Die Stadt Konstanz hat sich den Denkmalschutz für die dringend sanierungsbedürftige Geschwister-Scholl-Schule offenbar in Teilen selbst eingebrockt. Nach Informationen des SÜDKURIER war eine entsprechende Anfrage beim Landesamt für Denkmalschutz der Auslöser dafür, dass die Behörde das 1976 fertiggestellte Gebäude näher prüfte und es als wertvolles Beispiel für den Schulbau der 1970er-Jahre einstufte. So war die politische Grundsatzfrage, ob auch ein Abriss und ein Neubau denkbar wäre, der Auslöser für entsprechende Erkundigungen bei den Denkmalbehörden. Das Landesamt für Denkmalschutz bestätigte am Mittwochabend: "Wir haben das Verfahren nochmals geprüft und können Ihnen mitteilen, dass die Bitte durch die untere Denkmalschutzbehörde (Stadt Konstanz) an uns herangetragen wurde."

Schon vor Monaten das Amt "routinemäßig einbezogen"

Wenige Minuten später beantwortete auch die Stadtverwaltung eine bereits am Montag gestellte Anfrage des SÜDKURIER zu dem Thema. Danach wurde im Zuge der Grundsatzfrage zur Zukunft der Schule "routinemäßig das Landesamt für Denkmalpflege einbezogen". Dies sei erfolgt, um Planungssicherheit zu bekommen. Weiter bestätigt das Pressereferat der Stadt, dass mehrere Mitarbeiter der Verwaltung bereits im August von einem Interesse des Landesamtes wussten. Am 1. August gab es demnach eine Begehung in der jetzt denkmalgeschützten Immobilie, an Mitarbeiter aus dem Hochbauamt und dem Baurechts- und Denkmalamt persönlich dabei waren. 

Auch an der Geschwister-Scholl-Schule soll sich einiges ändern.
Die Geschwister-Scholl-Schule im Jahr 2017. | Bild: Oliver Hanser

Denkmalschützer weisen OB-Kritik zurück

Laut dem Landesamt ist die Entscheidung auch nicht annähernd so überraschend, wie es Oberbürgermeister Uli Burchardt und Schulbürgermeister Andreas Osner am vergangenen Donnerstag darstellten. "In Baden-Württemberg sind über 75 Schulen aus der Zeit nach 1950 derzeit als Kulturdenkmale erfasst, die Geschwister-Scholl-Schule in Konstanz ist daher kein Einzelfall", teilte eine Sprecherin auf Anfrage des SÜDKURIER mit. Zugleich wies das Landesdenkmalamt die Kritik des OB zurück, der den Vorgang als eine "erstaunliche Entscheidung aus dem Elfenbeinturm" gewertet hatte: Das Landesdenkmalamt hatte sogar schon, am Beispiel Stuttgart, eine Broschüre herausgegeben, in der die Denkmalwürdigkeit auch von Schulen aus den 60er- und 70er-Jahren erläutert worden sei. "Einen Schnellschuss oder eine Entscheidung aus dem Elfenbeinturm", so die Pressestelle, "können wir daher nicht bestätigen".

Folgen für die Zukunft sind umstritten

Strittig ist auch die Frage, ob der Denkmalschutz für das Gebäude ein Entwicklungshemmnis darstellt. OB Burchardt schrieb dazu auf dem Kurznachrichtendienst Twitter: "Wird die Schule dadurch größer (wäre wichtig)? billiger (wäre schön)? regendichter (wäre dringend)? 3 mal nein". Dem entgegnet das Landesdenkmalamt, es sei "bemüht, notwendige Modernisierungen in Rücksicht auf die historischen Wertigkeiten, jedoch auch mit Augenmaß für die Notwendigkeit einer zeitgemäßen Schulnutzung fachlich zu begleiten." Auch einer "konstruktiven Suche nach Erweiterungsmöglichkeiten" stelle sich die Behörde nicht in den Weg. Der Sanierungsbedarf stehe nicht in Frage, und auch die "kostenmäßige Zumutbarkeit" werde geprüft.

Müller-Fehrenbach: Ich war nicht beteiligt

Dass Wolfgang Müller-Fehrenbach, der Schule aufs engste verbundener CDU-Stadtrat und ab 1976 in verantwortlicher Position dort tätig, seine Finger im Spiel hatte, wies dieser auf Anfrage des SÜDKURIER zurück. Bis ins Rathaus hinein hatte es diesen Verdacht gegeben, aber Müller-Fehrenbach betont: "Ich würde so etwas niemals ohne vorherige Abstimmung machen. Dass ich den Denkmalschutz auf den Plan gerufen habe, stimmt nicht, obwohl ich das Gebäude für bedeutend halte."

 

Was an der Gewister-Scholl-Schule so bedeutsam ist

Und das soll ein Denkmal sein? Nicht nur Kommunalpolitiker haben die Unterschutzstellung der Geschwister-Scholl-Schule mit Kopfschütteln aufgenommen.

Was macht ein Gebäude denkmalwürdig? Auch wenn es landläufige Meinung ist: Es ist nicht in erster Linie Aufgabe des Denkmalschutzes, allgemein als schön erachtete Gebäude unter Schutz zu stellen. Ziel ist es vielmehr, für ihre Zeit typische und in ihrer Zeit bemerkenswert ausgeführte Gebäude für die Nachwelt zu erhalten. Auch, weil sich Geschmäcker und Bewertungen stets ändern und "schön" keine nachvollziehbare Kategorie ist.

Wie bewertet das Landesdenkmalamt die GSS? Der SÜDKURIER hat das Landesdenkmalamt gefragt, was die Entscheidungsgrundlagen waren. In der Antwort heißt es: "Der Geschwister-Scholl-Schule in Konstanz-Wollmatingen kommt wissenschaftliche, insbesondere architektur- und schulbaugeschichtliche Bedeutung zu. In seiner charakteristischen und für die Zeit typischen baulichen Ausprägung ist der Schulkomplex ein Zeugnis für die Schulhausarchitektur der 1970er Jahre. So werden zeittypische Forderungen wie „Durchlässigkeit” (Wechsel der Schularten), Flexibilität und Transparenz gelungen architektonisch umgesetzt."

Gibt es ähnliche Vorgänge? In Suttgart-Neugereut wurde die Jörg-Ratgeb-Schule (erbaut 1972 bis 1976 ebenfalls als Gesamtschule neuen Typs) mit ganz ähnlichen Argumenten schon im Jahr 2015 unter Schutz gestellt. (rau)