Der Strand ist geharkt. Der Kiosk und die Umkleidekabinen haben einen neuen Anstrich erhalten. Die Gefriertruhe ist voll mit Eis am Stil. Und dennoch dürfen die Frei- und Strandbäder in Stockach, Bodman-Ludwigshafen und Orsingen-Nenzingen wie andere Badeeinrichtungen auch weiterhin nicht öffnen. Derzeit sei laut einer Stellungnahme der baden-württembergischen Landesregierung auch noch nicht abschätzbar, wann sich dieser Umstand ändert. „Auch für Zuschauerbesuche von Sportveranstaltungen, für Freibäder, Badeseen und Bolzplätze braucht es noch Konzepte“, teilt die Landesregierung mit. Wie sich vier Betreiber oder Pächter von Frei- und Strandbädern auf einen ungewissen Sommer 2020 vorbereiten:

Warten auf den Startschuss im Stockacher Freibad

Für die Stadtwerke Stockach, die neben dem Freibad auch das Hallenbad im Osterholz betreiben, steht damit fest: Nach dieser aktuellen Vorgabe ist eine Öffnung im Mai nicht mehr möglich. Eigentlich hätte das Freibad an diesem Wochenende öffnen sollen. „Grundsätzlich wollen wir das Freibad sobald wie möglich öffnen, wenn wir die Rahmenbedingungen und gesetzlichen Vorgaben dazu haben. In Stockach dreht sich im Sommer sehr viel um das Freibad und es ist Teil einer wichtigen Infrastruktur und des gesellschaftlichen Lebens in der Stadt“, betont Stadtwerke-Geschäftsführer Jürgen Fürst. Gerade auch vor dem Hintergrund wahrscheinlich eingeschränkter Reisemöglichkeiten in diesem Sommer, wolle man das örtliche Freizeitangebot stärken. In der vergangenen Badesaison 2019 strömten rund 58000 Besucher ins Stockacher Freibad.

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Aber bis die Frei- und Strandbäder wieder öffnen dürfen, gilt es Antworten auf viele offene Fragen zu finden. Laut Steffanie Hornstein, Pressesprecherin der Stadtwerke Stockach, sei es schwierig, die Besucherzahl über den reinen Onlineverkauf im Vorfeld zu regulieren. Denn damit schließe man einige Besuchergruppen, darunter auch viele Stammgäste, praktisch aus.

Vorlaufzeit von bis zu 14 Tagen

Das Freibad wird seit Ende März von den Angestellten auf die neue Badesaison vorbereitet. Hierzu zählen die Vorbereitungen der Technik und der Becken, die Arbeiten im Außenbereich und in den Grünanlagen. Der letzte Feinschliff fehlt noch, dann ist das Freibad perfekt für den Saisonstart organisiert. Laut Stadtwerke brauche man ab dem Entscheidungsmoment für eine Öffnung der Freibäder eine Vorlaufzeit von zehn bis 14 Tagen. Die Entscheidung, ob die Freibäder dann voraussichtlich frühestens Anfang Juni öffnen dürfen, falle laut Informationen der Stadtwerke Stockach auf Länderebene. Basis hierfür sei eines vom Deutschen Städtetag noch im Mai vorzulegendes praxisnahes Konzept.

Betreiber Jürgen Blum hofft, dass der Badebetrieb in Orsingen bald möglich ist. Sein Team und er stehen parat. Bild: Claudia Ladwig
Betreiber Jürgen Blum hofft, dass der Badebetrieb in Orsingen bald möglich ist. Sein Team und er stehen parat. Bild: Claudia Ladwig | Bild: Claudia Ladwig

Campen ohne Badevergnügen

Jürgen Blum vom Camping- und Ferienpark Orsingen wartet ebenfalls auf die Erlaubnis, das Schwimmbad zu öffnen. Eigentlich war der Start am 1. Mai geplant, bei schönem Wetter, wie es um Ostern herum war, auch früher. Nun darf der Campingplatz ab dem 18. Mai wieder Übernachtungsgäste beherbergen, doch ins feuchte Nass können diese vorerst nicht springen. Zwar hat Blum die Becken mit Wasser gefüllt, jedoch nur, um die Beckenfolie zu schützen. „Wenn die Erlaubnis zum Öffnen kommt, müssten wir das Wasser ablassen, die Becken reinigen und frisches Wasser einlassen.“ Allein das Füllen der Becken dauere rund fünf Tage, weil er das Wasser nur laufen lasse, wenn er vor Ort sei, betont Blum. „Dann muss es über Fernwärme auf 23 bis 26 Grad aufgeheizt werden.“ Für die Inbetriebnahme der Anlage komme eine externe Firma. „Das wird dann eng werden, weil alle sie brauchen“, so Blum.

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Welche Auflagen der Camping- und Ferienpark erfüllen muss, weiß Jürgen Blum noch nicht genau. Was er schon organisieren konnte, wurde getan. Die Lage sei etwas kompliziert, denn während für den Campingbereich die Gemeinde Orsingen-Nenzingen zuständig ist, ist das Ordnungsamt der Ansprechpartner für den Restaurantbetrieb. Und Vorgaben zum Schwimmbadbereich kommen vom Gesundheitsamt, so Blum.

Auch Schwimmkurse sind fraglich

Momentan sind die zehn festen Mitarbeiter in Kurzarbeit. Mit Aushilfen ist das Team sogar 27 Personen stark. Jürgen Blum hofft, dass sie bald alle wieder zurückkommen können. Ob in Orsingen in diesem Sommer wie sonst üblich Schwimmkurse der DLRG Bodman und Steißlingen stattfinden werden, ist noch unsicher. Blum sagt, er frage sich, wie er den Campinggästen erklären solle, dass die Kursteilnehmer ins Wasser dürften, sie aber nicht. Außerdem sei es für ihn als Privatunternehmer schwieriger als für eine Kommune, die Becken nur für die Kurse zu füllen und zu pflegen, macht er klar.

Das Strandbad in Bodman ist im Wartemodus

„Wir könnten loslegen“, erklärt Magnus Mosler, Pächter des Strandbades in Bodman. Trotz der derzeit ungewissen Zukunft, in die die Strandbadpächter in der Region schauen, hat er seinen Optimismus nicht verloren: „Ich bin nach wie vor zuversichtlich, dass es eine Badesaison 2020 geben wird.“ Ohnehin bereite er sich auch trotz der Pandemie vor, wie jedes Jahr. „Wir legen hier nicht die Hände in den Schoss und warten“, so Mosler. Renovieren der Gebäude samt neuem Anstrich, Instandhalten der Boote, Rasenmähen, den Strandabschnitt säubern – all dies müsse auch bei einem Stillstand im Strandbad erledigt werden.

Ob es 2020 einen Badesommer geben wird, steht noch nicht fest. Die Betreiber und Pächter warten auf die Erlaubnis von Bund und Länder. ...
Ob es 2020 einen Badesommer geben wird, steht noch nicht fest. Die Betreiber und Pächter warten auf die Erlaubnis von Bund und Länder. Unser Bild zeigt eine Aufnahme aus dem Strandbad in Bodman aus dem vergangen Jahr. Archivbild: Julian Singler | Bild: Singler, Julian

Normalerweise hätte das Strandbad in Bodman seit Ostern geöffnet. Jetzt bleibe ihm nichts anderes übrig, als zu warten. Sollte er grünes Licht für eine Öffnung erhalten, sei sein Strandbad bestens vorbereitet: „Wir haben an allen Orten mit Kundenkontakt einen Spuckschutz installiert“, sagt Mosler. Ein Konzept für eine Eingangskontrolle, sollte nur eine bestimmte Anzahl an Besuchern ins Bad dürfen, stehe bereits.

Kein Blitzstart in Bodman

Aber den Betrieb von einen Tag auf den anderen hochzufahren, sei seiner Einschätzung nach nicht möglich. „Wir brauchen schon ein paar Tage, um das zu schaffen“, gibt Mosler zu Bedenken. Was passiert aber, wenn das Baden in Frei- und Strandbädern dieses Jahr gar nicht erlaubt werde? „Wenn man den Menschen das Baden nicht ermöglicht, auch in einem kontrollierten Rahmen, dann wird das Baden an wilden Plätzen zunehmen“, sagt Mosler. Dort steige dann nicht nur die Gefahr einer Infektion, sondern das wilde Baden könnte auch ein verstärktes Müllproblem mit sich bringen.

Das Strandbad in Ludwigshafen ist fit für den Sommer

Davide Ribaudo, Pächter des Strandbades in Ludwigshafen, beschreibt die aktuelle Situation in seinem Betrieb ähnlich wie seine Kollegen. „Wir bereiten uns wie in den 15 Jahren zuvor ganz normal auf den Sommer vor.“ Auch wenn sein Bad auf Anordnung der Bundesregierung erst einmal nach den Regeln von Bund und Ländern geschlossen bleiben muss. Seit zwei Monaten sei er dabei, das Strandbad für den Sommer fit zu machen. „Wir halten alles in Stand und sind betriebsbereit“, betont Ribaudo.

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Dazu gehöre auch ein Konzept, das ein Öffnen unter verschärften Sicherheitsbedingungen ermögliche. Auch in Ludwigshafen wurden Spuckschutze installiert, Spender für Desinfektionsmittel aufgestellt und auf den Sicherheitsabstand hingewiesen. Zudem wurde ein elektronischer Zähler, der die Besucherströme koordinieren kann, installiert. „Die Badeaufsicht ist hier, das Servicepersonal steht bereit. Es wäre schön, wenn es jetzt losgehen könnte“, so Ribaudo. Allerdings rechne er erst mit einer Öffnung, wenn die Infektionszahlen weiter sinken werden.