Wie viel Öko steckt in der neuen Flüssiggasfähre, die ab Herbst zwischen Konstanz und Meersburg verkehren soll? Klimaschützer kritisieren den Treibstoff Flüssiggas (LNG) als gar nicht so klimafreundlich. Die Stadtwerke Konstanz halten nun mit neuen Zahlen dagegen: Sie verteidigen die neue Fähre als umweltfreundlich, räumen aber auch ein, dass erst regional produziertes und verflüssigtes Biogas eine wirklich klimafreundliche Bilanz ermögliche. Dieses Biogas stehe aber vor Ort nicht zur Verfügung. Erst damit würden nur noch wenige Stickoxide und keine klimaschädlichen Gase mehr erzeugt.

Grundlage für Umstellung auf Biogas

Mit dem von Rolls-Royce Friedrichshafen entwickelten MTU-Gasmotoren aber habe die Konstanzer Fähre als erstes Fahrgastschiff auf einem Binnengewässer in Europa die Grundlage, die eine Umstellung auf Biogas ermögliche.

Gasdichte Druckschleusen

Die neue, 18 Millionen Euro teure Fähre soll im Herbst in den Test-Betrieb gehen. Aktuell werden die in Hamburg gefertigten Teile im österreichischen Fußach zu einem Schiffskörper zusammen gesetzt. Die Form des Schiffs sei optimiert, der Widerstand verringert, was Einsparungen beim Treibstoff bedeute, sagt Christoph Witte, Leiter der Schiffstechnik der Stadtwerke Konstanz. Äußerlich werde das neue Schiff der der Fähre Lodi ähneln.

Hohe Sicherheitsstandards

Voraussichtlich ab etwa März werde am Innenausbau der Fähre im Hafen von Staad gearbeitet. Witte sagt, die neue Fähre erfülle hohe Sicherheitsstandards. Zu den Tanks mit dem Flüssiggas gelange man nur durch gasdichte Druckschleusen. Sie seien vom restlichen Schiff getrennt. Alle Leitungen seien doppelwandig und mit Alarmsystemen ausgestattet, die anschlagen, sobald Gas austritt. Flüssiggas gilt als leicht brennbar.

Teure Elektromotoren

Der Konstanzer Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzende der Stadtwerke, Uli Burchardt, schließt nicht aus, dass sich der heutige LNG-Antrieb als Übergangstechnologie erweisen könnte. Die Schwierigkeit bestehe darin, dass Konstanz heute Entscheidungen für die Laufzeit einer Fähre, also für 40 bis 50 Jahre, treffen müsse. Bei den Antrieben in der Schifffahrt gelte: „Wir haben keine Lösungen von der Stange.“

Fähre als Teil „städtischer Infrastruktur“

Doch Konstanz benötige den Bodensee auch als Verkehrsfläche. „Die Autofähre ist kein Vergnügungsschiff. Für uns ist das Teil der städtischen Infrastruktur“, so Burchardt. Die Anforderungen an die Technologie seien auf dem Seeweg zwischen Konstanz und Meersburg hoch, die Fähren 365 Tage rund um die Uhr unterwegs.

Das könnte Sie auch interessieren

Schiff mit Elektroantrieb wäre zu teuer

Im Vergleich habe sich gezeigt, dass ein Elektroantrieb nach dem heutigen Stand für die Bedürfnisse der Konstanzer Fähre aus Kostengründen keine vertretbare Lösung gewesen wäre. Umweltschützer kritisieren LNG als fossilen Treibstoff. Sie hatten für einen Elektroantrieb plädiert.

Antrieb mit Flüssiggas erzeugt sechs Prozent weniger klimaschädliche Gase

Nach dem aktuellen Stand der Technik sehen die Stadtwerke im Gasmotor den ökologisch und ökonomisch besten Antrieb. In fünf Jahren, wenn wieder der Ersatz eines neuen Fährschiffs ansteht, werde neu über den Antrieb entschieden, hieß es auf Nachfragen. Die Stadtwerke präsentieren Zahlen, nach denen denen die neue Fähre auch beim Betrieb mit konventionellen Flüssiggas (LNG) bis zu sechs Prozent weniger der klimaschädlichen Gase ausstoße als das modernste Diesel-Schiff der eigenen Flotte, die Lodi.

Der Einsatz eines Gasmotors im mobilen Schiffs-Bereich, bei dem es um den ständigen Wechsel von Beschleunigung und Bremsen gehe, stelle die Techniker vor Herausforderungen, so Peter Kunz, Projektleiter für mobile Gasmotoren bei Rolls-Royce: „Wir erproben in der Fähre zwei Acht-Zylinder-Motoren mit jeweils 746 Kilowatt. Es ist das erste Binnenfahrgastschiff Europas, das von schnelllaufenden reinen Gasmotoren angetrieben wird.“