Familie Emminger-Laurenzana hat einen strikten Plan: Vater Patrick arbeitet zu 100 Prozent als stellvertretender Pflegedienstleiter bei der Caritas, Mutter Margherita dort zu 60 Prozent als Pflegefachkraft. Und zwar von Freitag bis Montag, ein gemeinsames Familienwochenende gibt es kaum.

Eigentlich würde Margherita Laurenzana gern auch unter der Woche arbeiten können, doch die Familie ging bei der Kitaplatzvergabe ab September für ihre zweieinhalbjährige Tochter Mia leer aus.

Die Familie ist enttäuscht

„Anfangs haben wir versucht, dass ich auch unter der Woche arbeite“, erzählt die 39-jährige Mutter. „Ich hatte tagsüber Mia, habe sie dann dem Papa ins Büro gebracht und um 15.15 Uhr zu arbeiten begonnen. Meine 16-jährige Tochter Angelina habe ich fast gar nicht gesehen, weil sie bis halb vier Schule hat. Und mein Mann musste die nicht erledigte Büroarbeit abends zu Hause nachholen. Das haben wir genau vier Wochen lang durchgehalten.“

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Die Caritas komme der Familie bei der Organisation ihres Alltags sehr entgegen, so Margherita Laurenzana. Dennoch hofft sie nun darauf, in der zweiten Runde des Kitaplatz-Vergabeverfahrens berücksichtigt zu werden.

Es gibt noch Chancen auf eine Zusage

Alfred Kaufmann, Leiter des Konstanzer Sozial- und Jugendamts, sagt: „Die Chance, noch eine Zusage zu erhalten, ist für bislang leer ausgegangene Familien nicht unerheblich.“ Das heißt in Zahlen: 2019 wurden 116 Plätze im Nachrückverfahren belegt.

Für das neue Kindergartenjahr ab September gab es 1288 Vormerkungen (732 für unter Dreijährige und 556 für über Dreijährige) für etwa 600 freie Plätze. In der ersten Runde verschickte die Stadt 720 Zusagen. „Über die Hälfte der Kinder ist also versorgt“, so Kaufmann.

Die andere Hälfte eben noch nicht, aber das Verfahren geht nach den Pfingstferien in die zweite Runde und im Herbst in die dritte. Abgelehnte Plätze werden dann neu vergeben. Eltern verzichten zum Beispiel auf eine Zusage, wenn sie wegziehen, sich eine andere Kita als die zugeteilte wünschen, nur einen Halbtagsplatz statt Ganztag bekamen oder aus Angst vor Corona. „Da ist erfahrungsgemäß noch Bewegung drin“, sagt der Amtsleiter.

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Doch in diesem Jahr weniger als sonst: Durch die schrittweise Vorverlegung des Einschulungsstichtags von Ende August auf Ende Juni bleiben bis zum Schuljahr 2022/23 pro Jahr rund 50 Kinder mehr im Kindergarten. „Außerdem wechselt nun ein geburtenschwacher Jahrgang in die Schule, während drei geburtenstarke nachrücken“, erläutert Rüdiger Singer, zuständig für die Jugendhilfeplanung der Stadt.

Eltern kritisieren das Verfahren

Das alles ist auch Lena Drath bekannt. Sie hatte für ihre Tochter, die im Oktober drei Jahre alt wird, einen Halbtagsplatz beantragt und eine Absage erhalten. „Da einige Eltern, deren Kinder vor meiner Tochter drei werden, ebenfalls leer ausgingen, mache ich mir keine Hoffnung auf das Nachrückverfahren“, sagt sie.

Alfred Kaufmann bestätigt: Dieses Jahr erhielten zunächst alle Kinder einen Halbtagsplatz, die bis Juli drei Jahre alt werden. Überhaupt ist die Lehrerin unzufrieden: „Ich finde den verstärkten Platzausbau für die Kleinsten und dadurch die Vernachlässigung der über Dreijährigen falsch.“

Denn ein Krippenkind könne eher noch von Großeltern oder Spielgruppen betreut werden oder die Eltern müssten zur Not ihre Elternzeit verlängern. „Aber ein über dreijähriges Kind sollte im Kindergarten gefördert werden“, meint Lena Drath.

Dazu sagt die Stadt: „Es besteht sowohl bei der Krippen- als auch bei der Kindergartenbetreuung ein Rechtsanspruch. Wo es Mischformen gibt, bieten wir in erster Linie den Dreijährigen einen Platz an.“

„Wir machen weiter, bis jedes Kind einen Platz hat“

Überhaupt, der Rechtsanspruch auf Betreuung: Er besteht zwar, doch die Stadt kann ihn nicht einlösen. „Obwohl wir in Baden-Württemberg die zweitbeste Versorgungsquote haben“, sagt Rüdiger Singer. Nur einmal klagte ein Elternpaar, verlor aber.

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„Wir können ja nachweisen, dass wir alles tun, um den Mangel zu beseitigen“, sagt Alfred Kaufmann und erläutert: „Seit 13 Jahren bauen wir an Kitas an und errichten neue Gebäude. Und wir machen weiter, bis jedes Kind einen Platz hat.“

Anwohner verzögern Eröffnung des Waldkindergartens

Doch zum September kommen in diesem Jahr keine Kapazitäten dazu: Der Bau einer Krippengruppe in der Chérisy sei durch Corona in Verzug, sagt der Amtsleiter. Und der neue Waldkindergarten in Allmannsdorf kann wegen Anwohnerprotesten nicht wie geplant im Herbst in Betrieb gehen, soll aber spätestens Anfang 2021 starten. „Weitere Projekte sind in der Schublade, aber noch nicht spruchreif“, sagt Kaufmann.

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Das alles hilft Lena Drath und den anderen Eltern nicht. „Bis diese Plätze da sind, geht mein Kind in die Grundschule“, sagt die Mutter. Und auch die Eltern mit Zusage müssen mit einer gewissen Unsicherheit rechnen: Alle Plätze wurden unter einem „Corona-Vorbehalt“ vergeben. „Wir wissen ja nicht, wie die Lage im Herbst und Winter ist“, sagt Alfred Kaufmann.

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