Im Januar hat die FSE GmbH aufgegeben. Zu ungewiss seien die Perspektiven gewesen, dass sie jemals noch zu dem Geld gekommen wäre, das ihr zugestanden hätte. Das sagt Verena Pagels, Prokuristin bei der Fläminger Stahl- und Energieelementebau. Die Firma kündigte den Auftrag, der die gesamten Stahlbauarbeiten beim Bau des Schwaketenbads umfasste.

Heißt das, dass das Schwaketenbad nicht pünktlich fertig wird?

Laut Robert Grammelspacher, Geschäftsführer der Bädergesellschaft Konstanz (BGK), nein. Es werde keine wesentlichen Verzögerungen geben, der Eröffnungstermin im Frühsommer 2020 könne eingehalten werden. Nach der Kündigung der Firma FSE habe die Bädergesellschaft die Arbeiten neu ausgeschrieben und eine andere Stahlbaufirma beauftragt. Einen erwähnenswerten Zeitverzug habe dies nicht bewirkt.

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Warum ist die Firma FSE aus dem Projekt ausgestiegen?

Im April 2018 begann FSE mit der Planung. Aus Sicht des Unternehmens sei es nicht möglich gewesen, eine sinnvolle Bauplanung vorzunehmen, da alle Unterlagen unvollständig gewesen seien. "Etwas später haben wir die geänderte Statik erhalten, dann mussten wir den Holzbauer berücksichtigen", sagt Verena Pagels.

Im Lauf der Zeit habe sie den Eindruck gewonnen, dass es nicht mehr möglich sein würde, mit dem Bau zu beginnen, da ständig weitere Unterlagen nachgereicht wurden.

Im Dezember kam es zum Krisengespräch zwischen FSE, der Bädergesellschaft und dem Architekturbüro. Die FSE-Geschäftführung habe ihre Erwartung ausgesprochen, dass die Bädergesellschaft ihre durch den Verzug entstandenen Mehrleistungen vergüte. Die Bädergesellschaft habe dies jedoch abgelehnt und die Positionen, die FSE anführte als "nicht überprüfbar" abgewiesen.

Schließlich entschloss sich die Firmenleitung, den Auftrag zu kündigen.

Was sagt die Bädergesellschaft dazu?

Die Darstellung der BGK fällt völlig anders aus. "Wir sind bei dem Gespräch im Dezember zu dem Schluss gekommen, dass die Firma FSE in Verzug ist", sagt Robert Grammelspacher, Geschäftsführer der BGK. Die Firma habe bis zu ihrer Kündigung im Januar nicht das geliefert, was gefordert gewesen sei.

Den Nachweis zu erbringen, dass dies im Verschulden der Firma liegt, fällt aber auch Grammelspacher schwer. Sämtliche Unterlagen würden auf einem zentralen Server gelagert. Der Architekt prüfe in bestimmten Abständen, ob die Unterlagen fristgerecht hochgeladen wurden. Es wäre aber viel zu aufwendig, die vielen Unterlagen aktuell rasch überprüfen zu wollen.

Die meisten Firmen können ihre Mehrkosten nachweisen, sagt die BGK – FSE angeblich nicht

Grammelspacher räumt ein, dass es beim Bau zu Verzögerungen gekommen ist, da der Rohbau später als vorgesehen fertig gestellt wurde. "Dies führte bei verschiedenen Firmen zu Mehrkosten, etwa bei der Materialbeschaffung", sagt er. "Meist erkennen wir diese Forderungen an und der Unternehmer bekommt vier Prozent zusätzlich".

Dahingehend wolle die Bädergesellschaft fair bleiben. Voraussetzung sei aber die korrekte Vorlage von Rechnungen. Dies habe die Firma FSE nicht eingehalten, "sie stellte Nachträge, die zum Teil nicht begründet oder zumindest nicht überprüfbar waren".

Wie geht es nun weiter und was kostet das alles?

Die Stahlbauarbeiten haben bis jetzt noch nicht begonnen. Laut der Firma FSE hätte der Stahlbau für das Schwaketenbad bereits im November 2018 montiert sein sollen.

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In zwei bis drei Wochen sollen die Arbeiten nun starten, die neue Stahlbaufirma sei sehr dynamisch, so Grammelspachers Eindruck. Die Kosten befänden sich immer noch im Rahmen des Nachtragsbudgets von 32 Millionen Euro.

Der Druck auf die Bädergesellschaft bleibt dabei weiterhin hoch. Der Baumarkt boomt, innerhalb weniger Monate können die Kosten für Baumaterialien stark ansteigen, zudem ist es schwierig, Firmen zu finden, die in kurzer Zeit Aufträge übernehmen können. Die entstandenen Mehrkosten würden allerdings durch günstigere Finanzierungskonditionen teilweise kompensiert, sagt der BGK-Chef.

Grammelspacher gibt sich weiter zuversichtlich: Das Richtfest wird am 7. Juni 2019 stattfinden und fertiggestellt sei das Bad dann etwa ein Jahr später.

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