Diese Aussage überraschte: Uli Burchardt (CDU) geht mit der Idee an die Öffentlichkeit, das Amt des Oberbürgermeisters zu teilen. Er wolle sich für eine entsprechende Änderung der Gemeindeordnung einsetzen. Denn würden die Aufgaben geteilt, könnte die Position familienfreundlicher werden und vielleicht auch verstärkt Frauen zur Bewerbung motivieren.

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Auch seitens der Herausforderer des Oberbürgermeisters gab es unerwartete Vorschläge und Antworten in der Debatte mit dem GEB. Luigi Pantisano (Linke) regte an, Mädchen in die Planung von Plätzen einzubeziehen. Denn viele Angebote seien von Männern für Männer gestaltet.

„Vielleicht liegt es an der Konstanzer Vetternwirtschaft“

Andreas Hennemann (SPD) schlägt Kombinationsmodelle vor, um Schulkinder mit Mittagessen zu versorgen. Sie könnten beispielsweise auch in Seniorenreinrichtungen essen. So würden auch noch neue Möglichkeiten zur Begegnungen zwischen Alt und Jung entstehen.

Der parteilose Kandidat Andreas Matt will sehen, ob sich ein Kindergartenplatz nicht auch zwei Kinder teilen können, weil sie den zu unterschiedlichen Zeiten benötigen. Und Jury Martin, ebenfalls parteilos sagt auf die Frage, wie er einem Kind erklären würde, dass sich in Konstanz keine Frau als OB bewirbt: „Vielleicht liegt es an der Konstanzer Vetternwirtschaft.“

Wie lauten die Ideen der Kandidaten für Eltern und Kinder?

Uli Burchardt, der Partnerin und drei Töchter in einer Patchworkfamilie hat, verwies auf die Erfolge in seiner Amtszeit als OB, in der fast 40 Millionen Euro in Kitas gesteckt wurden und fast 50 Millionen Euro in Schulen. Kinder und Kinderbetreuung hätten Priorität gehabt, und sollten dies auch künftig haben. Heute decke trotz aller Bemühungen das Angebot den Bedarf an Betreuungsplätzen nicht. Man arbeite aber daran, dies zu ändern.

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Er wolle sich für zwei weitere Großspielplätze in der Stadt einsetzen, für die schnelle Realisierung des Baus der Suso-Sporthalle und für einen Umbau des Bodensee-Stadions zur Multifunktionsfläche für Sport, Kultur und Freizeit. Dazu sollten die Sperrzäune fallen. Er sprach sich auch für Spielplatzräume (Indoor-Anlagen) aus. Diese seien zwar kommerziell, würden aber gern genutzt. Für Familien seien auch bezahlbare Wohnräume wichtig.

Luigi Pantisano, zwei kleine Kinder und verheiratet mit einer Erzieherin, will öffentliche Flächen attraktiv machen für Bürger im Alter zwischen 14 und 18 Jahren. Diese Gruppe dürfen nicht ständig herumgeschoben werden. Für sie reichten die Angebote im Jugendzentrum und anderen Jugendtreffs nicht aus. Er verfolge zudem das Ziel: „Jedes Kind soll schwimmen lernen.“

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Sichere Gehwege gehörten ebenso zu seiner Familienpolitik wie das Schaffen bezahlbaren Wohnraums. Auch sein Ziel, Konstanz bis 2030 klimaneutral zu machen, sei ein Baustein für die Zukunft der Kinder. Pantisano möchte mehr Erzieher nach Konstanz holen, in dem die Stadt einen Zuschuss von 200 Euro zahlt, als Ausgleich für die hohen Mieten.

Andreas Hennemann versteht sich auch in Familienfragen als Moderator, um gemeinsam mit den Betroffenen Lösungen zu erarbeiten. Er wolle die ganze Stadt im Blick haben. Die Plätze für Kinder unter und über drei Jahre seien gleichwertig zu betrachten. Um die Tagespflege zu stärken, würde er sie bei der Suche nach Räumen unterstützen und von bürokratischen Anforderungen entlasten. Zudem wolle er Betriebe motivieren, Kindertagesstätten zu errichten.

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Jury Martin will mehr Treffpunkte für Alt und Jung schaffen und Spätzünder unterstützen, die sich mit Mitte 20 noch weiterbilden wollen. Er selbst habe erst mit 23 Jahren seine Mittlere Reife gemacht und sich dann hochgearbeitet zum Studium und erfolgreichen Ingenieur. Er regt an, Erzieher schon einzustellen, bevor die neuen Kindertagesstätten fertig sind. So könne man sich rechtzeitig Fachkräfte sichern.

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Die vorsorglich engagierten „Kindergärtner“, er war der Einzige auf dem Podium, der diesen veralteten Begriff verwendete, sollten so lange die bestehenden Gruppen unterstützen, bis sie die neuen Gruppen übernehmen können. Jury Martin behauptet, die Stadt müsste nur mal alle möglichen Fördermittel abrufen, dann könnte sie viel mehr für junge Menschen machen. Uli Burchardt widersprach und lud Martin ein: „Gehen Sie in die Kämmerei und lassen Sie sich erzählen, wie die das machen. Die machen das gut!“

Andreas Matt, zwei Töchter, will eine einheitliche Kommunikationsplattform schaffen im Kinder- und Jugendbereich, damit die digitale Verständigung klappt, sollte es nochmals zu Einschränkungen wegen Corona kommen. Er möchte Unternehmer für Betriebskindergärten gewinnen und bei Ganztagsschulen dafür sorgen, dass diese als Lebensraum für Kinder gestaltet sind.

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Für die Nachmittagsbetreuung würde er gern Studenten einspannen, die dann für ihre Leistungen im Studium anrechenbare Punkte bekommen. So ein Dienst könne auch dazu beitragen, dass sich Stadt und Universität nicht ganz so fremd sind.

Was ist den Kandidaten bei der Schulentwicklung wichtig?

Andreas Matt erklärte dazu: „Ich bedaure, dass die Hauptschule abgeschafft wurde. Aus meiner Sicht wurde Bildung ungerechter.“ Auch der Beschluss, die Theodor-Heuss-Realschule zu schließen, gefalle ihm nicht. Wer nach Hegne blicke, sehe eine bestens funktionierende Realschule mit hohem Zulauf. Er spreche sich für Vielfalt in der Schullandschaft aus.

Luigi Pantisano betrachtet das dreigliedrige Schulsystem als ungerecht. Er sagt, er habe selbst alle Stufen darin durchlaufen. Die Gemeinschaftsschule sei die richtige Alternative. Bei der Ganztagsbetreuung in Grundschulen könne er sich zwei Modelle zur Wahl vorstellen. Die Ganztagsvollschule und für die Eltern zur Wahl die Grundschule mit der verlässlichen Betreuung über die Unterrichtszeiten hinaus.

Auch Andreas Hennemann will beides vorhalten. Es komme auf den „gesunden Mix“ der Angebote an, und den Bedarf. Diesen gelte es zu ermitteln.

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Jury Martin fragt, warum Schulen geschlossen werden, ohne dass neue Angebote bereit stehen. „Man weiß doch, dass die Plätze gebraucht werden.“ Er würde sich fließende Übergänge wünschen. Alle Kinder sollten die gleichen Bildungschancen bekommen, und entsprechend ihrer geistigen Fähigkeiten gefördert werden.

Auch Uli Burchardt sagt, für jedes Kind solle es eine passende Schulform geben. „Wir haben gute, konkrete und finanzierte Pläne, wie es weiter geht.“ Dass das Zoffingen geschlossen wurde, sei als Sonderfall einer Einrichtung zu werten, die keine Jungs aufnehmen wollte.

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