Klein, aber fein war der Auftakt des Böhringer Heimattage-Projekts Dinner in Bunt. Möglicherweise haben die Urlaubszeit, nachzuholende Familientreffen sowie die geltenden Corona-Auflagen viele Böhringer davon abgehalten, das gemeinsame Dorf-Abendessen in der Mehrzweckhalle zu nutzen.

So nahmen an der ersten der fünf Dinner-Veranstaltungen nur 35 Personen teil, darunter das Helferteam um die Organisatoren Anke und Günther Lieby sowie als geladene Gäste Oberbürgermeister Martin Staab mit Partnerin, Christine Braun vom Heimattage-Team, Stadtmarketing-Geschäftsführerin Nina Hanstein, Ortsvorsteher Bernhard Diehl und OB-Kandidat Simon Gröger.

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Sie alle erlebten in warmer Atmosphäre einen entspannten, inspirierenden Abend, an dem Herz und Kulinarik aufeinandertrafen.

Idee entsteht aus einer privaten Tradition

Theoretisch hätten Anke und Günther Lieby das Dorf-Dinner auch bei sich zuhause ausrichten können. Denn wenn sie für gewöhnlich zu ihrem traditionellen After-Work-Dinner ihr Haus öffnen, kommen schon einmal bis zu 20 Leute an ihrem Wohnzimmertisch zusammen. Dann bringt jeder etwas mit, es wird gemeinsam gegessen, getrunken und gelacht und auch mal die ein oder andere Träne vergossen.

Aus dieser Tradition ist Ende 2019 der Gedanke zu „Dinner in Bunt“ entstanden. Viele Freunde und Bekannte des Paares haben ihre Unterstützung zugesagt.

„Wir dachten uns, es wäre doch schön, wenn wir das Ganze in einen größeren Rahmen stellen könnten, und dabei noch Impulse hineingeben könnten, mit denen sich das Zusammenleben und das Miteinander hier am Ort weiter bereichern lässt“, erzählt Günther Lieby an diesem Abend im Zuge seines Impulsvortrages „Wi(e)r leben in ver-rückten Zeiten?!“

Rückblick auf die Corona-Zeit

Nur kurz bat Günther Lieby die Gäste, den Blick noch einmal zurückzuwerfen auf die vergangenen 15 Monate, in denen die Menschen quer durch alle Generationen in vielen Lebensbereichen kräftig durchgeschüttelt worden seien.

Was war das Schlimmste? Was schmerzte am meisten? Was haben Sie am meisten vermisst? Was hat sich aber auch an Gutem, Neuem ergeben?

Günther Lieby beleuchtete in seinem Impulsvortrag die „ver-rückten Zeiten“ aus den verschiedensten Blickwinkeln.
Günther Lieby beleuchtete in seinem Impulsvortrag die „ver-rückten Zeiten“ aus den verschiedensten Blickwinkeln. | Bild: Marina Kupferschmid

Jeder konnte die Fragen für sich beantworten. Viele bemängelten etwa den Verlust von Nähe und Kontakten sowie eingeschränkte Freiheiten. Die mit Corona häufig einhergegangene Entschleunigung und das Mehr an Zeit für die Familie wurde von vielen als positiv empfunden. Die Erkenntnis des Abends: Das Gute, das genannt wurde, hatte immer etwas mit Menschen zu tun.

Günther Lieby ermutigte die Gäste, ihr Augenmerk auf die Chancen und auf das Gute zu lenken. Er glaubt, dass es nach den Entbehrungen des vergangenen Jahres für die Gesellschaft das Wichtigste sei, Zeit miteinander zu verbringen oder diese anderen zu schenken. Am besten gleich jetzt, bevor uns die sogenannte Normalität wieder einholen würde, mit Berufs- und Freizeitstress.

Jede Woche eine Stunde Zeit nehmen

Konkret schlug er vor, sich einmal pro Woche eine Stunde zusätzlich Zeit zu nehmen, um ganz bewusst eine Person oder eine Familie aus der Nachbarschaft, jemanden aus dem Verein oder jemanden, dem man begegnet, auf eine Tasse Kaffee einzuladen. Man könne eine ältere Nachbarin fragen, ob man irgendwo behilflich sein könne.

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Er sieht in Böhringen mit vielen aktiven und hilfsbereiten Menschen noch viel Potenzial, das Zusammenleben noch schöner zu gestalten. Auch bei den nächsten Dinner-in-Bunt-Veranstaltungen wolle man kreative Ideen entwickeln, die den Ort mit mehr Lebenssinn erfüllen können, kündigte er an.

In kleiner Runde startet in Böhringen das erste Dinner in Bunt als Ortsprojekt zu den Heimattagen. Die Teilnehmer erleben einen inspirierenden Abend.
In kleiner Runde startet in Böhringen das erste Dinner in Bunt als Ortsprojekt zu den Heimattagen. Die Teilnehmer erleben einen inspirierenden Abend. | Bild: Marina Kupferschmid

Oberbürgermeister Martin Staab überbrachte den Organisatoren den Dank von Stadt und Gemeinderat. Er zollte Günther Lieby und seinem Team großes Lob für deren Projektidee und auch dafür, dass man sich vom fehlenden Zuspruch nicht habe verrückt machen lassen.

„Die Gemeinsamkeit der Stadt und der Ortsteile ist das Wichtigste in dieser Zeit und die Heimattage helfen, was zusammengehört, zu verstärken.“ Er machte den Organisatoren Mut für die weiteren vier Veranstaltungen der Dinner-Reihe.

Bei einer duftenden, bunten Minestrone, die Sigrid Thiele zauberte, ging der Gesprächsstoff an diesem Abend nicht aus. Die Gäste verweilten noch lange über das offizielle Ende hinaus in munterer Runde, aus der sicher noch der ein oder andere Gedanke mit nach Hause genommen wurde.