Die Wahl von Markus Rhomberg zum neuen Präsidenten der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung Konstanz (HTWG) hat viele Menschen überrascht. Auch den 40-jährigen Professor selbst?

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Angeblich wenig gelöste Stimmung nach der Wahl

So berichten Angehörige der Hochschule aus der für sie öffentlichen Wahlveranstaltung gegenüber dem SÜDKURIER übereinstimmend: Rhomberg habe dort eine Vorstellung seiner Pläne für die HTWG vermissen lassen. Nach einer kurzen Annahme der Wahl habe Stille im Saal geherrscht. Das Publikum habe zuvor getuschelt, wer der junge Mann auf dem Podium sei. Es habe nicht der Eindruck einer gelösten Stimmung geherrscht.

Thomas Birkhölzer, Dekan der Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik und Senatsmitglied, bezeichnet die Veranstaltung dagegen als „völlig normal“. Es sei richtig, dass es keine programmatische Rede gegeben habe, sagt er. „Aber die musste ja auch nicht zwingend erfolgen.“ Hochschulsenat und -rat wählen hauptamtliche Präsidiumsmitglieder wie Markus Rhomberg gemeinsam.

Zu den Organen einer Hochschule gehören nach Landeshochschulgesetz der Senat und der Rat. Die Zusammensetzung beider Gremien regelt die Grundordnung der Hochschule.

Markus Rhomberg wurde als Nachrücker vom Senat vorgeschlagen

Tatsache ist: Der gebürtige Bregenzer rückte auf Vorschlag des Hochschulsenats auf die Kandidatenliste nach. Ein solcher Vorgang ist durch das Landeshochschulgesetz unter der Bedingung abgesegnet, dass das Wissenschaftsministerium einverstanden ist.

Es bedeutet auch, dass Rhomberg – anders als sein Gegenkandidat – nicht durch den Bewerbungsvorgang der Findungskommission aus Senats- und Ratsmitgliedern gehen musste. Dies bestätigt Kerstin Schaper-Lang, Gleichstellungsbeauftragte der HTWG, auf Anfrage.

Rhomberg, so heißt es aus den Wahlgremien, sei unter anderem wegen seiner Vernetzung im Bodenseeraum gewählt worden. Zuletzt war der 40-Jährige Leiter der Geschäftsstelle der Internationalen Bodensee-Hochschule (IBH), ein Verbund von 30 Hochschulen mit Sitz in Kreuzlingen. Rhombergs so gewonnene Stärken hätten aufgewogen, „dass es ihm als jungem Mann an Erfahrung bei der Leitung einer Hochschule oder hochschulpolitischen Kenntnissen mangelt“, sagt Kerstin Schaper-Lang.

Für den Hochschulrat ist fehlende Erfahrung kein Problem

Beide Qualitäten hatte zuvor auch Stefan Keh als Hochschulratsvorsitzender als wichtig bezeichnet. Er sagt nun: „Führungserfahrung hatte Markus Rhomberg bisher nicht, die Aufgabe wird ihm aber zugetraut.“ Zudem sei er durch seine Arbeit am IBH durchaus vertraut mit klassischen hochschulpolitischen Fragen. „Flacher vielleicht als eine leitende Persönlichkeit einer Einzelhochschule, durch den IBH-Verbund dafür aber umso mehr in die Breite,“ sagt Keh.

Professor Markus Rhomberg, gewählter Präsident der HTWG Konstanz (links) und Hochschulratsvorsitzender Stefan Keh kurz nach der Wahl am 22. November 2019.
Professor Markus Rhomberg, gewählter Präsident der HTWG Konstanz (links) und Hochschulratsvorsitzender Stefan Keh kurz nach der Wahl am 22. November 2019. | Bild: HTWG/Elmar Feuerbacher

Wird Rhomberg vielleicht doch lieber Präsident der Zeppelin Universität?

Wenige Tage nach der Wahl sorgt nun eine mögliche Doppelstrategie bei der Karriereplanung Rhombergs für Gesprächsstoff. Dem SÜDKURIER wurde von Mitgliedern des HTWG-Senats und -Rats bestätigt: Er hat sich auch um die Präsidentenstelle an der Zeppelin Universität (ZU) in Friedrichshafen beworben und dies bei seiner Vorstellung vor dem Wahlgremium offengelegt.

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Die Neuwahl an der ZU steht noch bevor. Mit ihr verbindet Rhomberg bis 2017 eine mehrjährige berufliche Vergangenheit.

Der 40-Jährige selbst „kann zu Spekulationen zum Berufungsverfahren an der Zeppelin Universität Friedrichshafen keine Stellung nehmen“, teilt er mit. HTWG-Senatsmitglied und Dekan Thomas Birkhölzer springt Rhomberg bei und fragt: „Warum sollte er sich nicht auch anderswo bewerben dürfen?“

Hochschulrat erwartet Ende der nun laufenden Vertragsverhandlungen bis Januar 2020

Sollte es dazu kommen, dass der gewählte Präsident wegen einer Zusage aus Friedrichshafen doch noch abspringt, wäre dies aus Sicht der HTWG „ganz bestimmt und überhaupt nicht erfreulich“, sagt der Hochschulrats-Vorsitzende Stefan Keh. „Untergehen würde die Hochschule deshalb aber nicht“. Die Leitung der HTWG würde dann für einen gewissen Zeitraum als Interimslösung erfolgen.

Aktuell scheint sich Markus Rhomberg voll auf Konstanz zu konzentrieren. Er teilt mit, dass er sich mit der Hochschule in „intensiven Vertragsgesprächen“ befinde. Gespräche, die angesichts der im April endenden Amtszeit von Vorgänger Carsten Manz „relativ flott finalisiert werden müssen, wir sprechen hier von wenigen Wochen“, sagt Stefan Keh. Erwartet werde ein Abschluss bis Mitte Januar 2020.