„Wir rechnen nun mit Frühjahr 2021“, sagt Robert Grammelspacher, Geschäftsführer der Bädergesellschaft Konstanz. Dann fügt er an: „Wir mussten unseren Bauzeitenplan erneut ändern. Dies ist nun der zwölfte und soll auch der letzte sein.“ So viele neue Zeitpläne zu erstellen, sei für Bauwerke dieser Größenordnung normal, andere Projekte hätten sogar 30.

„Die geplante Bauzeit von 20 Monaten war ambitioniert“

Aber ist auch eine Eröffnung rund eineinhalb Jahre nach dem ursprünglich anvisierten Termin normal? Dazu sagt Arnold Wild, Architekt bei den Konstanzer Stadtwerken und Projektsteuerer: „Auch hier gilt: Andere Großprojekte geraten noch viel mehr in Verzug. Aber ich gebe zu: Die einst geplante Bauzeit von 20 Monaten war schon sehr ambitioniert.“

Die beiden Experten erklären die Verzögerungen so: Erst habe es Probleme mit dem Erdaushub gegeben, außerdem dauerte allein der Rohbau sieben Monate länger als geplant. Die komplexe Geometrie des Bades bringe außerdem viele Firmen an den Rand ihrer Möglichkeiten.

Bild: Lukas Ondreka

„Schauen Sie sich das Dach an“, sagt Arnold Wild. „Wir haben viele unterschiedliche Höhen und Winkel. Und bei der Auskragung [dem Dachüberhang, Anm.d.Red.] unterscheiden sich alle Träger rund um das Bad voneinander, jeder ist unterschiedlich lang und muss einzeln gezeichnet und geschweißt werden. Das ist echte Handarbeit.“

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Viele Gewerke wie der Holz-, Stahl- und Fassadenbau hätten die Komplexität der Architektur unterschätzt. Ein Stahlbauer kam sogar so sehr in Verzug, dass er ganz absprang. Ein Rad greift ins andere, und schon gerät die Maschinerie ins Stocken.

In fast zehn Metern Höhe zeigt Bädergesellschaft-Geschäftsführer Robert Grammelspacher (Mitte) das kompliziert geplante Dach mit unterschiedlichen Höhen und einigen Winkeln. Rechts im Bild Projektsteuerer Arnold Wild.
In fast zehn Metern Höhe zeigt Bädergesellschaft-Geschäftsführer Robert Grammelspacher (Mitte) das kompliziert geplante Dach mit unterschiedlichen Höhen und einigen Winkeln. Rechts im Bild Projektsteuerer Arnold Wild. | Bild: Kirsten Astor

Dazu komme die florierende Baukonjunktur, sagt Arnold Wild: „Die Firmen haben keine Zeit beziehungsweise sie können sich aussuchen, wo sie arbeiten. Dass wir leider nur zwei Konstanzer Firmen unter den 30 Gewerken haben, weil es Unternehmen in der benötigten Größe hier nicht gibt, macht es nicht einfacher. Denn die anderen kommen aus ganz Deutschland und neigen dazu, erst einfachere Projekte in ihrer Nähe fertigzustellen.“

„Eine Bauablaufstörung kann man auch provozieren“

Die Arbeitseinstellung so manches Unternehmens trage ebenfalls zum Zeitverzug bei: „Eine Bauablaufstörung kann man auch provozieren“, sagt Arnold Wild. „Ich will nicht sagen, dass alle Handwerker böse sind, aber manchmal doch erfinderisch.“ Der Bädergesellschaft bleibe dann nur die Option der Mahnung oder Kündigung, doch hier seien Fristen einzuhalten. „Und schon gehen wieder sechs Wochen ins Land“, so Arnold Wild.

Künftige Bad-Nutzer wie der Schwimmverein Sparta, die DLRG, das Rote Kreuz oder die Universität hätten sich gewünscht, endlich im neuen Bad trainieren zu können. Doch nun wird im Winter erneut die Traglufthalle über dem Schwimmerbecken der Therme aufgebaut.

Die Traglufthalle in der Bodensee Therme kommt im Herbst wieder zum Einsatz.
Die Traglufthalle in der Bodensee Therme kommt im Herbst wieder zum Einsatz. | Bild: Oliver Hanser/Archiv

Dazu sagt Robert Grammelspacher: „Wir machen viele Baustellenführungen mit den genannten Nutzern und erleben dabei, wie begeistert sie vom Bad sind. Bislang erhalten wir nur Rückenwind.“ Und weiter: „Ich wäre momentan froh, wenn wir überhaupt irgendwo schwimmen dürften“, sagt der Bäderchef. „Schließlich gab es das seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr, dass alle Bäder geschlossen werden mussten.“

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