Norbert Opferkuch, Schulleiter des Berufsschulzentrums in Radolfzell, spricht von „einer großen und zugleich spannenden Herausforderung“, sein Stellvertreter Michael Janowicz von „einer Mammutaufgabe„. Wie man es auch beschreiben mag: Die schrittweise Wiederaufnahme des Schulbetriebs ab Montag, 4. Mai, erweist sich als kompliziert: Seit Wochen würden nicht nur sie, sondern auch das Lehrerkollegium, Hausmeister und alle weiteren Mitarbeiter mit Hochdruck daran arbeiten, dass zumindest die Abschlussklassen ab Montag wieder möglichst risikofrei Präsenzunterricht erhalten können. Doch wie soll, kann und darf es am Berufsschulzentrum in den kommenden Wochen weiter gehen?

Normalerweise werden in diesem Raum bis zu 30 Schüler unterrichtet – ab Montag aber maximal zwölf. Die restlichen Stühle und Tische müssen hintern verstaut werden.
Normalerweise werden in diesem Raum bis zu 30 Schüler unterrichtet – ab Montag aber maximal zwölf. Die restlichen Stühle und Tische müssen hintern verstaut werden. | Bild: Julian Widmann
  • Abschlussprüfungen: Etwa 750 der 1650 Schüler, also rund 45 Prozent, machen laut Norbert Opferkuch in diesem Jahr am BSZ ihren Abschluss. „Wir haben 36 Abschlussklassen. Das muss man sich mal vorstellen, wie wahnsinnig viele das sind“, sagt der Schulleiter. Zudem seien die Prüfungen durch die Schulschließungen der vergangenen Wochen nun viel komprimierter. „Das war sonst natürlich alles deutlich besser verteilt“, ergänzt Opferkuch. Ab Montag bekommen etwa 600 der 750 angehenden Absolventen täglichen Präsenzunterricht. Die Hälfte komme morgens, die andere Hälfte mittags. „Es ist ganz klar, dass trotz der hohen Anzahl an Abschlussklassen immer möglichst wenige Schüler auf dem Flur oder auf der Treppe sein sollten“, sagt Michael Janowicz. Daher würden jeweils ein Teil der Schüler zur ersten, zweiten beziehungsweise dritten Stunden kommen – nachmittags dasselbe Prinzip. „Wir haben drei Stundenplaner, die jeden Tag intensivst daran arbeiten“, sagt Janowicz. Es gebe auch keine gleichzeitigen Pausen. „Die Schüler sollen nur auf die Toilette, wenn sie müssen. Wir wollen unbedingt vermeiden, dass es sich vor dem Klo stauen könnte“, fügt der stellvertretende Schulleiter an. Norbert Opferkuch weiß und versteht, dass auch die anderen Schüler gerne wieder in die Schule kommen würden, stellt aber klar: „Die nächsten zwei Wochen ist der Fokus voll auf den Prüfungsklassen. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit den Schülern einen bestmöglichen Abschluss zu erreichen.“
Schulleiter Norbert Opferkuch (links) und sein Stellvertreter Michael Janowicz machen vor, wie es geht. Direkt nach dem Eingang stehen zwei Desinfektionsständer.
Schulleiter Norbert Opferkuch (links) und sein Stellvertreter Michael Janowicz machen vor, wie es geht. Direkt nach dem Eingang stehen zwei Desinfektionsständer. | Bild: Julian Widmann
  • Wichtige Regeln: Der Schulleiter betont, dass sich die Schüler – vor allem durch die hohe Anzahl an Abschlussklassen – unbedingt an die Abstands- und Hygieneregeln sowie die Tragepflicht einer Maske halten müssen. Daher werde man die Prüfungsklassen am Montag vor Unterrichtsbeginn nochmals über alle geltenden Regeln aufklären. Was die Hygiene betrifft, sieht Opferkuch das Berufsschulzentrum bestens präpariert. „Wir haben viele und gute Toiletten, das ist für uns sehr wichtig.“ Zusätzlich zu den Waschmöglichkeiten gebe es trotzdem noch weitere Desinfektions-Ständer. Michael Janowicz begründet: „Es dürfen nur maximal zwei Personen gleichzeitig auf einem Klo sein. Ohne zusätzliche Desinfektionsmöglichkeiten könnte es Stau geben.“ Außerdem sei zusätzliches Reinigungspersonal jeden Tag im Einsatz. „Die hygienischen Voraussetzungen sind hervorragend“, fasst Norbert Opferkuch zusammen. Für die Einhaltung der Abstandsregeln habe man sich in den vergangenen Wochen viele Gedanken gemacht. „In Räumen, in denen normalerweise bis zu 30 Schüler unterrichtet werden, dürfen sich jetzt maximal zwölf Schüler gleichzeitig aufhalten“, sagt Norbert Opferkuch. Dabei zeigt er auf die Stühle und Tische, die nun hinten in den Räumen verstaut werden müssen. „Wir müssen möglichst überall Platz sparen, da wir in den nächsten Wochen mit 45 Prozent der Schüler alle erdenklich möglichen Räume belegen“, ergänzt er. Auf den Treppen könne man in nächster Zeit jeweils nur in eine Richtung gehen, was durch Schilder angezeigt werde. Das Gleiche gelte teilweise im gesamten Gebäude. „Wir haben an allen Stellen, an denen der Sicherheitsabstand nur schwierig einzuhalten ist, Wegweiser aufgehängt. Zum Beispiel also in Fluren. „Die Schüler müssen da jetzt teilweise einfach weitere Wege laufen“, erklärt Janowicz. Was die Tragepflicht der Masken betrifft, sagt Norbert Opferkuch: „Die Schüler müssen eigenverantwortlich eine Maske mitbringen und diese bis auf wenige Ausnahmen tragen. Einige Ersatzmasken haben wir nur zur Not da.“
Im ganzen Gebäude hängen Hinweise für die Schüler aus.
Im ganzen Gebäude hängen Hinweise für die Schüler aus. | Bild: Julian Widmann
  • Digitaler Unterricht: Sowohl mit den Schülern als auch den Lehrern habe man eine Befragung zum Fernunterricht gestartet. Zwar sei diese laut Opferkuch noch nicht ganz ausgewertet, dennoch habe er ein gutes Gefühl: „Unsere Eindrücke sind sehr positiv. Wir haben in den vergangenen ein, zwei Jahren gute Vorarbeit geleistet.“ Und er fügt hinzu: „Die Lehrerinnen und Lehrer zeigen derzeit eine enorm große Bereitschaft. Sie erzählen zudem, dass das Engagement der Schüler im Fernunterricht größtenteils sehr gut sei.“ Verwundert habe ihn das aber nicht, denn „wir haben vernünftige Schüler“. Daher blickt der Schulleiter auch optimistisch nach vorn: „Wir sind auch für den Fernunterricht weiterhin gut vorbereitet, freuen uns aber natürlich trotzdem, die Schüler baldmöglichst wieder da zu haben.“
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