Es kam so, wie es die meisten Beobachter des Wahlkampfes vermutet hatten: Keiner der fünf Kandidaten übersprang bei der gestrigen Wahl des Oberbürgermeisters die notwendige 50-Prozent-Hürde. Nun kommt es in drei Wochen, am Sonntag, den 18. Oktober, zum großen Finale. Bei dieser Wahl reicht dann die einfache Mehrheit aus, um den wichtigsten Posten der Stadt Konstanz für acht Jahre einnehmen zu dürfen. Wie viele Kandidaten zur zweiten Wahl antreten werden, wird sich in den kommenden Tagen heraus kristallisieren – lediglich Jury Martin hat noch am Abend seinen Rückzug erklärt. Erfreulich hoch war die Wahlbeteiligung: 55,8 Prozent der rund 67 000 Wahlberechtigten machten ihr Kreuzchen.

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Pantisano als Gewinner des Abends

Und trotzdem gab es natürlich einen Gewinner des Abends, auch wenn der Erfolg nicht zum ganz großen Wurf ausreichte – aber immerhin ist er ein deutlicher Fingerzeig in Richtung zweite Wahl: Herausforderer Luigi Pantisano holte die meisten Stimmen, gefolgt von Amtsinhaber Uli Burchardt, Andreas Hennemann, Andreas Matt und Jury Martin (siehe Grafik rechts).

Lugi Pantisano und Kreuzlingens Stadtpräsident Thomas Niederberger.
Lugi Pantisano und Kreuzlingens Stadtpräsident Thomas Niederberger. | Bild: Timm Lechler

So verlief der Abend

Als um kurz nach 18 Uhr die ersten Stimmen ausgezählt waren, lag Uli Burchardt vor Luigi Pantisano, Andreas Hennemann, Andreas Matt und Jury Martin. Nach drei von 44 Ergebnissen hatten 43 Prozent der Wähler ihr Kreuzchen hinter dem Namen des Amtsinhabers gemacht. Nun entwickelte sich ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen. Wobei auch recht schnell klar wurde, dass die absolute Mehrheit ein Wunschtraum bleiben würde. Nach sechs Wahlbezirken, die Uhr zeigte 18.45 Uhr, hatte Luigi Pantisano plötzlich die Nase vorne gegenüber Uli Burchardt: 40,3 zu 33,2. Die übrigen drei Kandidaten hatten zu diesem Zeitpunkt bereits mindestens 27 Prozentpunkten Rückstand und sollten keine Rolle mehr spielen.

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Amtsinhaber Uli Burchardt im Bodenseeforum.
Amtsinhaber Uli Burchardt im Bodenseeforum. | Bild: Scherrer, Aurelia

Der Zweikampf nahm seinen Lauf

Die Stimmen der Briefwähler waren jedoch noch nicht berücksichtigt, zunächst wurden die Stimmen der Urnenwahl, die gestern abgegeben wurden, ausgezählt. Und doch: Der erwartete Zweikampf an der Spitze nahm seinen spannenden Lauf. Wahlbezirk für Wahlbezirk wurde ausgezählt – und der Erfolg für Luigi Pantisano nahm zunehmend Gestalt an. Nach zwölf Wahlbezirken baute Luigi Pantisano um 19.20 Uhr seine Führung aus: 42,4 zu 30,5 war der Zwischenstand. Der Mann aus Stuttgart, unterstützt von den Grünen, der Linken und dem Jungen Forum, pirschte sich heran an die 50-Prozent-Marke. Doch noch waren erst rund ein Viertel der Bezirke ausgezählt. Und auch sein Vorsprung schrumpfte wieder und pendelte sich irgendwann auf drei, vier Prozentpunkte ein.

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Frustrierte Miene: Andreas Matt.
Frustrierte Miene: Andreas Matt. | Bild: Timm Lechler

Thomas Keck, Vorsitzender des Stadtsportverbandes und somit Vertreter von rund 30 000 Vereinsmitgliedern, freute sich gestern Abend über einen Aspekt der Wahl: „Der Sieger heißt in meinen Augen Demokratie“, erzählte er mit Blick auf den Ausgang. „Ich bin gespannt, wie sich die beiden Kandidaten in Sachen Sport positionieren werden.“ Er geht davon aus, dass der größte Verband der Stadt, nämlich der Stadtsportverband, auch in Zukunft den Stellenwert erhält, den er verdient.

„Stärkung des Umweltschutzes und des ökologischen Gedankens“

Für den langjährigen Umwelt- und Klima-Aktivisten Marco Walter zeigt das Ergebnis vor allem eines: „Diese Wahl bedeutet die Stärkung des Umweltschutzes und des ökologischen Gedankens als Schwerpunkt“, sagte er. „Entscheidend war für mich, dass der OB mit seiner Stimme gegen Klimaneutralität 2030 stimmte. Das war ein Kippmoment. Seinen Wahlslogan von 2012, ‚Nachhaltigkeit als grüne Linie‘, füllte er nicht komplett mit Leben, da hätte mehr laufen müssen. Seine Politik mit dem Fahrradverkehr war stark, doch er zeigte klare Defizite.“

Er zieht seine Kandidatur nach der gestrigen Wahl wegen Aussichtslosigkeit zurück: Jury Martin.
Er zieht seine Kandidatur nach der gestrigen Wahl wegen Aussichtslosigkeit zurück: Jury Martin. | Bild: Timm Lechler

„Ich befürchte eine Öko-Diktatur“

Peter Kolb vom Sporthaus Gruner verfolgte den Live-Ticker des SÜDKURIER. „Ich hatte genau mit diesem Ergebnis und mit dieser Reihenfolge gerechnet“, sagte er zu später Stunde. „Das ist wirklich keine Überraschung.“ Er persönlich habe Probleme mit Rechts und Links, „denn ich habe gelernt, dass es kein schwarz und kein weiß gibt, sondern nur Grautöne. Ich befürchte eine Öko-Diktatur, denn die hätte negative ökonomische Folgen“. Er sei nicht gegen den Klimaschutz und es gebe in Konstanz keine Klimawandel-Leugner, „doch das Ökologische und das Ökonomische muss zusammen passen“. Handelsverband und Dehoga veranstalten am Donnerstag eine Podiumsdiskussion, „und da dürfen uns die Herren erzählen, wie sie ihre Luftschlösser finanzieren wollen. Wunsch und Wirklichkeit liegen weit auseinander“.

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„Ein gutes Zeichen für die Demokratie“

Galerist Stephan Geiger hob die Wahlbeteiligung hervor. „Das ist erfreulich und ein gutes Zeichen für die Demokratie. Diesen Ausgang hatte ich so erwartet.“ Er als Vertreter der Kunst und der Kultur vermisste bei Luigi Pantisano eine Positionierung in diesem Genre, „er hart ganz eindeutig andere Schwerpunkte. Uli Burchardt hingegen hat zuletzt erkannt, dass Kunst und Kultur in einer Stadt wie Konstanz eminent wichtig sind“.

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