Als ob Kuno Rauch als Dirigent der Stadtkapelle wusste, was die rund 500 Besucher beim Neujahrsempfang im Milchwerk am Sonntag erwarten würden, entschied er sich bei der Eröfnung für den Imperial March. Jener Filmmusik, mit dem Filmbösewicht Darth Vader im Hollywood-Streifen Star Wars die Bühne betritt. Unheilvoll, betrüblich, dunkel – die Musik passte zum Einstieg von Oberbürgermeister Martin Staab in seine Neujahrsrede. Denn die fiel düster aus – vor allem mit Blick auf die Bundespolitik. Diese habe es seiner Meinung nach trotz der vergangenen Bundestagswahlen nicht geschafft, einen Aufbruch im Land zu forcieren. Dabei sei dieser während der monatelangen Koalitionsverhandlungen spürbar gewesen. Aber gekommen sei er nicht: „Es folgte eine bleierne Schwere“, betonte Staab. Vielmehr müssen die Menschen in Deutschland aufpassen, dass sie mit dem Wechsel in 2020 den Aufbruch in ein neues Jahrzehnt nicht versäumen.

Rund 500 Zuhörer nahmen am Neujahrsempfang teil. Bild: Anna-Maria Schneider
Rund 500 Zuhörer nahmen am Neujahrsempfang teil. Bild: Anna-Maria Schneider | Bild: Matthias Güntert

Was auf bundesweiter Ebene also schief läuft, soll in Radolfzell nicht passieren. Denn so düster das Zeugnis für die gesamte Bundesrepublik ausfiel, in Hinblick auf die Zukunft der Stadt entwarf Staab ein deutlich positiveres Bild. Voraussetzung hierfür: Wieder mehr miteinander als übereinander zu reden. „Mehr mitmachen, mehr mitmachen wollen“, so Staab weiter. Alles im Sinne des Zusammenhaltes der Gesellschaft.

Die Klimademokratie

Staab ist davon überzeugt, dass das Thema Klimaschutz das alles bestimmende sein werde. „Dies wird das epochale Thema der 2020er Jahre werden. Auch in Radolfzell.“ Dennoch zeigte er sich davon überzeugt, dass es 2019 richtig gewesen sei, im Gegensatz zu Konstanz den Klimanotstand nicht auszurufen. „Ich glaube, die Ausrufung eines Notstandes spaltet eher die Gesellschaft, als dass alle gemeinsam die Notwendigkeit erkennen und gemeinsam anpacken“, so Staab. Vielmehr setze man in Radolfzell auch weiterhin auf die Klimademokratie.

Vor der Neujahrsrede ist Händeschütteln angesagt: OB Martin Staab (Bildmitte) und seine Partnerin Andrea Rehberger begrüßen Stadtrat Walter Hiller. Bild: Matthias Güntert
Vor der Neujahrsrede ist Händeschütteln angesagt: OB Martin Staab (Bildmitte) und seine Partnerin Andrea Rehberger begrüßen Stadtrat Walter Hiller. Bild: Matthias Güntert | Bild: Matthias Güntert

10 000 neue Bäume

Oberbürgermeister Martin Staab hofft bei der Klimawende ganz auf die Fortschreibung des Stadtentwicklungsplanes STEP 2030. Dort sollen die richtigen Wegmarken gesetzt werden. Mit noch breiterer Bürgerbeteiligung als bisher, wie er versprach. Die Klimademokratie verlange von jedem Bürger ein Mitwirken. Wie dies gehe? Am besten über das Pflanzen von Bäumen im Rahmen des 10 000-Bäume-Aktionsprogrammes. „Jeder Haushalt in Radolfzell sollte für jedes Familienmitglied im eigenen Garten einen zusätzlichen Baum pflanzen“, wünschte sich Staab. Wer dies nicht könne, könne sich an einer Baumpflanzaktion auf öffentlichen Flächen beteiligen. Die erste solle bereits im Frühjahr stattfinden.

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Leuchtendes Beispiel Liggeringen

Die Radolfzeller Stadtverwaltung will im Zuge des Klimawandels auch weiterhin an die Grünflächen gehen. Sie müssen laut dem OB naturnäher, artenreicher und klimaangepasster werden. „Unsere Ambitionen, mehr Wald zu schaffen, wird in den kommenden Jahren gelingen“, sicherte Staab zu. Als Beispiel nannte er Liggeringen, wo man bereits fleißig daran sei, neue Waldflächen zu generieren. „Vielleicht wird Liggeringen der erste Ortsteil, der klimaneutral lebt.“

Die Stadtmusik sorgte beim Neujahrsempfang der Stadt für die musikalische Begleitung. Bild: Anna-Maria Schneider
Die Stadtmusik sorgte beim Neujahrsempfang der Stadt für die musikalische Begleitung. Bild: Anna-Maria Schneider | Bild: Matthias Güntert

Die Energiewende in der Stadt

Radolfzell will auch weiterhin seine großen Energieschlucke im Bereich der öffentlichen Gebäude angehen. Die Hallen in Böhringen und Güttingen seien bereits energetisch saniert. Und auch Markelfingen könne sich auf eine neue Halle nach den neusten technischen Möglichkeiten freuen. „Und in den nächsten Jahren steht die Halle in Liggeringen an“, so Staab. Auch dort müsse mit der Grundsanierung eine deutliche energetische Verbesserung erfolgen.

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Die Liste an Aufgaben in 2020 ist lang

So sollen das Quartier am Untertorplatz nach dem Umzug der Stadtwerke eine neue Funktion erhalten, die bauliche Weiterentwicklung der Mettnau-Kur solle fortgesetzt werden, der Neubau der Markolfhalle voranschreiten. Und die Sanierung des Strandbades soll mittelfristig geplant werden. Zudem arbeite man mit Hochdruck an der Realisierung eines lokalen Gesundheitszentrums für geburtshilfliche Versorgung. Das mittelfristige Ziel: die Einrichtung eines Geburtshauses in Radolfzell. Doch über allem, was die Verwaltung im neu begonnenen Jahr 2020 angehen wolle, schwebe mit dem noch nicht genehmigungsfähigen Haushalt eine Unsicherheit.

Ein Haushalt in Schieflage

Bis der Haushalt für 2020 verabschiedet und genehmigt ist, werden laut Staab noch einige Wochen vergehen. Der Gürtel müsse aber ohnehin enger geschnallt werden. Was bedeutet, dass im Investitionsprogramm – bis auf wenige Ausnahmen – nur Maßnahmen auftauchen, die in irgendeiner Form bereits begonnen wurden. Sprich, laufenden Baumaßnahmen, die schon in der Vergabe sind. Oberstes Ziel auch im laufenden Haushalt sei weiterhin die schwarze Null.