Von Sandra Pfanner


Es gibt Anwesen am Bodensee, die sich als Schauplatz großer Romane eignen würden. Einige sind heute öffentlich zugänglich und erzählen vom Glanz längst vergangener Zeiten. Andere verstecken sich hinter meterhohen Zäunen und die Gerüchte um ihre Schlossherren wachsen so wild wie die Hecken drumherum.


Los geht's am Bahnhof Mannenbach/Salenstein. Etwa 15 Minuten dauert der leichte Aufstieg auf den Arenenberg. Wer einen Schlafplatz mit Aussicht genießen will, kann sich im Bubble-Hotel von Thurgau Tourismus für schlappe 190 Franken aufwärts einmieten - für ein Bett in einem durchsichtigen Kugelzelt.


Schloss Arenenberg

 

Apropos Preis: 30.000 Gulden bezahlte Hortense de Beauharnais, Ex-Königin von Holland und Stieftochter Napoleon Bonapartes, 1817 für das Schloss Arenenberg. Nicht der schlechteste Ort für ein Leben im Exil – und um ein Kind groß zu ziehen. Netter Ausblick außerdem von der Schlossterrasse.

Ihr jüngster Sohn Louis Napoleon, der spätere Kaiser Napoleon III., verbrachte seine Kindheit und Jugend am Bodensee und verkaufte das Schloss nach dem Tod seiner Mutter. Später verkaufte Louis Napoleon das Anwesen für mehr als das doppelte. Kennt man ja von der Bodenseeregion.

Und jetzt kommt die Pointe: Louis Napoleons Frau, Kaiserin Eugénie, kaufte das Gut im Jahr 1855 heimlich zurück und schenkte es ihrem Gatten zum Geburtstag. Der kam aber erst zehn Jahre später dorthin zurück, weil er vorher keine Zeit hatte. Heute ist in dem Schloss das Napoleonmuseum untergebracht.



Schloss Salenstein

 

1981 ging das Schloss in den Besitz der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte, die dem Immobilienkaufmann Bruno Stefanini aus Winterthur gehört. Stefanini besitzt eine der bedeutendsten privaten Kunstsammlungen der Schweiz, deren Wert auf rund 1,5 Milliarden Franken geschätzt wird.

In dieser Sammlung befinden sich auch ein Kleid und ein Sonnenschirm von Kaiserin Sissi, ein Tisch von John F. Kennedy, auf dem 1963 der Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet wurde, ein Tresor von Albert Einstein sowie das Sterbebett und Testament von Napoleon Bonaparte.

Genau dieses wollte Stefanini, wie er einst erzählt haben soll, eigentlich in einem Museum in Schloss Salenstein unterbringen. Doch die Gemeinde, bedauerte Bruno Stefanini, habe kein Museum gewollt: „Ein solches hätte zu einem ‚Gläuf’ mitten durchs Dorf geführt, wo einige gut betuchte, auf Diskretion bedachte Menschen in Villen wohnen“.

Zwei Jahre später titelt der Schweizer Tagesanzeiger: „Millionär lässt Traumschloss verrotten.“ Von den rund 60 Schlössern im Kanton Thurgau ist Salenstein das Sorgenkind. Und nicht wenige warten auf einen Prinz, der es wachküsst.


Schloss Eugensberg

 

Auf einen neuen Besitzer wartet auch das nächste Schloss der Route. Wer Stoff für einen Wirtschaftskrimi sucht, findet ihn hier. Das Schloss gehörte Rolf Erb, einem Schweizer Unternehmer. Dem saß die Justiz jahrelang im Nacken, nachdem sein Unternehmen Pleite ging und er vorher noch schnell seinen damals zehn Monate alten Zwillingen das Schloss überschrieb.

2015 verurteilte das Gericht Rolf Erb zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren. Noch ehe er mit seiner Familie ausziehen musste, verstarb er in dem Schloss aufgrund einer Herzerkrankung.

Lange das Anwesen leer und ein Makler mit internationalem Netzwerk wurde damit beauftragt, einen neuen Schlossherren zu finden - Interesse soll auch Formel 1-Fahrer Sebastian Vettel bekundet haben. 2012 schätzte die Staatsanwaltschaft den Wert des Schlosses auf 27 Millionen Franken. 2019 schließlich kaufte der deutsche Internet-Millionär Christian Schmid das Anwesen für mehr als 36 Millionen Franken.

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Ruine Sandegg

 

Weniger empfehlenswert ist die Investition in die nächste Station, Schloss Sandegg. Vorbei an alten verlassenen Scheunen und Bauernhöfen geht es in den Wald hinein, bis zum Stoppschild: „Einsturzgefahr“. Seit 2005 darf die Ruine nicht mehr betreten werden.

Im 19. Jahrhundert kaufte der Zürcher Bankier Konrad Hottinger das Anwesen und ließ es renovieren. Nur: wie gewonnen, so zerronnen. Als man den Ofen des Schlosses besonders stark einheizte, um die neuen Farben zu trocknen, brannte das Gebäude 1833 vollständig nieder.



Schloss Louisenberg

 

Gut erhalten und vor allem bewohnt ist die letzte Station des Rundwegs, Schloss Louisenberg. 1834 wurde das Herrschaftshaus erbaut.

Nach mehreren Besitzerwechseln kaufte es 1906 der Schweizer Jean Kästlin, Direktor einer russischen Bank für auswärtigen Handel. Noch heute befindet sich das Schloss in dessen Familienbesitz und ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Das Eingangstor hat auf jeden Fall Stil.

Nach etwa dreieinhalb Stunden und sechs Kilometern Wanderung führt der Weg wieder zurück zum Ausgangspunkt, dem Bahnhof Mannenbach/Salenstein.