Es ist nur wenige Monate her, da wurde auf dem Gießberg ausgelassen gefeiert. Damals, am 19. Juli, erfuhren die Mitarbeiter und Studierenden der Uni Konstanz, dass die Einrichtung auch künftig vom milliardenschweren Fördertopf der Exzellenzstrategie profitieren wird. Es gab Sekt und Häppchen aufs Haus.

Heute scheint diese Euphorie verflogen, die Stimmung gedrückt. Und wieder ist das Geld der Grund. Diesmal aber geht es um die Grundfinanzierung der Hochschulen ab 2021, über die in dieser Woche in Stuttgart verhandelt wird. Für sie gehen Studierende nun auf die Straße – und die baden-württembergischen Universitäten auf Konfrontationskurs mit der Landesregierung. In den vergangenen 20 Jahren, so lautet der Vorwurf an die Landespolitik, hätten sich die finanziellen Rahmenbedingungen an den Hochschulen deutlich verschlechtert – um 2700 Euro je Studierenden.

Eine Kampfansage an die Landesregierung

Kerstin Krieglstein ist Rektorin der Universität Konstanz. 2300 Menschen sind hier beschäftigt, 11 300 studieren auf dem Gießberg. Es ist Montagnachmittag, der Tag vor der großen Demonstration. „Eigentlich gehört Protest nicht zu unseren Aufgaben“, sagt Krieglstein, die am Konferenztisch ihres Büros Platz genommen hat. „Doch wenn die Politik unsere Interessen nicht vertritt, dann gehen wir auf die Straße.“

Universitätsrektorin Kerstin Krieglstein am Tag vor der Demonstration. „Wenn die Politik unsere Interessen nicht vertritt, dann gehen wir auf die Straße.“
Universitätsrektorin Kerstin Krieglstein am Tag vor der Demonstration. „Wenn die Politik unsere Interessen nicht vertritt, dann gehen wir auf die Straße.“ | Bild: Reinhardt, Lukas

Diese Kampfansage an das Wissenschaftsministerium ist das Resultat einer ordentlichen Portion Ärger und Verzweiflung. Denn aus Sicht der neun baden-württembergischen Universitäten sind die Hochschulen massiv unterfinanziert. Ändern, so die Hoffnung der Rektoren, sollte das der neue Hochschulfinanzierungsvertrag, der ab 2021 in Kraft treten soll. Doch inzwischen hat sich Ernüchterung breitgemacht. Denn die Forderungen der Universitäten wurden von der Landesregierung abgebügelt.

Lediglich fünf Prozent der eigentlichen Forderungen stellte das Wissenschaftsministerium den Hochschulen nun in Aussicht, so Krieglstein. „Das ist ein Trinkgeld, davon bezahlt man keine Rechnungen.“ Offenbar der letzte Ausweg: der Protest auf der Straße.

1600 Menschen demonstrieren für eine bessere Bildung

Es ist Dienstagmittag, 14 Uhr, auf dem Augustinerplatz in Konstanz. 1600 Menschen haben sich dem Protestmarsch für bessere Bildung im Ländle angeschlossen. Aufgerufen dazu hatten die Studierendenvertretungen der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) sowie der Universität Konstanz.

Kreativer aber dennoch lautstarker Protest.
Kreativer aber dennoch lautstarker Protest. | Bild: Reinhardt, Lukas

„Wir wollten so viel Lärm machen, dass unsere Forderungen hoch bis Stuttgart dringen, das ist uns gelungen“, erklärt Mete Ünal, 21, Jurastudent und gemeinsam mit seinem Kollegen Marco Brodscholl von der HTWG Organisator des Protests. Die Studierenden sind eine von der Unterfinanzierung betroffe Gruppe. Ünal spricht von „maroden Gebäuden, überfüllten Seminaren, kaputter Technik“.

Zur anderen Gruppe gehören die Beschäftigten der Universität. Auch sie sind an diesem Dienstagmittag zahlreich erschienen. Zuvor hatte Kerstin Krieglstein, anders als das Präsidium der HTWG, öffentlich dazu aufgerufen, die Proteste der Studierenden zu unterstützen. Und anders als das Präsidium der HTWG steht die Universitätsrektorin an diesem Mittag auf der Bühne und spricht zu den Anwesenden über die finanziellen Verfehlungen der Landespolitik in den vergangenen Jahrzehnten.

Auf dem Augustinerplatz endet die Demo mit einer Abschlusskundgebung.
Auf dem Augustinerplatz endet die Demo mit einer Abschlusskundgebung. | Bild: Reinhardt, Lukas

„Alles, was optimiert werden konnte, haben wir optimiert. Mehr ist nicht drin.“

Ein Umstand, der durchaus verdeutlicht, wie ernst es der Universitätsleitung inzwischen ist. Doch droht ihr nun das Geld auszugehen? Trotz Exzellenzförderung? Fakt ist: Die Mittel aus der Exzellenzförderung sind zweckgebunden. „Natürlich stehen wir durch dieses Geld besser da“, sagt Krieglstein am Tag vor der Demonstration, „aber wenn uns der Boden entgleitet, hilft das nicht“. Das gelte besonders angesichts steigender Studierendenzahlen und immer höherer Anforderungen an die Hochschulen. „Alles, was optimiert werden konnte, haben wir optimiert. Mehr ist nicht drin.“

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) verwies zuletzt immer wieder auf die finanziellen Rahmenbedingungen des Landeshaushalts. Dass die Universitäten seit Jahren einen Kampf für eine ausreichende Grundfinanzierung führen müssen, versteht Kerstin Krieglstein trotzdem nicht. „Unser Job ist Forschung und Lehre, nicht Lobbyarbeit. Dass wir das machen müssen, ist ein Armutszeugnis“.

Werden die Verhandlungen nun zur Hängepartie?

Wie es nun weiter geht, ist indes offen. „Es steht im Raum, dass die Universitäten des Landes den Vertrag nicht unterschreiben werden“, sagt Kerstin Krieglstein. Das Wissenschaftsministerium scheint da optimistischer. Dort ist man sich auf SÜDKURIER-Nachfrage sicher, „dass die weiteren Verhandlungen zu einem hervorragenden Vertrag führen werden“.