Kein Riesenpanorama von Konstanz zur Konzilszeit am Seerhein: Investor Wolfgang Scheidtweiler, der die riesige Arbeit von Yadegar Asisi samt prominentem Rundbau an der Schänzlebrücke komplett bezahlt hätte, ist aus dem Projekt ausgestiegen. Er sagte am Freitagabend, die Ratsdebatte vom Vorabend habe ihm gezeigt, dass das Vorhaben in Konstanz wenig Rückhalt genieße. „Wir legen das Thema zu den Akten“, erklärte er gegenüber dem SÜDKURIER, „wenn mein Angebot in Konstanz nicht überzeugt, kann ich es auch sein lassen.“

Die Wortmeldungen im Gemeinderat habe er als abwertend empfunden, sagte Schweidtweiler. Die Idee, das Thema Konstanzer Konzil auch über das Jubiläum hinaus zu spielen und einen Anlaufpunkt dafür auf Jahre hinaus zu schaffen, habe vor Ort wohl weniger überzeugt als den Künstler selbst: Asisi habe großes Interesse daran gehabt, seine Arbeiten in Pforzheim (Rom zur Zeit des ersten christlichen Kaisers Konstantin) und Wittenberg (Reformation), die sich mit Religionsgeschichte auseinandersetzen, zu ergänzen.

Tatsächlich wehte Scheidtweiler am Donnerstagabend heftiger Wind entgegen, als er wortlos auf einem Zuschauerplatz saß. Nur mühsam, nur mit einer vergleichsweise knappen Mehrheit von 24 Stimmen bei 39 Berechtigten und nur unter Bedingungen wie die Prüfung eines anderen Standorts und nur unter Vorbehalt einer Architekturprüfung durch den Gestaltungsbeirat konnte sich der Gemeinderat überhaupt zu einem grundsätzlichen Ja durchringen.

„Was mich stört ist, dass wir keine Standort-Alternative haben“, sagte Wolfgang Müller-Fehrenbach (CDU). Die Vorlage sei zu schwammig, um sie zu befürworten, erklärte Thomas Buck (JFK). Gabriele Weiner (FWK) sprach von einer 40 Meter hohen Blechdose. „Als Kniefall der Stadt vor dem Investor, sein Projekt zu verwirklichen“, beschrieb Dorothee Jacobs-Krahnen (FGL) den Beschluss. Holger Reile (Linke Liste) erklärte, so ein Projekt gehe am Interesse der Bürger vorbei. „Man muss sich auch die Frage stellen, was der Stadtteil Petershausen noch verträgt. Wachstum hat Grenzen.“ Roland Wallisch (FGL) erklärte, die Nordseite der Reichenaustraße sei als Standort besser geeignet.

Es gab auch Stimmen für die Umsetzung direkt am Rhein. Marcus Nabholz (CDU) verstand nicht, warum die Idee so abgebügelt werde. „Wir leben vom Tourismus und müssen den unterstützen.“ Heinrich Everke (FDP) stimmte zu, es sei eine faszinierende Idee. „Die neue Rheinbrücke ist auch kein Highlight. So etwas davor zu stellen wäre in Ordnung.“ Was solle man sonst dahin stellen, fragte Manfred Hölzl (CDU). „So ein Gebäude nimmt der Schänzlebrücke ihre Wucht weg.“

OB Uli Burchardt hatte mit dem Gegenwind nicht gerechnet. „Wir haben Interesse, diesen Standort zu entwickeln“, erklärte er. Es sei eine Möglichkeit, Besucherströme aus der Innenstadt heraus zu verschieben. Dafür müsse man aber weitere Attraktionen schaffen, urbaner denken und sich „mal auf ein Experiment einlassen“.

Wolfgang Scheidtweiler, ein Pforzheimer Unternehmer mit vielen Bezügen nach Konstanz, hat 2015 der Stadt ein 360-Grad-Panorama von Konstanz zur Konzilszeit vorgeschlagen. Solche Riesenbilder von Yadegar Asisi gibt es bereits in Leipzig, Berlin, Pforzheim und weiteren Standorten. Der Investor, der sämtliche Planungs-, Bau- und Betriebskosten übernommen hätte, wollte mit der Installation zunächst auf Klein Venedig, die Stadt überzeugte ihn, an die Schänzlebrücke auszuweichen. (lur)

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