1. Wie sehen zwei Wollmatinger Grundstückseigentümer ihre Chancen am Hafner?
    Werner und Mäx Kessler zählen zu jenen Konstanzer Familien, die Grundeigentum am Hafner besitzen. Den Brüdern sowie ihrer Mutter gehören zusammen mehrere Grundstücke, nach ihrer Aussage liegen zwei der Grundstücke im Zentrum des Planungsgebiets, andere am Rand. Die Brüder haben sich gründlich überlegt, wie sie mit der Situation umgehen wollen. „Wir möchten selbst bauen. Wir wollen einen Teil der Grundstücke verkaufen, um die Bebauung finanzieren zu können“, sagt Werner Kessler. Die Grundstücke jetzt bereits an die Stadt zu verkaufen, halten sie für keine gute Strategie, zumal niemand das Geld dringend braucht. Beide Brüder sehen es als langfristige Investition, Werner Kessler möchte die Zukunft seiner vier Kinder absichern.

  2. Welche Möglichkeiten haben die Eigentümer überhaupt?
    Die Grundstücksbesitzer haben zwei Möglichkeiten: Zum einen können sie ihr Grundstück an die Stadt verkaufen. Zum anderen haben sie die Möglichkeit, die Fläche selbst zu entwickeln, das heißt, das Grundstück – nach den Vorgaben des Architekturwettbewerbs – bebauen zu lassen. Das Gesetz sehe vor, dass die Stadt möglichst alle Flächen besitzen soll, betont Christoph Sigg, Leiter des Konstanzer Liegenschaftsamts. Konstanz habe sich aber vorgenommen, die Eigentümer und ihre Wünsche in den Entwicklungsprozess einzubeziehen.

  3. Wie viel von dem Gebiet gehört momentan der Stadt, wie viel ist Privateigentum?
    41 Prozent der Fläche sind aktuell in städtischem Eigentum, 59 in privatem. Der endgültige Umriss des Gebiets ist noch unklar. Im Moment spricht die Stadtverwaltung von einem Untersuchungsgebiet. Die genauen Grenzen des künftigen Stadtteils wird der Gemeinderat erst 2020 festlegen. Diese Karte (ein Screenshot aus dem Geoportal Baden-Württemberg) zeigt allerdings, wie kleinteilig die Flurstücke auf dem Hafner heute sind:
  4. Flurstücke im Gebiet Hafner in Konstanz-Wollmatingen (Screenshot von https://www.geoportal-bw.de)
    Flurstücke im Gebiet Hafner in Konstanz-Wollmatingen (Screenshot von https://www.geoportal-bw.de) | Bild: Geoportal Baden-Württemberg
  5. Wie hoch ist die Bereitschaft unter den Grundstücksbesitzern, zu verkaufen?
    Das sei schwer abzuschätzen, sagt Esther Schwytz, Abteilungsleiterin Liegenschaften im Liegenschaftsamt. „Es gibt jene, die abwarten und jene, die jetzt verkaufen wollen“. Gestartet sei die Stadt mit einem Eigenbesitz von 32 Prozent, ergänzt Projektleiter Lukas Esper, seither habe sich einiges getan. Die Zahl derer, die sich dem Gespräch komplett verweigern, sei gering. Daniel Groß, ein Ur-Wollmatinger, der inzwischen in Petershausen („im Exil“) lebt, sieht es noch etwas differenzierter: „Es gibt Eigentümer, die viel Fläche am Hafner und Kapital besitzen, sie werden mitentwickeln. Dann gibt es jene, die keinen Bezug mehr zu ihren Grundstücken haben. Sie freuen sich, dass die Flächen mehr wert sind als zuvor als Ackerland und werden verkaufen.“ Eine weitere Gruppe hänge an ihrem Grundstück und zögere.
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  7. Wie hoch liegen die Preise, zu denen Land verkauft werden kann, im Moment?
    Bisher hat die Verwaltung im Gebiet Hafner bei einer Voruntersuchung die Anfangswerte ermittelt. Diese liegen je nach Lage des Grundstücks bei 15 Euro pro Quadratmeter (Randlage), 25 Euro/Quadratmeter (Gewerbe) oder 98 Euro/Quadratmeter (Wohnen). Wie hoch die Endwerte in diesem Gebiet sein werden, könne man jetzt noch nicht sagen, da dies von der Planung im Gebiet abhängt, berichtet Anja Fuchs, Pressesprecherin bei der Stadtverwaltung.
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  9. Welche Befürchtungen gibt es von Seiten der Grundstückseigentümer?
    Grundsätzlich, so sehen es Mäx und Werner Kessler, bemühe sich die Stadt sehr um einen transparenten Entwicklungsprozess und sorge dafür, dass die Eigentümer regelmäßig und rechtzeitig über weitere Schritte informiert werden. Allerdings wisse im Moment noch niemand genau, wohin der Weg führe. „Wenn man selbst bauen will, muss man den ganzen Weg mitgehen. Es kommen dabei auf uns Erschließungs- und Planungskosten zu, die man jetzt noch nicht abschätzen kann.“ Wie viel sich also konkret an der Wertsteigerung des Grundstücks verdienen lasse, sei noch völlig offen. Eine andere Befürchtung betrifft unentschlossene Eigentümer. „Einige brauchen das Geld im Moment nicht, wissen aber auch nicht, ob sie die Bauentwicklungsmaßnahme mitmachen können“, erläutert Daniel Groß. Meist besitzen diese Eigentümer ein oder mehrere Landstücke, die etwa als Garten genutzt werden. Sie würden das Land als bleibenden Wert gern behalten, da Geld größeren Schwankungen ausgesetzt ist.
  10. Historische Ansicht: Dieses Bild wurde um 1970 von Hedwig Trummer vom Tabor aus aufgenommen mit Blick in Richtung Hafner-Nord. Viele Wollmatinger erinnern sich gern an das naturnahe, unbebaute Gebiet
    Historische Ansicht: Dieses Bild wurde um 1970 von Hedwig Trummer vom Tabor aus aufgenommen mit Blick in Richtung Hafner-Nord. Viele Wollmatinger erinnern sich gern an das naturnahe, unbebaute Gebiet | Bild: Archiv Daniel Groß
  11. Welche Befürchtungen hegen die Wollmatinger in Bezug auf den neuen Stadtteil?
    Die größte Befürchtung ist laut Daniel Groß die Angst, dass der Verkehr stark zunehmen könnte. Seit 50 Jahren bemühe sich die Bürgergemeinschaft Fürstenberg-Wollmatingen um eine Verkehrsberuhigung, sagt Daniel Groß. Nun habe man einige Verbesserungen erreicht – doch durch den Bau des Stadtteils Hafner drohe wieder deutlich mehr Verkehr Wollmatingen zu belasten. „Die L 221 soll drei Abfahrten zum Hafner bekommen – ich persönlich glaube nicht, dass das ausreichen wird“, sagt Groß. Zudem bedauerten viele Bewohner, das durch den Bau des Stadtteils ein Naherholungsgebiet für Wollmatingen verloren gehe.