Der siebenjährige Andy kann sich nur mit Mühe zum Lernen zu Hause aufraffen, während seine Brüder Luca und Felix auf dem Boden spielen und immer wieder streiten. Mutter Mihaela Homana muss parallel zu Hause arbeiten.

So ging es der Familie wochenlang, bis die drei Kinder einen Platz in der Notbetreuung erhielten. „Das ist ein Segen“, sagt Homana. „Nur leider haben längst noch nicht alle Familien eine Betreuung. Wir wollen endlich Normalität“, fordert die dreifache Mutter.

Lange keine Normalität

Doch die wird es auch nach dem 14. Juni nicht geben, wenn die aktuelle Kita-Corona-Verordnung des Landes endet. Zwar kündigte die Regierung eine „vollständige Öffnung der Kitas bis Ende Juni“ an, doch Alfred Kaufmann ist skeptisch.

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„Ich kann mich nicht für die Eltern und Kinder freuen, weil die Regierung erneut falsche Hoffnungen schürt“, sagt der Leiter des Konstanzer Sozial- und Jugendamts. „Auch nach dem 30. Juni kann man nicht von einem Kitabetrieb wie vor Corona ausgehen – es sei denn, wir werfen jegliche Hygieneregeln über Bord.“

Unklar, welche Regeln gelten

Auch für die Experten ist noch nicht klar, wie das Land sich die weitere Öffnung vorstellt. Daher wandte sich Oberbürgermeister Uli Burchardt nun mit einem Brief an Kultusministerin Susanne Eisenmann und stellte im Auftrag des Sozial- und Jugendamts die entscheidenden Fragen: Werden ab Ende Juni alle Kinder betreut werden können oder gibt es weiterhin eine Begrenzung der Platzzahlen? Darf es auch künftig keine Durchmischung der Gruppen geben? Müssen die Erzieher den Gruppen fest zugeordnet bleiben oder sind flexiblere Lösungen möglich? Gelten Abstandsregeln beim Essen? Dies alles ist nicht geklärt.

Bei einem Frühstück vor wenigen Wochen im Kinderhaus am Salzberg. Zwischenzeitlich sind erheblich mehr Kinder in der Notbetreuung, doch das reicht vielen Eltern noch nicht.
Bei einem Frühstück vor wenigen Wochen im Kinderhaus am Salzberg. Zwischenzeitlich sind erheblich mehr Kinder in der Notbetreuung, doch das reicht vielen Eltern noch nicht. | Bild: Kirsten Astor

Die Stadt macht der Landesregierung außerdem zwei Vorschläge: Erstens sollten Geschwisterkinder bei der Berechnung der 50-Prozent-Obergrenze bei den Plätzen als nur ein Kind zählen. Dadurch würden die Infektionsketten nicht erweitert, aber zusätzliche Kinder erhielten einen Platz.

Und zweitens könnten Kinder, die bislang in der Notbetreuung und somit bevorzugt waren, nun auch in ein rollierendes System eingebunden werden. Konkrete Lösungen könnten mit den Eltern erarbeitet werden, die oft große Solidarität füreinander aufbrächten.

Gesamtelternbeirat: Längst überfällig

Der Konstanzer Kita-GEB hält die Ankündigung weiterer Öffnungen für wichtig und überfällig, formuliert aber auch klar: „Wir verbinden damit die Erwartung, dass jetzt an einer neuen Corona-Verordnung gearbeitet wird, die es ermöglicht, dass wirklich alle Kinder wieder betreut werden können.“

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Auch die Konstanzer Grünen-Landtagsabgeordnete Nese Erikli begrüßt weitere Lockerungen. „Unsere Fraktion hat den Druck auf die Ministerin erhöht, denn es war nicht mehr erklärbar, dass Biergärten öffnen, Kitas und Schulen aber nicht“, sagt sie. Frau Eisenmann habe nicht immer eine gute Figur abgegeben, so Erikli. „Kinder brauchen Kinder und Familien Planungssicherheit.“ Sie sei gespannt, welche konkreten Pläne die Ministerin nun vorlegt.

Der Betrieb bis Mitte Juni

Das Sozial- und Jugendamt suchte mit den Kitaleitungen Lösungen, damit trotz aller offenen Fragen auch jetzt schon so viele Familien wie möglich von einer Betreuung profitieren.

„Vier von zehn städtischen Einrichtungen können seit einigen Tagen 100 Prozent ihrer Familien ein Angebot machen, auch wenn manche Kinder nur wenige Stunden in der Woche kommen können“, sagt Sabine Haag, bei der Stadt für die Kindertagesbetreuung zuständig. Die anderen städtischen Kitas erreichten Versorgungsgrade bis 70 Prozent, je nach Platz und Personal.

Personalmangel verschärft sich

Der auch schon vor Corona vorhandene Personalmangel verstärke sich nun, da auch einige Erzieher zur Risikogruppe zählen. „Die Eltern sind überwiegend sehr glücklich, auch wenn ihr Kind nur an einem Nachmittag in der Kita ist“, so Haags Erfahrung. Für die freien Träger berichtet Joachim Krieg vom Sozial- und Jugendamt Ähnliches.

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Amtsleiter Alfred Kaufmann spricht den Erziehern ein großes Lob aus: „Sie arbeiten sehr engagiert unter völlig veränderten Bedingungen und hätten eine Auszeit verdient. Aber es wäre unfair, die Eltern jetzt im Regen stehen zu lassen“, ergänzt er mit einem Seitenhieb auf die Forderung der Lehrer nach Erholung und ihrer Absage, in den Pfingstferien eine Notbetreuung in den Schulen anzubieten.

Gesundheitsschutz höchstes Gebot

Bei allen Überlegungen spiele der Gesundheitsschutz die wichtigste Rolle, sagt Alfred Kaufmann. Daher appellieren er und der Kita-GEB an das Verantwortungsbewusstsein der Eltern: „Halten Sie sich bitte auch auf dem Spielplatz und woanders an die Abstands- und Hygieneregeln.“ Sein Kollege Rüdiger Singer, Leiter der Konstanzer Jugendhilfeplanung, formuliert es so: „Das Virus kommt nie aus einer Kita heraus, sondern es wird in sie hineingetragen.“

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