Nach wie vor spielen Corona-Impfungen eine große Rolle – vor allem mit Blick auf die Omikron-Variante, die sich weiter ausbreitet und für deren Eindämmung gerade Booster-Impfungen wichtig sind. Stand Mitte Dezember lag die Impfquote bei den Erstimpfungen laut Landratsamt Konstanz bei etwa 68 Prozent der Bevölkerung im Kreis Konstanz, zwei Impfungen hatten 66 Prozent erhalten, drei knapp 30 Prozent.

Damit diese Zahlen weiter zunehmen können, sind an mehreren Impfstützpunkten mittlerweile fast täglich verschiedene Teams im Einsatz, koordinieren die Termine, klären auf und setzen Spritzen an. In Radolfzell können pro Tag bis zu 600 Personen geimpft werden, berichtet Standortleiter Peter Renker. In dieser Woche stehen so viele Termine bis Donnerstag auch zur Verfügung. Doch bislang sei die Nachfrage deutlich geringer als erwartet.

Peter Renker ist der Leiter des Impfstützpunkts im Radolfzeller Milchwerk.
Peter Renker ist der Leiter des Impfstützpunkts im Radolfzeller Milchwerk. | Bild: Marinovic, Laura

Diese Woche erstmals wenig Bedarf

Am Montag waren gerade einmal etwa 165 Termine gebucht worden, so Renker, der mehrere Jahrzehnte lang in der Feuerwehr und der Bundeswehr tätig war, sich daher mit Katastrophenschutz auskennt und sich für die Leitung des Impfstützpunkts freiwillig gemeldet hat. Bislang sei nicht so wenig los gewesen – in der vergangenen Woche seien am Freitag und am Samstag je knapp 325 Termine vergeben worden, in den Tagen davor je um die 590. Sogar vor Weihnachten seien es etwa 500 pro Tag gewesen. Auch zwischen Weihnachten und Neujahr seien täglich zwischen 300 und 400 Impfwillige ins Milchwerk gekommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Als Grund für die aktuell recht niedrige Nachfrage vermutet Peter Renker zum einen das Ende der Ferien und den Unterrichtsstart. Zum anderen aber auch, dass am Montag der neue Impfstützpunkt in Stockach seine reguläre Arbeit aufgenommen hat und damit weitere alternative Angebote geschaffen worden seien.

Die Zukunft ist noch ungewiss

Trotzdem soll im Milchwerk weiter geimpft werden – und zwar noch eine ganze Weile. „Wir gehen davon aus, dass wir im April ziemlich durch sind mit den Booster-Impfungen“, sagt Renker. Und wer sich bis dahin noch nicht zum ersten Mal geimpft habe, den werde man vermutlich auch nicht mehr dazu bewegen können.

Allerdings will der Standortleiter nicht ausschließen, dass eventuell auch über den April hinaus geimpft wird, abhängig davon, wie die Situation dann aussieht. „Wir wissen natürlich noch nicht, ob gegebenenfalls noch ein Omikron-Booster kommt oder wie es dann überhaupt aussieht – flaut die Welle ab oder steigt sie noch einmal stark an“, gibt er zu bedenken. Das werde sich dann noch zeigen müssen. „Wir schauen, wie sich die Corona-Lage und die Omikron-Lage entwickelt.“

Bleibt der Stützpunkt im Milchwerk?

Und was, wenn weiter geimpft werden soll, das Milchwerk seine Räume aber wieder für Veranstaltungen braucht? „Dann müssen Alternativen gefunden werden“, sagt Peter Renker. Allerdings habe es auch schon beim Neujahrskonzert im Milchwerk geklappt, die Impfkabinen ab- und nach der Veranstaltung wieder aufzubauen. „Auch das ist möglich.“

Das könnte Sie auch interessieren

Dabei spricht Renk dem Haustechnikteam des Milchwerks ein großes Kompliment aus, die Mitarbeiter würden das Impfteam unterstützen, wo es geht. „Das ist eine sehr gute Zusammenarbeit“, lobt er. Generell bezeichnet Renker den Standort Milchwerk als ideal, es gebe viel Platz, Toiletten und einen barrierefreien Zugang, sodass auch Personen mit Rollatoren oder Rollstühlen geimpft werden können.

Dauerimpfteam und Mobiles Impfteam im Einsatz

Am Montag waren laut Peter Renker im Milchwerk vier Impfstraßen in Betrieb, dafür wurden vier Ärzte sowie drei Personen zum Aufziehen der Spritzen beschäftigt. Im Einsatz waren sowohl ein Dauerimpfteam, das fest an den Impfstützpunkt in Radolfzell gebunden ist, sowie ein Mobiles Impfteam des Landkreises.

Hella Diederichs zieht im Milchwerk die Spritzen mit den Impfdosen auf.
Hella Diederichs zieht im Milchwerk die Spritzen mit den Impfdosen auf. | Bild: Marinovic, Laura

Sollte die Nachfrage weiter niedrig bleiben, „werden wir die Personalplanung bedarfsgerechter machen“, so der Standortleiter. Dann könnte der Betrieb zum Beispiel auf zwei Impfstraßen mit zwei Ärzten und zwei Personen im Labor heruntergefahren werden. Das könne schnell umgesetzt werden. „Aber das ist im Moment noch Zukunftsmusik“, betont Renker. „Noch gehen wir davon aus, dass die Wahrnehmung der Angebote vielleicht auch wieder etwas steigt.“

Kaum noch Erstimpfungen

Aber nicht nur die Personalplanung, auch die Impfstoffmenge muss an den Bedarf angepasst werden. Aktuell erhalte der Impfstützpunkt in Radolfzell nur aufgetaute Impfdosen, berichtet Peter Renker. In diesem Zustand sei der Impfstoff von Biontech, der empfindlicher sei als Moderna, vier Wochen lang haltbar. In dieser Zeit muss er verimpft werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Impfstoff, der in dieser Woche nicht verbraucht wird, werde dann zu in der kommenden Woche in Radolfzell zum Einsatz kommen. Zudem werde weniger neuer Impfstoff bestellt. Bestellungen erfolgen laut Peter Renker immer dienstags. Freitags stehe dann fest, wie viele Dosen für die kommende Woche zur Verfügung stehen und wie viele Impftermine im Internet freigeschaltet werden können.

Spritzen mit dem Impfstoff von Moderna liegen im Impfstützpunkt in Radolfzell bereit. Wie viele Personen in der Stadt derzeit schon geimpft sind, ist nicht bekannt.
Spritzen mit dem Impfstoff von Moderna liegen im Impfstützpunkt in Radolfzell bereit. Wie viele Personen in der Stadt derzeit schon geimpft sind, ist nicht bekannt. | Bild: Marinovic, Laura

„Überwiegend Radolfzeller“ im Milchwerk

Und wer kommt überhaupt zum Impfen ins Milchwerk? Bislang „überwiegend Radolfzeller“, so Peter Renker. Aber auch aus anderen Orten in der Region, darunter Rielasingen-Worblingen, Tengen, Engen und – bis zur Eröffnung des dortigen Impfstützpunktes – aus Stockach seien Impfwillige angereist. „Deutlich über 95 Prozent lassen sich boostern“, schildert Renker. „Wir haben sehr wenige Erst- und Zweitimpfungen.“ In der vergangenen Woche seien an einem Tag fünf Personen gekommen, um sich das erste mal immunisieren zu lassen, „das war schon viel“. Zudem seien von den angemeldeten Impfwilligen am Montag etwa 60 unter 30 Jahre alt gewesen, der Großteil, also etwas mehr als 100 Personen, aber älter.