Ohne ihren kleinen Handventilator gehen die Schauspieler bei einer Temperatur von über 35 Grad Celsius kaum einen Meter. Hauptdarstellerin Floriane Daniel hält sich ein pinkes Exemplar vor das Gesicht, während ihr Kollege Tim Wilde in einer kurzen Pause nach einem orange-grünen Ventilator greift. Es ist heiß, während das Team der ARD-Vorabendserie Wapo Bodensee in Radolfzell dreht. Wenn die Folgen ab Frühjahr 2019 ausgestrahlt werden, soll die Sendung wieder ein wenig Urlaubsstimmung in deutsche Wohnzimmer bringen. Schweißperlen sind dabei nicht gern gesehen, also heißt es pudern und pusten. An anderer Stelle weiß Produzentin Kerstin Lipownik noch nicht genau, wie sie die Hitzefolgen ins rechte Licht setzen wird: Aufgrund von Niedrigwasser sei der Steg inzwischen 70 Zentimeter niedriger als bei ersten Aufnahmen vor zwei Wochen.

Tim Wilde und Floriane Daniel drehen derzeit für die Wapo Bodensee in Radolfzell und behelfen sich mit Handventilatoren gegen die Sommerhitze. Außerdem wird viel gepudert und gepustet, damit die Hauptdarsteller nicht verschwitzt aussehen.
Tim Wilde und Floriane Daniel drehen derzeit für die Wapo Bodensee in Radolfzell und behelfen sich mit Handventilatoren gegen die Sommerhitze. Außerdem wird viel gepudert und gepustet, damit die Hauptdarsteller nicht verschwitzt aussehen. | Bild: Arndt, Isabelle

Vier Folgen werden durcheinander gedreht

Dabei steht der Drehplan des rund 40-köpfigen Teams schon fest. Etwa vier Wochen vor Drehbeginn Anfang Juli hätten sie sich die meisten Genehmigungen eingeholt, inzwischen seien sie bei Ansprechpartnern und Gemeinden bereits bekannt. "Es ist wie nach Hause kommen", sagt Hauptdarstellerin Floriane Daniel. Aufgenommen werden von Juli bis September acht Folgen, dabei sind die Dreharbeiten in zwei Blöcke mit je vier Folgen aufgeteilt. "Die Schauspieler müssen mit ihren Emotionen ständig wechseln, weil wir vier Folgen durcheinander drehen", erklärt Produzentin Lipownik. An diesem Tag wird im Polizeirevier gedreht. Dass das Verhörzimmer mit Seeblick trumpft, sei Absicht: Nachdem der Tatort teils düster und neblig war, wolle die Wapo Bodensee besonders die schönen Facetten der Region zeigen.

Clubhaus wird zu Polizeirevier – dafür bleiben nur Küche und Bücherregal

Eigentlich handelt es sich nicht um ein Polizeirevier, sondern um das Clubhaus und Gelände des Wassersportclub Wäschbruck am Radolfzeller Seeufer. Der Polizeischriftzug ist provisorisch, auch das Wappen wird in wenigen Tagen wieder von der Eingangstüre verschwinden. Bereits seit dem ersten Dreh vor drei Jahren findet die Wapo Bodensee hier für etwa zwei Wochen ein Zuhause. Lipownik erklärt, wie die Ortssuche abläuft: Der Motivaufnahmeleiter lebe auf der Reichenau und schlage Orte vor, die sich erst ein kleines Team anschaut. Die Überraschung sei dann groß, wenn zum Drehtermin ein großes Team anrückt. Beim Wassersportclub wird zuvor bereits drei Tage lang umgebaut. Aus bodentiefen Fenstern werden halbhohe, aus den normalen Wänden werden welche aus Beton und im Hauptraum entsteht ein abgetrenntes Büro. "Das einzige, was geblieben ist, sind die Küche und das Bücherregal", erklärt die Produzentin.

Auch am Set sind die Kollegen Simon Werdelis und Wendy Güntensperger. Im Hintergrund eine der Betonwände, die etwa im Vernehmungsraum eigens montiert wurde.
Auch am Set sind die Kollegen Simon Werdelis und Wendy Güntensperger. Im Hintergrund eine der Betonwände, die etwa im Vernehmungsraum eigens montiert wurde. | Bild: Arndt, Isabelle

Auch an anderen Stellen passt das Filmteam die Gegebenheiten ans Konzept an: Für den Zuschauer gehört der Nachbarsteg zum Polizeirevier, das vermeintlich in Konstanz liegt. Und zum Dreh beim Zollhaus in Ludwigshafen erklärt die Produzentin: "Das ist unsere Schweiz." Dort sitze Martin Rapold, der den Hauptmann Aubry spielt. "Das bemerken nur die Einheimischen", sagt Kerstin Lipownik. "Wir drehen ja keine Dokumentation, es ist Fiktion."

Zuschauer sind willkommen – aber leise bitte

Flugzeuggeräusche und Kirchglockengeläut werden dabei ausgeblendet. "Stopp", ruft der Regisseur, wenn er einen Flieger hört. Floriane Daniel hält inne, während sie als Nele Fehrenbach mit ihrem Kollegen Paul Schott (gespielt von Tim Wilde) über Probleme mit ihrer Tochter spricht. Wenige Sekunden später kann es an gleicher Stelle weitergehen. Auch für Passanten hat das Team eine Lösung: Mitarbeiter klären über die Dreharbeiten auf und bitten darum, aus dem Bild zu gehen. "Die Leute dürfen gerne zuschauen, wenn sie leise sind, aber nicht ins Bild schwimmen", sagt Lipownik, während ein Mann in sicherem Abstand seine Bahnen zieht.

Floriane Daniel liebt ihre Rolle der Wapo-Leiterin

Die Wapo Bodensee soll laut Produzentin nicht nur am Bodensee spielen, sondern auch Region und Menschen einbinden. Bei den Kriminalfällen sollen auch Klostergeschichte, die örtlich beliebten Kayaks oder etwa im vergangenen Jahr die Straußenfarm bei Stockach vorkommen. Und unter den Schauspielern am Set seien bei vier Folgen rund 40 Komparsen aus der Region – die meisten würden eine Leiche spielen wollen. Eine Rolle ist aber in jedem Fall gesetzt: Floriane Daniel als Leiterin der Wasserschutzpolizei. "Ich liebe die Rolle", sagt die Schauspielerin, daher freue sie sich stets auf die Dreharbeiten am Bodensee. Nele Fehrenbach habe Kinder, esse auch etwas und durchlebe Höhen und Tiefen. "Es ist eine Frau, die was kann, aber keine Superfrau."

Urlaubsgefühl entschädigt mühsame Zimmersuche

Beim dreimonatigen Dreh in Radolfzell und der Bodenseeregion erlebt das Filmteam alle Vor-, aber auch Nachteile der Gegend: Es sei beispielsweise schwierig, Unterkünfte für die Mitarbeiter zu finden. Im Gegenzug fühle sich das Drehen am Bodensee fast ein wenig wie Urlaub an. Von ihrer Ferienwohnung aus könne sie auf den See blicken und morgens den Sonnenaufgang genießen, erzählt etwa Hauptdarstellerin Floriane Daniel. Und weil es sich kaum lohne, für ein Wochenende nach Hause zu fliegen, komme auch mal die Familie zu Besuch.