Das lange Osterwochenende mit sommerlichen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein lud ein zur Spritztour mit dem Motorrad. Die freien Tage nutzten viele Biker dazu, ihr Gefährt aus dem Winterlager zu holen und die Saison einzuläuten.

Doch für einige Motorradfahrer endete die Osterausfahrt tödlich

Im Ortenau-Kreis wurde eine Person von einem überholenden Auto angefahren und erlag den Verletzungen, im Landkreis Göppingen rasten Zweiradfahrer bei missglückten Überholmanövern in Autos und starben. Zahlreiche weitere Unfälle gingen nicht tödlich aus – doch landeten die Fahrer und ihre Sozien in den meisten Fällen schwer verletzt in Krankenhäusern.

So auch im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Konstanz, wo die Polizei derzeit auch viel präventive Arbeit leistet, damit die Zahl der Unfälle gering bleibt.

Überschätzung, fehlende Praxis und zu hohes Tempo

Gerade zum Beginn der Motorradsaison bittet die Polizei die Fahrer, das Fahrverhalten der mangelnden Praxis nach dem Winterhalbjahr anzupassen und das eigene Können nicht zu überschätzen. Überhöhte, nicht den Straßenverhältnissen und dem Streckenverlauf angepasste Geschwindigkeit kann schwerste Verkehrsunfälle verursachen, wie die aktuellen Fälle beweisen.

Markus Sauter vom Konstanzer Polizeipräsidium erklärt, wie sich die Beamten zu Beginn der Motorradsaison rüsten:

„Wir werden wie jedes Jahr zwischen den Monaten März und Oktober zahlreiche Schwerpunktkontrollen mit Zielrichtung Motorrad durchführen. Dazu kommen Aktionen vom Referat Prävention, die die Vermeidung von Unfällen oder Minderung von Unfallfolgen zum Ziel haben. Bei den Geschwindigkeitsmessungen stimmt sich die Polizei mit den örtlichen Verkehrsbehörden ab.“

Was ein Biker aus Konstanz zum Thema sagt

Raffael Zignariello fährt seit 1992 Motorrad. Auf seiner 1200er Yamaha fährt er das ganze Jahr, wenn es das Wetter zulässt.

"Ich hatte glücklicherweise noch keinen Unfall", sagt er. "Ich denke, dass das an meinem Fahrstil liegt: Ich bin eher defensiv und begegne meinen Mitmenschen im Straßenverkehr mit Vorsicht und Respekt."

Er rechne stets mit der Dummheit anderer Verkehrsteilnehmer:

„Wenn ich sehe, wie manche Biker mit dröhendem Motor und irrer Geschwindigkeit über den Bodanrück, durch den Hegau oder über die Höri donnern, dann habe ich kein Verständnis.“

Für ihn ist Motorradfahren eine große Freiheit, "aber dafür muss ich nicht mich und andere in Gefahr bringen". Der 52-Jährige fährt jeden Tag von Litzelstetten über die Mainau nach Konstanz zu seiner Arbeitsstelle. Hier beobachtet er regelmäßig, wie die Landstraße mit einer Rennstrecke verwechselt wird: "Wahnsinn, wie viele hier Vollgas geben und überholen in den Kurven."

Bild: Schuler, Andreas

Seine Besonnenheit im Straßenverkehr geht auf ein traumatisches Ereignis in seiner Kindheit zurück: Bei einem Unfall verlor er vier Freunde

Auf der anderen Seite beobachtet Raffael Zingariello auch eine zunehmende Rücksichtslosigkeit von PKW-Fahrern gegenüber Zweiradfahrern. "Jeder hat hat heute eilig und möchte so schnell wie möglich irgendwo hin", sagt er. "Motorräder werden da schnell übersehen. Das ist eine gefährliche Tendenz."

Bei den Verkehrsunfällen im Landkreis Konstanz mit Motorradbeteiligung wurden im Jahr 2018 vier Personen getötet, 57 schwer und 153 leicht verletzt. Der jüngste verunfallte Fahrer war 16 Jahre alt, der älteste 84.

Markus Sauter appelliert an die Biker, zu Beginn der Saison grundsätzliche Dinge einzuhalten:

„Im Frühliung sollte das Motorrad technisch überprüft werden, aber auch der Fahrer sollte körperlich fit sein. Nach der Winterpause fehlt Fahrpraxis, weshalb nicht gleich eine längere Tour unternommen werden sollte. Eine erste Parkplatzfahrt oder ein Fahrsicherheitstraining auf einem Verkehrsübungsplatz hilft, wieder das sichere Handling der Maschine zu erlangen.“

Eine weitere wichtige Komponente: Autofahrer haben sich in den Wintermonaten von Motorradfahrern quasi entwöhnt, wie Markus Sauter erläutert: "Da die schmale Silhouette der Zweiradfahrer schnell übersehen wird, empfiehlt es sich, einmal mehr bremsbereit zu sein."

Motorradfahrer sollten daran denken, dass im Frühjahr die Straßen an exponierten Stellen glatt sein können. "Deshalb gilt: besonders achtsam fahren. Gegen Unvorhersehbares helfen nur Weitsicht und Vorsicht", so Markus Sauter. "Eine gute Schutzausrüstung ist lebenswichtig. Dabei sollte auf eine gute Erkennbarkeit mit einer Warnweste und vor allem auf einen Helm mit sauberem Visier geachtet werden."

Auch Autofahrer und Fußgänger nimmt die Polizei in die Pflicht: "Die Geschwindigkeit der Motorradfahrer wird oft falsch eingeschätzt oder sie werden beim Einfahren in Kreuzungen oder beim Überholen übersehen. Bei kurvenreichen Strecken sollte mit einem nah an der Mittellinie entgegenkommenden Motorradfahrer gerechnet werden."

Motorradunfälle in unserer Region

  • Wo sind die neuralgischen Punkte? Die Auswertungen ergaben, dass sich im letzten Jahr auf der K 6174 zwischen Ludwigshafen und Überlingen-Bonndorf vier Unfälle mit Motorradfahrern ereigneten. Ursächlich war jeweils nicht angepasste Geschwindigkeit. So viele Motorradunfälle wie hier gab es auf keinem anderen Streckenabschnitt im Landkreis Konstanz. Bei mehr als der Hälfte der tödlichen Motorradunfälle waren überhöhte beziehungsweise nicht angepasste Geschwindigkeit, gefolgt von Fehlverhalten beim Überholen, unfallursächlich.
  • Würden Sie sich als Polizei weitere Maßnahmen wünschen? Die Geschwindigkeit zu beschränken ist nicht notwendig – es sollte sich nur jeder daran halten. Für alle Verkehrsteilnehmer gilt: Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.
  • Wann ist die Unfallgefahr am höchsten? Im Kreisgebiet wurden vergangenes Jahr im Juni zehn Unfälle, im Juli elf und im August neun Unfälle mit Motorradfahrern registriert. Das Gros der Verkehrsunfälle ereignete sich zwischen 15 Uhr und 18.00 Uhr, nachts zwischen 23 Uhr und 7 Uhr waren vergangenes Jahr keine Unfälle zu verzeichnen.
  • Wie viele Motorradunfälle gab es im Landkreis 2018? Außerorts wurden 59 Unfälle erfasst und innerorts 95; insgesamt gab es vier Todesopfer. Die auffälligste Strecke ist die K 6174 zwischen Ludwigshafen und Überlingen-Bonndorf gewesen. Drei Unfälle sind auf der L 194 zwischen Mahlspüren im Tal und Kalkofen passiert.