Während die Kommunen in Baden-Württemberg immer lauter finanzielle Unterstützung fürs laufende Geschäft fordern, hat das Land nun immerhin die erste Tranche aus dem Denkmalförderprogramm 2020 vergeben. Im Landkreis Konstanz sollen dabei drei Projekte gefördert werden: in Radolfzell die Sanierung der Gartenmauer, in Ludwigshafen die der Friedhofsmauer und in Hegne die Restaurierung des Turms der Klosterkirche. Während letztere Arbeiten bereits begonnen haben, gibt es in den anderen beiden Kommunen noch Fragezeichen, wann die Sanierungsmaßnahmen beginnen oder überhaupt umgesetzt werden können.

Radolfzell ist unsicher wegen Sanierung

Radolfzell wird ein Zuschuss von 45 620 Euro zugesagt für die weitere Sanierung der sogenannten Gartenmauer beim Höllturm und des Pulverturms. Doch ob die Stadt dies bald schon machen wird, ist offenbar ungewiss. Pressesprecherin Nicole Stadach erklärt auf Nachfrage: „Der Beginn der Arbeiten ist weiterhin nicht bestätigt. Im aktuellen Haushalt sind keine Mittel für diese Maßnahme bereitgestellt.“ Die Gesamtkosten beziffert sie mit rund 357 000 Euro. Die Stadt müsste also 311.400 Euro allein stemmen. Angesichts der zu erwartenden finanziellen Einbußen durch die Corona-Krise nicht gerade wenig.

Die Stadt hatte bereits von Sommer 2015 bis Oktober 2017 in drei Bauabschnitten Teile der Gartenmauer saniert. Der vierte Sanierungsabschnitt steht also schon länger an. Zumal es ein Baudenkmal zentral in der Stadt ist, wie Stadach erklärt: „Die vorhandenen Schäden sind in erster Linie dem starken, jahrelangen Efeubewuchs geschuldet. Dieser hat zu empfindlichen Störungen im Mauerwerkgefüge geführt. Teilweise fehlende Mauerabdeckungen haben zudem zu Frostschäden durch eindringendes Wasser geführt. Seit einigen Jahren werden zunehmend Schäden an der Oberfläche des weichen Sandsteins sowie an den Kronen der Mauern sichtbar.“

Diesen Teil der Grabenmauer hat Radolfzell bereits saniert.
Diesen Teil der Grabenmauer hat Radolfzell bereits saniert. | Bild: Zoch, Thomas/Stadt Radolfzell

Bodman-Ludwigshafen will alte Baufehler ausbessern

Eher verhalten erfreut fällt auch in Bodman-Ludwigshafen die Reaktion auf die Zuschusszusage aus. Die Gemeinde soll vom Land 31.620 Euro für die Sanierung der Friedhofsmauer in Ludwigshafen erhalten. Bürgermeister Matthias Weckbach betont: „Wir haben mit 80.000 Euro gerechnet.“ Die jetzt gewährte Förderung mache nach aktuellem Stand nicht einmal zehn Prozent der Kosten aus, denn die Schätzung liege bei 360.000 Euro.

Die Sanierung der Friedhofsmauer in Ludwigshafen wird vom Land weniger unterstützt, als es die Gemeinde erhofft hatte. Neben den Reparaturen soll sie auch nach rechts ergänzt werden, wo es momentan keine Mauer zur B 34 hin gibt.
Die Sanierung der Friedhofsmauer in Ludwigshafen wird vom Land weniger unterstützt, als es die Gemeinde erhofft hatte. Neben den Reparaturen soll sie auch nach rechts ergänzt werden, wo es momentan keine Mauer zur B 34 hin gibt. | Bild: Löffler, Ramona

„Die Sanierung der Mauer ist unwahrscheinlich teuer“, erklärt Weckbach. Und: „Das ist natürlich alles Handarbeit.“ Die runden Findlingssteine müssten neu in die Mauer eingepasst werden. Es müssten zudem Fehler von früheren Sanierungen in den 1950er- und 1960er-Jahren behoben werden, wo falsche Materialien verwendet worden seien. Und es gelte das Problem von aufsteigender Nässe im Mauerwerk in den Griff zu bekommen, so Weckbach.

Auch die Autos auf B34 schädigen Friedhofsmauer

„Es ist höchste Zeit, etwas zu machen“, meint der Bürgermeister. Zumal die Friedhofsmauer weiteren Schaden genommen habe, als die Gemeinde in sechs Meter Tiefe unter der Mauer eine große Rohrleitung durchs Erdreich getrieben habe, weil man den Mühlbach hochwassersicher ausbauen und umlegen wollte. Zudem gebe es durch die direkt daneben verlaufende B 34 Erschütterungen durch den Verkehr.

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Im Idealfall solle die Sanierung noch in diesem Jahr gemacht werden, erklärt der Bürgermeister. Die Arbeiten seien bereits ausgeschrieben. Und sollten die Kosten deutlich über der Schätzung liegen, müsse man die Maßnahme wohl aufschieben. Wenn es im Kostenrahmen bleibe, könne sich die Gemeinde das aber schon leisten, meint Weckbach: „Wir haben Finanzierungsengpässe durch die Corona-Krise. Aber wir haben in den vergangenen Jahren eine gute Liquidität angesammelt.“

In Hegne haben die Sanierungarbeiten schon begonnen

Am meisten vom Land bedacht wird das Kloster Hegne. Für die Sanierung von Glockenstuhl, Dach und Turm der Klosterkirche St.Konrad bekommen die Schwestern einen Zuschuss in Höhe von 73.540 Euro. Die Provinzoberin Schwester Maria Paola Zinniel beziffert die Gesamtkosten mit circa 450.000 Euro. Pressesprecherin Julia Pryss erklärt: „Diese hohen Kosten sind durch die Vorgaben des Denkmalschutzes bezüglich der Art der Ziegel und des damit hohen zeitlichen Aufwands für die neue Eindeckung des Kirchendaches mit verursacht.“

Die Sanierung am Kirchturm des Klosters Hegne hat schon begonnen.
Die Sanierung am Kirchturm des Klosters Hegne hat schon begonnen. | Bild: Zoch, Thomas

Die rund 100 Jahre alten, historischen Ziegel müssten auf ihre Tauglichkeit kontrolliert und nach Möglichkeit wieder verwendet werden. Die Arbeiten in Hegne laufen bereits. Neben der Neueindeckung des Daches gehe es darum, die Blechkuppel des Kirchturms und die Glockenaufhängung in Stand zu setzen, so Pryss. Die Umhängung der Glocken von einer Stahl- auf eine Holzkonstruktion sei von der Glockeninspektion des Erzbistums Freiburg vorgegeben worden. „Wenn alles gut geht, können die Glocken wieder zu den Pfingstfeiertagen geläutet werden“, so Pryss.

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