Montag, 8.15 Uhr. Schulbeginn an der Tegginger-Grundschule. Die Klasse 2a von Klassenlehrerin Anette Noki trifft sich auf dem Schulhof. Eigentlich kein besonderes Bild. Eigentlich. Doch zu Zeiten der Corona-Pandemie ist beinahe alles anders: Denn für die Grundschüler der Grund- und Werkrealschule ist es das erste mal seit Mitte März, dass sie alle zusammen zum Unterricht kommen dürfen. Seit Montag hat der Regelbetrieb an den Grundschulen in Baden-Württemberg wieder begonnen. Und die Freude bei Anette Noki und ihren Schulkindern ist groß. „Es wurde Zeit, dass wir alle zusammenkommen dürfen. Auch für uns Lehrer war dies alles schon sehr befremdlich“, sagt sie.

Wieder alle zusammen (von links): Sophia, Linnéa, Julius, Osman, Paul, Moritz, Sarah und Thea gehen zusammen mit Lehrerin Anette Noki ins Klassenzimmer.
Wieder alle zusammen (von links): Sophia, Linnéa, Julius, Osman, Paul, Moritz, Sarah und Thea gehen zusammen mit Lehrerin Anette Noki ins Klassenzimmer. | Bild: Matthias Güntert

Besonders die Grundschüler haben diesen Tag herbeigesehnt: Sie brennen darauf, endlich alle ihre Freunde und auch Lehrer wiederzusehen. Zusammen zu lernen, zu pauken, zu üben, aber auch einfach ausgelassen auf dem Schulhof in der Pause zu toben, zu spielen und zu klettern. Obgleich sie sich erst einmal wieder an die Situation, dass alle zusammen im Klassenzimmer sind, gewöhnen müssen, wie Zweitklässlerin Sofija zugibt: „Es ist schon ein komisches Gefühl, dass wir alle wieder zusammen sind.“

8.15 Uhr im Treppenhaus: Die Schüler der Klasse 2a werden am Eingang von Konrektor Stefan Leininger (rechts) begrüßt.
8.15 Uhr im Treppenhaus: Die Schüler der Klasse 2a werden am Eingang von Konrektor Stefan Leininger (rechts) begrüßt. | Bild: Matthias Güntert

Julius hingegen freue sich, dass er wieder neben seinen Freunden im Klassenzimmer sitzen darf. „Das ist so cool und ich habe es echt vermisst“, sagt er und erntet zustimmendes Nicken von Paul. „Endlich sehen wir uns alle wieder“, ergänzt er. Der Zweitklässler war regelmäßig in der Notbetreuung, da seine Eltern systemrelevante Tätigkeiten ausüben. „Ich fand es so blöd, dass ich dort fast immer alleine war“, sagt Paul.

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Giuseppina haben vor allem daheim beim eigenständigen Lernen die Hilfestellungen und Erklärungen der Lehrer gefehlt. „Die Hausaufgaben waren so manchmal ganz schön schwer“, sagt sie. Die zweite Sophia in der Klasse hat einen ihrer Schulfreunde ganz besonders vermisst: den Felix. „Der Felix macht immer so viel Quatsch und ich konnte das daheim nicht so gut“, sagt sie und lacht. Dann lachen alle Kinder der 2a los, einschließlich Lehrerin Anette Noki und des SÜDKURIER-Redakteurs.

Masken sind freiwillig: Osman (links) und Felix (rechts) haben sich dennoch entschieden, sie auch im Unterricht zu tragen.
Masken sind freiwillig: Osman (links) und Felix (rechts) haben sich dennoch entschieden, sie auch im Unterricht zu tragen. | Bild: Matthias Güntert

Aber Sophia hat auch einen Nachteil der Rückkehr zum Regelbetrieb ausfindig gemacht: „Es war heute Morgen nicht so schön, dass meine Mama mich so früh geweckt hat“, sagt sie. Und auch hierfür gibt es zustimmendes Nicken ihrer Klassenkameraden.

Händewaschen vor dem Unterricht: Auch nach der Rückkehr zum Regelbetrieb wird an der Teggingerschule größter Wert auf Hygenie gelegt.
Händewaschen vor dem Unterricht: Auch nach der Rückkehr zum Regelbetrieb wird an der Teggingerschule größter Wert auf Hygenie gelegt. | Bild: Matthias Güntert

Doch genau die Regelmäßigkeit eines Schulalltages sei wichtig, wie der Schulleiter der Teggingerschule; Norbert Schaible, betont: „Kinder brauchen wieder die Sozialkontakte zu ihren Freunden und zu ihren Kontaktpersonen, wie etwa unseren Lehrern.“

Rhythmus ist wichtig für Schüler

Aber auch die Rückkehr zum gewohnten Schulrhythmus sei von Bedeutung. Schaible erzählt, dass es während des rollierenden Systems – bei dem Klassenstufen abwechseln zum Unterricht erschienen – in den vergangenen zwei Wochen auch dazugekommen sei, dass Kinder um 9 Uhr einschliefen und abgeholt werden mussten. „Weil sie gefühlt sehr weit weg von ihrem normalen Tagesrhythmus waren. Die Kinder hatten zum Teil einen gefühlten Jetlag“, so Schaible.

Das sind die neuen Regeln

Seit Montag gilt: Der Unterricht an der Teggingergrundschule beginnt für die vier Klassenstufen zeitversetzt, damit nicht alle Schüler gleichzeitig zur Schule kommen. Er startet im Viertelstundentakt und umfasst mit Pausen täglich vier Unterrichtsstunden.

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Die Viertklässler starten um 7.45 Uhr. Um 8 Uhr folgen die dritten Klassen, dann um 8.15 Uhr die Zweitklässler und die erste Klasse kommt als Letztes um 8.30 Uhr. Unterrichtet werden die Fächer Deutsch, Mathematik und Sachkunde. „Sport und Musik dürfen nicht unterrichtet werden“, sagt Schaible.

Schulleiter Norbert Schaible ist froh, dass seine Schule wieder zum Regelbetrieb zurückkehrt ist.
Schulleiter Norbert Schaible ist froh, dass seine Schule wieder zum Regelbetrieb zurückkehrt ist. | Bild: Matthias Güntert

Die wichtigste Neuerung für die Grundschüler dürfte allerdings laut Schaible folgende sein: Die Abstandsregelung für Grundschüler ist seit Montag aufgehoben. „Die Grundschüler dürfen ihre Pausen spielend auf dem Hof verbringen, ohne Abstand“, sagt er. Für den Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen gelten jedoch weiterhin strenge Regeln: So müssen beispielsweise die jeweiligen Gruppen oder Klassen untereinander bleiben und dürfen sich nicht vermischen, auch nicht in den Pausen.

„Fahrtrichtungen“ im Schulgebäude beachten

Deswegen sei es laut Norbert Schaible auch nach wie vor wichtig, dass man sich, wie er es nennt, an die Fahrtrichtungen im Schulhaus halte. „Damit können wir ungewollte Begegnungen vermeiden“, erklärt er. Um eine Durchmischung zu vermeiden, werden deshalb auch die Pausen gestaffelt durchgeführt. So habe jede Klasse ihre individuelle Zeit. Eigens hierfür wurde auch der Pausengong vorerst abgestellt. Schaible hoffe, dass sich die neuen Regeln durch das ständige Wiederholen in den Köpfen der Schüler verfestige.

So viele Schulranzen hat das Klassenzimmer der 2a schon lange nicht mehr auf einem Haufen gesehen.
So viele Schulranzen hat das Klassenzimmer der 2a schon lange nicht mehr auf einem Haufen gesehen. | Bild: Matthias Güntert

Montag, 9.45 Uhr. Die große Pause steht an. Die Anette Noki ist froh, dass der Alltag wieder in die Teggingerschule eingezogen ist. „Wenn das Schuljahr mit Nichts zu Ende gegangen wäre, ohne dass wir uns alle noch einmal gesehen hätten, dass wäre einfach schade gewesen“, betont sie. Und dann geht es für die Klasse 2a ab in die Pause. Dass es leicht regnet, stört die Kinder nicht. Denn endlich können sie wieder gemeinsam über den Schulhof rennen. Sie spielen Räuber und Gendarme – ganz ohne Abstand, alle zusammen.

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