Es hatte beinahe etwas Schicksalträchtiges, dass der Beschluss für den Neubau der am 13. Februar 2018 abgebrannten Markolfhalle in der Mehrzweckhalle in Böhringen getroffen wurde. Denn diese wurde laut Ortsvorsteher Bernhard Diehl (CDU) und Stadtrat Jürgen Keck (FDP) 1981 ebenfalls ein Opfer der Flammen und wurde zwei Jahre später, 1983, als Neubau wieder eröffnet. Damals sei der Brand ein Schock für den Stadtteil gewesen und ähnle damit dem Schicksalsschlag in Markelfingen.

Die Markolfhalle geriet am Fastnachtsdienstag im Jahr 2018 in Brand und konnte dadurch nicht mehr genutzt werden.
Die Markolfhalle geriet am Fastnachtsdienstag im Jahr 2018 in Brand und konnte dadurch nicht mehr genutzt werden. | Bild: Jarausch, Gerald

Der Radolfzeller Gemeinderat musste den Geist des Aufbruches, der noch immer durch die Böhringer Mehrzweckhalle schwebt, gespürt haben: Mit großer Mehrheit hat sich das Gremium am Dienstag für den Neubau der Markolfhalle und die Sanierung des benachbarten Feuerwehrhauses entschieden. Laut Kostenberechnung werden für die 1,5-fach Sport- und Mehrzweckhalle 10,7 Millionen Euro veranschlagt. Noch einmal rund 1,6 Millionen Euro werden für die Sanierung der Feuerwehrhauses fällig. Damit beläuft sich die Gesamtinvestition für das Vorhaben auf 12,3 Millionen Euro.

Markelfinger machen mobil

Gleich mehrfach brandete in der Sitzung von den Zuschauerreihen Applaus auf – der stärkste nach dem positiven Bescheid für den Neubau. Beinahe aus allen Bereich des öffentlichen Lebens waren Vertreter aus Markelfingen gekommen, um die Bedeutung des Neubaus hervorzuheben. Laut Thomas Böttinger, Präsident des Markelfinger Narrenvereins Seifensieder, liege das öffentliche Leben im Stadtteil nach dem Brand seit Jahren brach. „Die Halle war für viele Vereine und Organisationen die einzige Möglichkeit sich zu treffen. Wenn hier nichts geschieht, haben viele Vereine keine Zukunft mehr“, sagt er.

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Auch Michael Jentsch, Vorsitzender des FC Markelfingen, machte seinem Unmut über die Durststrecke von drei Jahren, in denen nichts passiert sei, Luft: „Markelfingen blutet aus.“ Weitere Verzögerungen wären eine Katastrophe.

An Ballsport war seit dem Brand in der Markolfhalle über Jahre hinweg nicht mehr zu denken.
An Ballsport war seit dem Brand in der Markolfhalle über Jahre hinweg nicht mehr zu denken. | Bild: Jarausch, Gerald

Michael Haaga von der Freiwilligen Feuerwehr Abteilung Markelfingen machte noch einmal deutlich, in welch schlechten Zustand sich das jetzige Feuerwehrhaus befinde. Die Duschen seien nicht mehr nutzbar, eine Beleuchtung nicht mehr möglich und Toiletten für die weiblichen Kolleginnen gebe es nicht. „Das kann kein Dauerzustand sein“, betonte er. Stattdessen forderte er den Gemeinderat dazu auf, sofort und nicht erst 2023 mit der Sanierung und dem Umbau des Feuerwehrhauses zu beginnen.

Genug der Worte, jetzt müssen Taten her

Lorenz Thum (CDU) appellierte mehr als Ortsvorsteher von Markelfingen denn als Stadtrat an das Gremium im Bürgersaal. Man merkte ihm an, dass er ein klares Signal setzen wollte: Die Zeit des Redens ist jetzt vorbei. „Das Konzept stimmt“, lautete seine finale Einschätzung. Thum betonte aber auch, dass die neue Halle keine für die Markelfinger, sonder eine für alle Radolfzeller sei.

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Vor allem auf Kämmerin Petra Ohmer kommt nun viel Arbeit zu. Denn eigentlich könne sich die Stadt die neue Halle angesichts der angespannten Finanzsituation und möglichen Kreditaufnahmen für 2021 von rund 20 Millionen Euro nicht leisten, gab sie zu bedenken. Als bekennende Fußballtrainerin schlagen zwei Herzen in ihrer Brust, aber Ohmer muss als Kämmererin auch die städtischen Finanzen im Blick behalten. Auch OB Martin Staab betonte, dass die Mehrkosten von rund fünf Millionen Euro noch nicht im Haushalt hinterlegt seien. „Es ist die Entscheidung des Gemeinderates, welche Projekte nun geschoben oder ganz raus genommen werden“, sagte Ohmer.

Vieles wird Wunsch bleiben müssen

Aus ihrer Sicht könnten dies nur Projekte sein, die noch nicht in der Umsetzung sind – unter anderem nannte sie die Milchwerksanierung, die Güttinger Gemeindescheune oder den geplanten Kunstrasenplatz. Für Stadtrat Helmut Villinger (CDU) Aussagen, die allesamt zu schwammig sind. „Mir fehlen die Finanzierungsvorschläge der Verwaltung“, kritisierte er. OB Staab verwies auf die Haushaltsberatung im Herbst. Das Hoheitsrecht über den Haushalt liege beim Gemeinderat, so Staab weiter.

Gemeinderat packt den Rotstift aus

Einsparpotenzial sieht der Gemeinderat bei der Dachbegrünung. Das Gremium entschied sich einstimmig dafür, auf diese zu verzichten. Damit sinkt die Bausumme um 350.000 Euro. Stattdessen soll das Dach mit Photovoltaikanlagen bestückt werden, die nicht von der Stadt sondern von einem Investor umgesetzt werden. Damit sollen noch einmal 90.000 Euro eingespart werden. Während Siegfried Lehmann (FGL) sich dafür aussprach, den Auftrag öffentlich auszuschreiben, plädierte Jürgen Keck (FDP) dafür, dass die Stadtwerke Radolfzell die Maßnahme umsetzen.

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Geteilte Meinung im Rat

Für Norbert Lumbe (SPD) stehe nun eine negative Priorisierung an. „Die Entscheidung wird mit Geld verbunden sein, das an anderen Stellen Verschiebungen nötig macht“, sagte er. Dietmar Baumgartner (FW) betonte, dass wenn man jetzt nicht baue, dies wohl nie mehr geschehen werde. Für Siegfried Lehmann (FGL) zog sich die Zeit vom Brand bis zu diesem Entscheid endlos hin. „Wir haben zu wenig Hallenkapazitäten in der Stadt“, so Lehmann.

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Auch Martina Gleich (CDU) sprach sich für den Neubau aus: „Wir haben Grundschulkinder, die keinen Sportunterricht in einer Markelfinger Halle erleben werden.“ Martin Aichem (FW) sorge sich, dass der Neubau der Stadt finanziell ähnlich über den Kopf wachse, wie die Seetorqueurung. Gegenwind gab es von Thilo Sindlinger (FGL): „Diese Investition überdehnt die finanziellen Möglichkeiten der Stadt.“ Er befürchte, dass der Rat durch diesen Beschluss das Hoheitsrecht über seinen Haushalt verliere. Gisela Kögel-Hensen (FGL) gab zu bedenken, dass man diesen Entscheid auch gegenüber den Bürgern vertreten müsse. „Nur acht Prozent der 30.000 Radolfzeller leben in Markelfingen„, sagte sie.

Die Halle soll bis Februar 2023 stehen

  • Der Zeitplan: Laut Gerhard Schöpperle, Leiter des Fachbereiches Hochbau, soll der Abbruch der Bestandshalle von April bis Juni 2021 erfolgen. Der Neubau dauere dann von August 2021 bis Februar 2023. Die Außenwand für den Schulungsraum der Feuerwehr soll von Juli 2021 bis Oktober 2021 aufgebaut werden. Die Bestandssanierung der Feuerwehr folge dann von Juni 2022 bis Juni 2023. Die Hallenfläche soll 680 Quadratmeter betragen und Platz für zu 700 Personen bieten. Auf Nachfrage von Stadtrat Gabriel Deufel (FW), weshalb wieder ein Jahr ins Land streiche, bevor die Arbeiten starten, verwies Schöpperle darauf, dass man erst mit dem nun gefassten Beschluss in die Ausschreibung für die Abbrucharbeiten starten könene.
  • Die namentliche Abstimmung: Mit Ja stimmten: Norbert Lumbe, Derya Yildirim, Reinhard Rabanser, Susann Göhler-Krekosch (alle SPD), Josef Klett, Walter Hiller, Dietmar Baumgartner, Gabriel Deufel (alle FW), Jürgen Keck, Manfred Brunner (beide FDP), Lorenz Thum, Martina Gleich, Helmut Villinger, Bernhard Diehl, Hermann Leiz, Stefan Neumair (alle CDU), Siegfried Lehmann, Nina Breimaier, Daniela Löchle, Zekine Özdemir (alle FGL) und OB Martin Staab.
    Enthalten haben sich: Anja Matuszak, Gisela Kögel-Hensen (beide GFL) und Jürgen Aichem (FW).
    Für Nein stimmten: Richard Atkinson (FDP) und Thilo Sindlinger (FGL).

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