Es klang eigentlich wie ein Modell, das für alle Beteiligten Vorteile bringt. Mögginger Bürger taten sich im Juni vergangenen Jahres zusammen, um die letzte Wirtschaft im Dorf zu retten. Doch nach nur wenigen Monaten steht dieses ungewöhnliche Konzept wieder vor dem Aus. Der Mögginger Adler schließt die Wirtschaft und wird künftig nur noch ein Gästehaus sein.

Besitzer wollen leerstehende Räume nutzen

Die beiden Besitzer des Gebäudes, Bettina Frauz und Matthias Sättele, wollen künftig die Räume oberhalb des Gastraumes privat nutzen. "Da sind mehr als 140 Quadratmeter Wohnfläche, die bisher ungenutzt waren", sagt Matthias Sättele. In die Räume der ehemaligen Galerie und des Büros wollen er und Bettina Frauz ihre Privatwohnung einrichten. Wegen des Schallschutzes sei es dann nicht mehr möglich unten im Erdgeschoss den Ausschank-Betrieb am Laufen zu halten.

Wapo Bodensee kommt mit größerem Team

Grund für den Umzug aus ihrer bisherigen Wohnung ist die "Wapo Bodensee". Das Team der Serie, die von der ARD produziert wird, kommt seit Jahren nach Möggingen und übernachtete im Adler während der Dreharbeiten. Nun hat die ARD den Auftrag erteilt, doppelt so viele Folgen in diesem Jahr abzudrehen als bisher. Sie bleiben also länger in der Bodenseeregion für die Dreharbeiten und kommen mit mehr Mitarbeitern. Und brauchen also mehr Gästezimmer.

Der Mögginger Adler war im vergangenen Sommer noch eine von Bürgern betriebene Dorfkneipe. Jetzt wird der Adler ausschließlich als Gästehaus genutzt. Bild: Anna-Maria Schneider
Der Mögginger Adler war im vergangenen Sommer noch eine von Bürgern betriebene Dorfkneipe. Jetzt wird der Adler ausschließlich als Gästehaus genutzt. Bild: Anna-Maria Schneider | Bild: Schneider, Anna-Maria

"Für gewöhnlich kamen die Wapo-Leute zu fünft und blieben von Juni bis Oktober bei uns im Gästehaus. Nun kommen etwa neun Personen und bleiben von April bis Oktober", sagt Matthias Sättele. Die Planungen des ARD seien langfristig angelegt, sodass man davon ausgehen könne, dass auch in den kommenden Jahren das Dreh-Team in Möggingen zu Gast sein werde, sagt Sättele.

Noch ein letztes Mal Adlerfasnet

Für den Mögginger Adler als letzte Wirtschaft im Dorf bedeutet dies das endgültige Aus. Ein letztes Mal werde es noch die beliebte Adlerfasnet geben. Für die Mögginger, die extra eine Kommanditgesellschaft gegründet hatten, um den Adler als Wirtschaft am Laufen zu halten, ist diese Nachricht besonders bitter. "Das ist schon sehr schade, dass wir den Adler nicht mehr haben. Das Programm wurde gut angenommen", sagt Michael Maisch. Der Trompeter Maisch hatte regelmäßig Jazz-Abende veranstaltet und passend zur Musik Gerichte aus den US-Südstaaten angeboten. Dieses Konzept kam gut an.

Bürger hatten sich für den Betrieb zusammengetan

Für den wöchentlichen Betrieb hatten sich im Juni vergangenen Jahres die Mögginger Friedemann Fischer, Jürgen und Ina Karrer, Dietlinde und Hans Thoma, Walter Stoll, Michael Maisch und Wolfgang Friedrich zusammengetan. Abwechselnd haben sie das Lokal für die Mögginger geöffnet und selbstständig betrieben. Ihnen war wichtig, dass Möggingen eine Dorfkneipe hat und es einen Treffpunkt für Einwohner gibt.

Nicht immer kamen viele Gäste

Doch gerade in den kühleren Herbst- und Wintermonaten sei der Betrieb nicht gut gelaufen. Dies sagt auch Matthias Sättele. "Bei den Jazz-Events war immer viel los und es kamen auch viele von Außerhalb nach Möggingen. Aber manchmal gab es über den Abend hinweg nur sechs Gäste", sagt der Eigentümer.

Mögginger Adler-Fans sind enttäuscht

Die Betreiber der Kommanditgesellschaft ziehen ebenfalls ein wenig positives Fazit. "Es war ja ein längerer manchmal zäher und dann wieder beschwingter Prozess mit viel Zuspruch, wenig Kritik und sehr viel Desinteresse. Doch eines wurde glasklar: Möggingen hat keinen Bedarf an einer Dorfwirtschaft. Wir haben uns einen solchen Bedarf auch einreden lassen oder sogar selbst eingeredet, aber die Besucherzahlen sprechen eine andere Sprache", schreibt Jürgen Karrer in der jüngsten und letzten Ausgabe der "Adlers Feder", der Zeitung zum Gasthaus. Zu wenige aus dem Dorf, ob von Vereinen oder neu zugezogene Familien, seien regelmäßig in den Adler gekommen, beklagt Karrer. Bei den unterschiedlichen Veranstaltungen seien mehr Gäste von außerhalb als Mögginger gekommen.

Für die Jazz-Abende soll es weitergehen

Michael Maisch will seine Jazz-Abend aber nicht vollends aufgeben. Er ist schon auf der Suche nach einer alternativen Location, in der auch künftig in Möggingen kulturelles Leben Platz findet. Für ein Feierabendbier bleibt aktuell nur das Rathausstüble übrig.

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