Es wird das größte Wohnbaugebiet in Konstanz und soll ein Befreiungsschlag im angespannten Konstanzer Wohnungsmarkt sein: Auf dem Hafner im Nord-Westen der Stadt liegen viele Hoffnungen. Bislang gab es etliche Ideen, aber keine konkreten Entwürfe, wie es dort einmal aussehen könnte, wo jetzt überwiegend Ackerfläche ist. Doch der Sieger eines Planungswettbewerbs ist gekürt, damit nimmt der Hafner als Baugebiet Konturen an. Rund 200 Bürger haben sich das Ergebnis bei einer Veranstaltung angesehen.

Das Gebiet derzeit von oben, viele Grün- und Ackerflächen. Über das Instrument der städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme will die Stadtverwaltung noch weitere Grundstückseigentümer gewinnen. Sie Sie sollen ihr Land zur Verfügung stellen, erhalten dafür aber auch Gegenleistungen. Bild: Gerhard Plessing
Das Gebiet derzeit von oben, viele Grün- und Ackerflächen. Über das Instrument der städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme will die Stadtverwaltung noch weitere Grundstückseigentümer gewinnen. Sie Sie sollen ihr Land zur Verfügung stellen, erhalten dafür aber auch Gegenleistungen. Bild: Gerhard Plessing | Bild: Gerhard Plessing

Eine etwa 50-köpfige Jury, in der unter anderem der Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn, Vertreter der Fraktionen oder auch des Stadtseniorenrats saßen, hatte sich aus fünf Einsenden für einen Entwurf entschieden: "Er hat konsequent umgesetzt, was sich auch viele Bürger in den Bürgerveranstaltungen gewünscht haben", erklärte der Baubürgermeister.

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Entworfen hat ihn das Architekturbüro KCAP aus Rotterdam, das von Kees Christiaanse geleitet wird. Der Niederländer ist kein Unbekannter in der Architektur-Szene. Er hat die Hafencity in Hamburg entworfen oder die Europaallee in Zürich, leitet das Büro in Rotterdam, Shanghai und Zürich und ist Professor an der ETH in Zürich. Nun könnte er auch in Konstanz seine Spuren hinterlassen, in Zusammenarbeit mit den Überlinger Landschaftsarchitekten der Firma Ramboll Studio Dreiseitl.

Das haben sich die Planer überlegt

Es sind 2700 Wohneinheiten geplant: Ziel sei auch weiterhin ein Baubeginn im Jahr 2025, so Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn in einem Gespräch mit dem SÜDKURIER. Dann könnten in verschiedenen Bauabschnitten die 2700 Wohnungen entstehen. Der Entwurf sieht unterschiedliche Wohnformen vor, vom Reihen – bis zum Mehrfamilienhaus. Einfamilienhäuser oder Hochhäuser sind nicht vorgesehen, es soll maximal fünf Geschosse geben, im Durchschnitt drei bis vier Geschosse.

Das Quartier ist mit viel Grün durchzogen: Der Hügel des Hafners bliebe vorerst unbebaut, um ihn herum reihte sich die Bebauung ringförmig an. Die Architekten haben sozusagen einen "Hafner-Ring" kreiert. Jenseits des Hügels geht dieser Ring in ein grünes Band über. Dort könnten den künftigen Bewohnern Frei- und Spielflächen zur Verfügung stehen. Diese sollen die Bürger, so haben sich die Planer überlegt, später einmal selbst nach ihren Wünschen gestalten. Rund um das grüne Band sind im Entwurf soziale Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten und ein Pflegeheim vorgesehen. Fahrradweg und öffentlicher Nahverkehr ergänzen die grüne Lunge des neuen Stadtviertels. Wichtig war den Architekten von KCAP, ein behutsamer Umgang mit der Natur: Feuchtwiesen sollen erhalten bleiben, ebenso Bachläufe. In der Mitte soll ein Zentrum sein, ähnlich einem Quartierstreff.

Das Quartier soll weitgehend autofrei werden: Den klassischen Stellplatz vor dem Haus sieht der Entwurf nicht vor. Zwar könne man mit dem Auto vor dem Haus halten – etwa für Einkäufe oder um für den Urlaub zu packen –, aber der Parkplatz für die Bewohner befindet sich in einer Parkgarage, maximal 250 Meter vom Wohnort entfernt. Parkende Autos sollen den Straßenraum nicht dominieren. Hochparkhäuser mit Carsharing-Optionen, Fahrradmietsysteme, unterirdische Quartiersgaragen und Mobilitätsstationen ergänzen das Konzept. "Ein urbanes Dorf" nennt Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn, was am Hafner entstehen könnte.

Auch das Gewerbe erhält Platz: Von Anfang war vorgesehen, dass es am Hafner auch Gewerbeeinheiten geben soll. Nach den Vorstellungen von KCAP soll es mit kurzen Wegen an die Landesstraße 221 angesiedelt werden und die Wohngebäude vom Verkehrslärm abschirmen. Die Entwürfe sehen eine strikte Trennung von Wohnen und Gewerbe vor.

Auch Kritikpunkte hat es gegeben: Siegerentwurf bedeutet nicht, dass alle Ideen der niederländischen Architekten die Jury überzeugt haben. Wie bei solchen Wettbewerben üblich, gibt es Verbesserungswünsche. So haben die Juroren die Reihenhausbebauung am Fuß des Hafners kritisch gesehen, zudem solle auch die Lage des Quartierstreffs sowie die Größe des nördlich angrenzenden Grünareals überprüft werden. Zudem solle die städtebauliche Struktur dichter werden. Die Stadtvillen im Westen des Gebietes angrenzend an das Gewerbegebiet seien so nicht möglich und sinnvoll, haben die Juroren im Bewertungsprotokoll festgehalten. Insgesamt zeige der Entwurf aber wichtige und wesentliche Perspektiven für eine Stadt der Zukunft auf. Die Aufwertung des Öffentlichen Raums zu einem "sozialen“ Band, das Alt-Wollmatingen und den neuen Teil natürlich verbinde und doch neu interpretiere, stelle ein tragfähiges, robustes, offenes und auch anregendes Konzept dar, heißt es weiter.

Wie es weitergehen soll: Bis zur Sommerpause im kommenden Jahr will die Konstanzer Stadtverwaltung aus dem vorliegenden Entwurf des Büros KCAP einen detaillierten und abschließenden Rahmenplan erarbeiten. Dieser soll Grundlage für eine zweite Runde der Gespräche mit Grundstückseigentümern am Hafner sein. Denn die Stadtverwaltung verhandelt mit diesen und will sie für die Teilnahme an dieser städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme gewinnen. Anfang 2020 soll der Gemeinderat einen Entschluss für die Entwicklung des Gebiets fassen, dem ein Bebauungsplan folgen soll. 2025 soll es dann soweit sein: Erschließung des Hafners.

Das sagen Bürger zum Entwurf

<strong>Dorothee Jacobs-Krahnen:</strong> "Es ist sicherlich der innovativste Entwurf. Der Hafnerring, der sich als grünes Band durchzieht, die Wohnbebauung verbindet und gleichzeitig Lebensraum schafft, sieht wirklich gut aus. Das geht schon in Richtung moderne Gartenstadt. Ich war bei den Workshops dabei, und ich finde, die Planer haben unsere Ideen und Anregungen gut aufgenommen und eingearbeitet. Es ist gut, dass es viele Freiflächen gibt und der Hafner nicht bebaut ist. Solche Zonen sind wichtig. Man sieht es ja am Schänzle, wo sich die Bürger die Fläche erobert haben. Solche Freiflächen sind notwendig und werden gut angenommen."
Dorothee Jacobs-Krahnen: "Es ist sicherlich der innovativste Entwurf. Der Hafnerring, der sich als grünes Band durchzieht, die Wohnbebauung verbindet und gleichzeitig Lebensraum schafft, sieht wirklich gut aus. Das geht schon in Richtung moderne Gartenstadt. Ich war bei den Workshops dabei, und ich finde, die Planer haben unsere Ideen und Anregungen gut aufgenommen und eingearbeitet. Es ist gut, dass es viele Freiflächen gibt und der Hafner nicht bebaut ist. Solche Zonen sind wichtig. Man sieht es ja am Schänzle, wo sich die Bürger die Fläche erobert haben. Solche Freiflächen sind notwendig und werden gut angenommen." | Bild: Scherrer, Aurelia
<strong>Peter Haag:</strong> "Braucht man überhaupt so eine große Bebauung in Konstanz? Ist das Ganze nicht überdimensioniert? Die Frage ist doch, ob der Bedarf an Wohnraum wirklich so groß ist. Das verändert unseren alten Ortskern. Und dann frage ich mich auch, wo kommen die ganzen Autos hin und wie wird das Quartier angebunden? Die Radolfzeller Straße ist seit Jahrzehnten ohnehin schon die meist frequentierte Straße. Staus sind Alltag. Optisch sieht die Planung gut aus. Viele Grünflächen und Bäume, das ist gut. Wichtig ist, dass es große, zusammenhängende Flächen zur Erholung gibt, schließlich ist der Hafner der schönsten Aussichtspunkt von Konstanz."
Peter Haag: "Braucht man überhaupt so eine große Bebauung in Konstanz? Ist das Ganze nicht überdimensioniert? Die Frage ist doch, ob der Bedarf an Wohnraum wirklich so groß ist. Das verändert unseren alten Ortskern. Und dann frage ich mich auch, wo kommen die ganzen Autos hin und wie wird das Quartier angebunden? Die Radolfzeller Straße ist seit Jahrzehnten ohnehin schon die meist frequentierte Straße. Staus sind Alltag. Optisch sieht die Planung gut aus. Viele Grünflächen und Bäume, das ist gut. Wichtig ist, dass es große, zusammenhängende Flächen zur Erholung gibt, schließlich ist der Hafner der schönsten Aussichtspunkt von Konstanz." | Bild: Scherrer, Aurelia
<strong>Rolf Weber:</strong> "Es ist das erste Mal, dass ich die Pläne sehe. Es ist schwierig. Wir sind zwar nicht unmittelbar betroffen, aber ich sehe die ganze Geschichte mit Sorge. Das ganze Gebiet soll verkehrsberuhigt sein. Ich bin skeptisch, ob das funktioniert, wo heute in jeder Familie ein, zwei oder drei Autos sind. Dass der Hafner selbst nahezu unbebaut bleibt ist gut, denn ein kleines bisschen Grün muss sein. Auf Plänen kann man viel zeichnen, aber erst, wenn alles steht, sieht man, wie es ist, gerade auch was die Größe der Häuser anbelangt."
Rolf Weber: "Es ist das erste Mal, dass ich die Pläne sehe. Es ist schwierig. Wir sind zwar nicht unmittelbar betroffen, aber ich sehe die ganze Geschichte mit Sorge. Das ganze Gebiet soll verkehrsberuhigt sein. Ich bin skeptisch, ob das funktioniert, wo heute in jeder Familie ein, zwei oder drei Autos sind. Dass der Hafner selbst nahezu unbebaut bleibt ist gut, denn ein kleines bisschen Grün muss sein. Auf Plänen kann man viel zeichnen, aber erst, wenn alles steht, sieht man, wie es ist, gerade auch was die Größe der Häuser anbelangt." | Bild: Scherrer, Aurelia
<strong>Herbert Weber:</strong> "Wichtig ist, dass es vorwärts geht; das ist das A und O. Ich finde den Entwurf in Ordnung. Man kann in jedem Entwurf etwas Positives und etwas Negatives sehen. Den Wollmatingern tut es zwar weh, aber insgesamt ist es gut. Ich habe vor mehr als zehn Jahren schon angeregt, den Hafner zu bebauen. Ich hoffe nur, dass es nicht wieder eine Bürgerinitiative gibt, wie in Freiburg, wo sie einen Bürgerentscheid herbeiführen. Nichts gegen Bürgerinitiativen und Bürgerentscheide, aber das würde alles verzögern."
Herbert Weber: "Wichtig ist, dass es vorwärts geht; das ist das A und O. Ich finde den Entwurf in Ordnung. Man kann in jedem Entwurf etwas Positives und etwas Negatives sehen. Den Wollmatingern tut es zwar weh, aber insgesamt ist es gut. Ich habe vor mehr als zehn Jahren schon angeregt, den Hafner zu bebauen. Ich hoffe nur, dass es nicht wieder eine Bürgerinitiative gibt, wie in Freiburg, wo sie einen Bürgerentscheid herbeiführen. Nichts gegen Bürgerinitiativen und Bürgerentscheide, aber das würde alles verzögern." | Bild: Scherrer, Aurelia

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