, zur Schule gegangen sind und fernab der Heimat erfolgreich wirken, sollen zu einer Talk-Runde zurück an den See kommen.

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Die Beschreibung der infrage kommenden auswärts Erfolgreichen ist der geographische Gegenentwurf zum Leben von Rainer Alferi. Er hat sich komplett in Radolfzell verwirklicht, hier hat er sich ausprobiert, hier war er erfolgreich, hier wollte er wirken. Der Vater bei Schiesser, die Mutter bei Schiesser, fing Sohn Rainer nach der Schule als Mechanikerlehrling in diesem Radolfzeller Textilunternehmen an. Er wechselte an den Schreibtisch ins Personalbüro und startete im Ehrenamt seine politische Karriere als Stadtrat. Oberbürgermeister Günter Neurohr überredete Rainer Alferi zum Seitenwechsel, von Schiesser ging es 1988 in die Stadtverwaltung als Leiter des Kultur- und Verkehrsamts, statt in der CDU-Fraktion saß er nun im Rathaus. Ehrenbürger Helmut Haselberger erinnert sich an die gemeinsame Zeit im Gemeinderat: „Er war offen, zugänglich und immer auf dem Laufenden, was in der Stadt passiert.“

Beim Narrenspiegel 1978: Rainer Alferi sieht mit verstärkten Augenbrauen und einem angeklebten Schnauzer Oberbürgermeister Günter Neurohr täuschend ähnlich.
Beim Narrenspiegel 1978: Rainer Alferi sieht mit verstärkten Augenbrauen und einem angeklebten Schnauzer Oberbürgermeister Günter Neurohr täuschend ähnlich. | Bild: SK-Archiv Liedl

Helmut Haselberger vermutet sicher zu Recht, dass dies mit Alferis guten Verbindungen ins Schiesser-Werk und seinem Engagement in der Narrizella Ratoldi zusammenhing. Über zwei Jahrzehnte bis in die neunziger Jahre prägte der Gardist als Regisseur den Narrenspiegel, und wenn es die Szene verlangte, schlüpfte er in die Rolle des OB. Die Augenbrauen stark geschminkt, ein schwarzer Schnauzer angeklebt, perfekt stand Rainer Alferi als Günter Neurohr auf der Bühne.

Großer Verlust für die Narrizella

Narrizella-Präsident Martin Schäuble betrauert den großen Verlust für die Zunft: „Er war einer der wenigen Grandseigneurs, er kannte die Narrizella von der Pike auf.“ Alferi war Gardehauptmann, Zunftmeister und bis zum Schluss für den Narrenspiegel hinter den Kulissen und als Anzeigensammler für die Narrenzeitung Kappedeschle aktiv. „Wenn er was machte, wollte er es gescheit und mit Niveau“, sagt Schäuble. Dies bestätigt Roswitha Guhl-Paulus. Sie hat viele Texte für den Narrenspiegel geschrieben und die Umsetzung mit Rainer Alferi in seiner Zeit als Regisseur besprochen: „Das ist immer alles reibungslos gelaufen.“

Vor der Ahnengalerie der Gardehauptmänner, präsentiert bei der Ausstellung „75 Jahre Narrengarde“. Rainer Alferi war Gardehauptmann von 1966 bis 1977, er ist von Harald Guhl abgelöst worden.
Vor der Ahnengalerie der Gardehauptmänner, präsentiert bei der Ausstellung „75 Jahre Narrengarde“. Rainer Alferi war Gardehauptmann von 1966 bis 1977, er ist von Harald Guhl abgelöst worden. | Bild: Claudia Wagner

Für Lucia Bruttel ist der Tod von Rainer Alferi ein schwerer Schlag. Sie war Leiterin des Verkehrsbüros und er ihr Chef als Leiter des Kultur- und Verkehrsamts. „Er war unwahrscheinlich motivierend, er konnte dich mitreißen, wenn er eine Idee hatte.“ Lucia Bruttel schildert ihren früheren Chef als äußerst zuverlässig und konsequent: „Er hat seine Meinung nicht unterwegs geändert, man konnte sich auf ihn verlassen.“ Alferi habe beim Hausherrenfest Bänke geschleppt und dann im Konzertsegel den Abend moderiert. „Zupackend, das war er“, sagt Lucia Bruttel.

Der Münsterwein trägt sein Scherflein zur positiven Bilanz des Münsterbauvereins bei (Von links): Vorsitzender Helmut Villinger, Pfarrer Michael Hauser und Rainer Alferi als zweiter Vorsitzender berichten im Frühjahr 2017 über neue Aktivitäten.
Der Münsterwein trägt sein Scherflein zur positiven Bilanz des Münsterbauvereins bei (Von links): Vorsitzender Helmut Villinger, Pfarrer Michael Hauser und Rainer Alferi als zweiter Vorsitzender berichten im Frühjahr 2017 über neue Aktivitäten. | Bild: Natalie Reiser

Die Zusammenarbeit zwischen Helmut Villinger und Rainer Alferi begann im Frühjahr 2000 in der Aktionsgemeinschaft Radolfzell. Villinger war zum Vorsitzenden gewählt worden, Alferi bekam die neue Rolle als Geschäftsführer. Zehn Jahre haben sie als Duo Stadtmarketing betrieben, in dieser Zeit haben sie sich die Bezeichnung „Traumpaar“ erarbeitet. Helmut Villinger bestätigt: „Wir waren ein eingespieltes Team.“ Das Team funktionierte auch im Münsterbauverein. Was er an Alferi schätzt: „Er hat immer ein Stück weitergedacht, er hat keine halben Sachen gemacht.“ Dazu passt, dass Alferi seit 2009 ehrenamtlicher Fürsprecher im Pflegeheim zum Heiligen Geist war. Roswitha Guhl-Paulus fasst es so zusammen: „Radolfzell lag ihm am Herzen.“

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Das Gespräch am Kappedeschle-Brunnen über die Heimattage war im November 2019. Die Diagnose für eine schwere Krankheit bekam er einen Monat später. Rainer Alferi starb am Dienstagabend dieser Woche. Im Krankenhaus Radolfzell.