Selbst an weiterführenden Schulen kämpfen Schulleiter, Lehrer, Eltern und Schüler derzeit mit den Schwierigkeiten des digitalen Unterrichts. Und das, obwohl Fünftklässler zumindest etwa elf Jahre alt sind, angehende Absolventen sogar teilweise schon volljährig.

Sprich: Diese Schüler haben immerhin ein Alter erreicht, um sich mit den Tücken und Komplikationen des digitalen Unterrichts mehr oder weniger eigenständig auseinander setzen zu können. Doch wenn selbst an weiterführenden Bildungseinrichtungen Probleme mit dem Unterricht aus der Ferne auftreten – wie soll das dann erst für Erst- bis Viertklässler funktionieren? Eine unmögliche Herausforderung?

Johanna Seib ist Schulleiterin der Grundschule in Markelfingen.
Johanna Seib ist Schulleiterin der Grundschule in Markelfingen. | Bild: privat

Johanna Seib, Schulleiterin der Grundschule Markelfingen, fasst zusammen: „Stressig, arbeitsintensiv und enorm schwierig zu organisieren.“ Die Rektorin beschäftigt sich im vierten Teil der Serie „Unterricht digital“ mit der Frage: Kann der Unterricht auch online funktionieren?

  • Technische Voraussetzungen: Ein großes Problem sei laut der Schulleiterin die technische Ausstattung in den Familien. Die digitalen Endgeräte würden die Eltern selbst brauchen, um beispielsweise im Homeoffice zu arbeiten. „Man kann man nicht erwarten von den Familien, dass sie jetzt kurzfristig perfekt ausgestattet sind“, sagt Seib.

    Und bei Grundschulkindern gebe es dann noch eine zusätzliche Schwierigkeit, wie sie ergänzt: „Die älteren Geschwister brauchen die Geräte ebenfalls.“ Da es teilweise auch an Druckern mangle, oder die Eltern zuhause nicht drucken wollen, habe man schnell auf eine Alternative für den digitalen Unterricht zurückgegriffen: Die von der Schule geschnürten Lernpakete werden von den Eltern abgeholt.

    „Da kommen Eltern und auch Schüler mit den Lehrern in einen kurzen persönlichen Kontakt, was für alle Beteiligten wichtig ist“, sagt Seib. Zudem habe die Grundschule Markelfingen für die rund 65 Schüler etwa 20 iPads zur Verfügung. Da sei allerdings das Problem, dass diese für die Kinder der Notbetreuung gebraucht werden.
Die Grundschule im Radolfzeller Ortsteil Markelfingen. Für den digitalen Unterricht stehen 20 iPads für 65 Schüler zur Verfügung – diese werden derzeit allerdings allesamt für die Kinder in der Notbetreuung gebraucht.
Die Grundschule im Radolfzeller Ortsteil Markelfingen. Für den digitalen Unterricht stehen 20 iPads für 65 Schüler zur Verfügung – diese werden derzeit allerdings allesamt für die Kinder in der Notbetreuung gebraucht. | Bild: Julian Widmann
  • Ergebnisse des Homeschoolings: Neben den geschnürten Lernpaketen arbeite die Grundschule unter anderem mit der Lern-App Anton, bei der Schüler eigenständig Übungen machen können. Der Fokus der App liegt dabei auf den Kernfächern Deutsch und Mathematik. Videokonferenzen hatte laut der Schulleiterin zwischenzeitlich ein Lehrer angeboten. Das Programm Moodle sei ihrer Ansicht nach für junge Schüler kaum umsetzbar.

    Im Hinblick auf Lehrerkonferenzen habe man mit Zoom gute Erfahrungen gemacht. „Das ist schade, dass dieses Programm nicht mehr als datenschutzkonform angesehen wurde“, sagt sie. Positiv bewerte Seib nun aber auch die Möglichkeit, mit dem Programm Jitsi Meet zu arbeiten.

    Durch den Zugang über das Kreismedienzentrum Konstanz gebe es eine verschlüsselte und datenschutzsichere Videokonferenzlösung. „Die Anleitungen des Kreismedienzentrums Konstanz sind sehr gut“, erklärt die Schulleiterin.
  • Rückmeldungen der Lehrer und Eltern: Die Arbeitsbelastung der Lehrer der Grundschule in Markelfingen sei in den vergangenen Wochen enorm hoch. „Die Kollegen mussten extrem viel präsent sein“, erklärt Johanna Seib. Knapp 20 Schüler seien in der Notbetruung, das Personal also dauerhaft voll eingespannt. Zudem fielen drei Kollegen aus, weil sie Teil der Risikogruppen sind.

    „Die letzten Wochen waren sehr arbeitsintensiv, die Lehrkräfte mussten viel leisten“, sagt die Schulleiterin. Die Eltern würden das Engagement der Lehrer honorieren, die Rückmeldungen seien grundsätzlich positiv. Besonders gut angekommen seien bei den Eltern laut Johanna Seib beispielsweise die personalisierten Erklärvideos und die persönlichen Briefe: „Für die Schüler ist es hilfreich, wenn sie ihre Lehrkraft sehen können. Das haben in den vergangenen Wochen sehr viele Eltern gesagt“, so die Schulleiterin der Grundschule Markelfingen.
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