Um zu sparen, möchte die Stadt 150.000 Euro ausgeben – für eine externe Beratung, mit der die Zukunft des Bodenseeforums geklärt werden soll. Die jüngsten Zahlen verfehlen damit ihre Wirkung nicht: Geplant war im zweiten Quartal ein Verlust von 1,1 Millionen Euro, laut Quartalsbericht hat sich dieses Defizit um rund 646.000 Euro erhöht. Diese Differenz setzt sich zusammen aus dem tatsächlichen Verlust in Höhe von rund 350.000 Euro sowie einem Sondereffekt von rund 290.000 Euro in Form einer Rückzahlung der Vorsteuer ans Finanzamt.

Schön gelegen ist es ja, das Bodenseeforum. Doch das alleine bringt noch keine hochkarätigen Veranstaltungen.
Schön gelegen ist es ja, das Bodenseeforum. Doch das alleine bringt noch keine hochkarätigen Veranstaltungen. | Bild: Schuler, Andreas

„Wir müssen feststellen, dass sich die angepeilten Umsatzerlöse mit dem Bodenseeforum so nicht realisieren lassen“, stellt Ulrich Schwarz, Kämmerer der Stadt, nüchtern fest. „Wir werden sparen müssen, wo es möglich ist.“

Eine Studie als Entscheidungshilfe – für 150.000 Euro?

Grundlage für die angepeilte Studie sind fünf Szenarien, wie die Zukunft des Bodenseeforums nach Sicht der Verwaltung aussehen könnte:


  1. Es bleibt alles, wie es ist.
  2. Weiterbetrieb mit einem Angebotsportfolio im Sinne einer Stadthalle wie in Singen.

  3. Verkauf des Eigentums.
  4. Vergabe des Nachbargrundstücks mit der Vorgabe, hier ein Hotel mit Konzertsaal zu entwickeln und diese mit dem Bodenseeforum gemeinsam zu betreiben.
  5. Fortführung wie bisher, dazu eine neue Gastronomie auf dem Nachbargrundstück.

Experten aus den Bereichen Gastronomie, Veranstaltungen, Finanzwesen oder Tourismus sollen bis Sommer 2019 ihre Einschätzungen zu diesen Szenarien abgeben.

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Am Dienstag berät der Betriebsausschuss über eine Empfehlung an den Gemeinderat. Am 25. Oktober soll der Gemeinderat denn entscheiden.

Da war noch alles Friede, Freude, Eierkuchen: Die Eröffnungsfeier des Bodenseeforums im Herbst 2016.
Da war noch alles Friede, Freude, Eierkuchen: Die Eröffnungsfeier des Bodenseeforums im Herbst 2016. | Bild: Oliver Hanser

Gegenüber dem SÜDKURIER erklärt Geschäftsführer Jochen Lohmar, warum das operative Gesamtergebnis erneut schlechter ausgefallen ist als geplant: „Uns sind 35 Veranstaltungen weggefallen, da Hotels nicht zur Verfügung standen.“

Der betroffene Veranstalter wollte kurzfristig seine Tagung um zwei Wochen verschieben, wodurch keine Zimmer mehr gebucht werden konnten. „Dadurch haben wir einen Umsatzeinbruch von rund 500.000 Euro“, so Jochen Lohmar – im Wirtschaftsplan war diese Summe jedoch bereits eingepreist, was laut Geschäftsführer in der Branche üblich sei. „Aber der Vertrag war noch nicht unterschrieben.“

30 bis 40 Prozent der Anfragen würden grundsätzlich wegfallen – laut Lohmar ebenfalls branchenüblich.

Neuer Geschäftsfüher des Bodenseeforum Konstanz Jochen Andrew Lohmar 2017 Foto: Oliver Hanser
Neuer Geschäftsfüher des Bodenseeforum Konstanz Jochen Andrew Lohmar 2017 Foto: Oliver Hanser | Bild: Oliver Hanser

Nicht nur das Bodenseeforum steht auf dem Prüfstand – sondern der Tagungs-Standort Konstanz insgesamt

Damit stellt sich die Frage: Ist Konstanz mit dem Bodenseeforum überhaupt ein Tagungsstandort? Oder kann die Stadt lediglich mit Tourismus punkten?

Laut Charlotte Biskup, die im Rathaus die städtischen Beteiligungen steuert, wäre der Betrag von 150.000 Euro eine Investition in die Zukunft der gesamten Stadt: "Diese Analyse ist eine nachhaltige Alternative und sinnvoller, als die Sache einfach so laufen zu lassen." Es ginge ja auch darum, grundsätzliche Fragen zu klären: "Wie geht es mit dem Konzil weiter? Wollen wir eine enge Verbindung Konzil-Bodenseeforum? Benötigen wir mehr Hotels, wenn wir als Tagungsstätte bestehen wollen? Der Standort steht auf dem Prüfstand, nicht nur das Bodenseeforum."

Oberbürgermeister Uli Burchardt drückt aufs Gaspedal

„Das Bodenseeforum wird auch in den nächsten Jahren Zuschüsse benötigen. In Relation zum gesamten Haushalt und den Kulturausgaben ist das in Ordnung. Ich erwarte zum einen, dass stetig daran gearbeitet wird, den Zuschussbedarf zu senken. Zweitens muss das Haus einen größeren Beitrag zum Stadtleben leisten. Das Haus steht zu oft leer.“
Oberbürgermeister Uli Burchardt

Erfolg oder Abgesang: Das Bodenseeforum steht vor einem Endspiel.