Bei jedem neuen Bauprojekt hoffen viele Bürger auf bezahlbare Mietwohnungen. Auf dem Telekom-Areal aber soll nun günstiger Mietraum verschwinden.

Betroffen ist das Haus Jahnstraße 8, das einem der beiden geplanten Neubauten weichen soll, deren Wohnungen allenfalls in einem zweiten Schritt vermietet werden. Denn der Investor, die BPD Immobilienentwicklung GmbH, will nach Angaben des Projektentwicklers Rainer Beitlich alle Wohnungen verkaufen. Erst ein Käufer könnte dann daraus Mietwohnungen schaffen.

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In dem Haus, das abgerissen werden soll, sind vier Parteien betroffen, drei bangen um ihre Zukunft – alles ältere Menschen, die seit Jahrzehnten in früheren Werkswohnungen der damaligen Oberpostdirektion Freiburg günstig zur Miete leben.

Erst nach Hinweisen von Anwohnern wurde jetzt bekannt, dass die bewohnte Immobilie zugunsten einer der geplanten Neubauten auf dem Telekom-Areal fallen soll

Alle Bewohner des Hauses Jahnstraße 8 haben im Namen einer Generalmietgesellschaft für das Areal Kündigungen zum Jahresende erhalten. Sie kämpfen nun teilweise juristisch dagegen.

Rainer Beitlich sagt auf Nachfragen, man werde niemanden hinauswerfen und bei Bedarf Wohnalternativen in den Neubauten anbieten: "Wir löffeln die Suppe für den Vermieter aus." Es gehe um Entwicklungen, die durch die Post vor 20 Jahren angestoßen wurden, als diese ihren Immobilienbestand privatisierte. In diesen Prozessen sei eine Generalmietgesellschaft in Aktion getreten.

Laut der Kündigung läuft zum Jahresende der Anmietvertrag für die Liegenschaft Jahnstraße 8 aus. Nach Beitlichs Erkenntnissen wolle eine Partei aus dem Haus in ein betreutes Wohnen wechseln. Zu zwei Parteien beziehungsweise deren Rechtsvertreter habe man schon Kontakt, zu einer Partei sei bisher kein Kontakt zustande gekommen.

Optionen für den Erhalt des Hauses sieht der Projektentwickler Beitlich nicht

Denn vier alte, keinem modernen Energiestandard entsprechende Wohnungen, würden durch 180 neue in zwei Wohnblöcken ersetzt. Diese gruppieren sich nach dem Siegerentwurf beim Architektenwettbewerb ums Technikgebäude der Telekom, welches in abgespeckter Form noch benötigt wird, also stehen bleiben muss. Denn hier laufen die Fäden für rund 200.000 Haushaltsanschlüsse zusammen.

Einer der beiden geplanten neuen Wohnblöcke rücke bis auf etwa zwei Meter ans Haus mit den früheren Betriebswohnungen. Spätestens nach Fertigstellung des Neubaus müsse der Altbau abgerissen werden. Bis es so weit ist, dürften noch etwa fünf Jahre vergehen.

Die BPD will die Wohnungen nach Angaben Beitlichs nicht vermieten, sondern verkaufen, etwa an Privatleute, Genossenschaften und Wohnungsbaugesellschaften

Wegen möglicher Wohnungsübernahmen stehe er im Kontakt mit dem Spar- und Bauverein und werde auch das Gespräch zur städtischen Wohnungsbaugesellschaft Konstanz (Wobak) suchen. 30 Prozent der Wohnungen auf dem Areal müssen nach den Vorgaben der Stadt in die Kategorie preisgedämpft oder gefördert fallen. Die BPD ist bekannt in Konstanz, sie hat schon in der Von-Emmich-Straße und entlang der Bahnlinie Häuser der neuen Mitte von Petershausen gebaut.

Das Haus, das abgerissen werden soll, ist das letzte in einer Reihe von Mietshäusern. Das Gebäude steht direkt am Betriebshof des bisherigen Telekom-Areals. Die Menschen, die hier wohnen, haben früher für Post und Telekom gearbeitet.

Bewohner des Abriss-Hauses sind überrascht von der Kündigung

Ein Bewohner, der nicht namentlich genannt werden will, berichtet, wie überrascht alle im Haus waren, dass bei der Kündigung von einem angeblichen Untermietverhältnis die Rede war. Ein Grund für die Kündigung sei ihnen nicht mitgeteilt worden.

Der Bewohner bestätigt, was auch Beitlich schon sagte: Eine Partei werde wohl freiwillig ausziehen. Die drei anderen hätten der Kündigung widersprochen. Sie hielten diese für nicht rechtens. Aus Sicht des Bewohners gebe es auch keinen Grund, das Haus zu zerstören. Alles Notwendige sei in Schuss gehalten. "Nur die Fenster sind langsam renovierungsbedürftig." Auch einen neuen Anstrich könnte das Haus vertragen.

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