Das Seenachtfest soll ab 2020 anders werden als bisher. Wie es gestaltet werden soll, ist aber noch völlig unklar. Ab September soll eine Arbeitsgruppe unter Leitung der Marketing und Tourismus GmbH Konstanz tagen, die ein Konzept für ein neues Fest für die kommenden Jahre ausarbeitet, wie Ulrich Hilser, Pressesprecher der Stadt, mitteilt. An der Arbeitsgruppe teilnehmen werden Vereine, Vertreter der Gastronomie und von Tourismusbetrieben sowie Bürger.

Warum sich das Seenachtfest verändern soll

Das Aus für das Fest in seiner bisherigen Form hat mehrere Gründe. Zum einen schien das Fest mit dichtem Anreiseverkehr Oberbürgermeister Uli Burchardt nicht zu rechtfertigen in einer Stadt, die den Klimanotstand ausgerufen hat. Zum anderen hatte wohl auch die veranstaltende Agentur Full Moon signalisiert, dass sie mit einem vorzeiteigen Ausstieg aus dem Vertrag einverstanden wäre – zuletzt hatten im Jahr 2018 etwa 35 000 Personen das Seenachtfest besucht anstelle der angestrebten 50 000 Besucher. Außerdem gab es immer wieder Kritik von Konstanzern, die das Fest als zu kommerziell und als zu weit von ihren eigenen Vorstellungen entfernt empfanden.

Bürger sollen Ideen zur Gestaltung des Fests einbringen

Die Stadt möchte dieses Mal die Konstanzer an der Gestaltung des neuen Seenachtfests beteiligen. Dazu hat sie eine Umfrage auf der städtischen Homepage geschaltet. Die Umfrage laufe vom 24. Juli bis 21. August, wie Ulrich Hilser berichtet. Bis zum 2. August hätten bereits 500 Personen an der Online-Umfrage teilgenommen. In der Umfrage stellt die Verwaltung unter anderem die Frage, welche Veranstaltung sich die Konstanzer als Ersatz für ein Feuerwerk vorstellen könnten – beispielsweise eine Laser-, Licht oder Wassershow. Gefragt wird auch, ob man das diesjährige Fest besucht und was die Konstanzer am Fest kritisieren.

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Was die Bürger zu Fest und Umfrage sagen

Unkritisch verhalten sich die Konstanzer tatsächlich nicht zum Seenachtfest. Gabriele Wolf, Lektorin in Konstanz, bekennt, dass sie das Fest schon lange nicht mehr besucht habe. „Es ist mir zu überfüllt und zu teuer, eine Massenveranstaltung“, sagt sie. Wolf könnte sich für ein neues Format des Seenachtfests kleinere Veranstaltungen wie Konzerte oder Kleinkunst und Comedy vorstellen. „Auf das Feuerwerk kann ich auch verzichten oder es könnte ein kleines geben“, sagt sie. Die Bürger zu fragen, wie sie sich das Fest vorstellen, hält sie für eine gute Idee.

Gabriele Wolf besucht das Seenachtfest schon lang nicht mehr.
Gabriele Wolf besucht das Seenachtfest schon lang nicht mehr. | Bild: Wagner, Claudia

Sunny Michael wiederum ist dagegen, „alles aus ökologischen Gründen zu verbieten“. Statt das Seenachtfest zu verändern, solle man lieber das Grillen in den Konstanzer Parkanlagen verhindern, aus ihrer Sicht werde dabei mehr CO2 erzeugt. Ihr ist der internationale Stellenwert des Fests in der Außenwirkung wichtig. Auch die Verkehrswende hin zum Radfahren sei wichtiger als die Abschaffung eines Fests. „Ich war ein bisschen traurig“, gesteht die Mutter, als sie vom Aus für das bisherige Seenachtfest hörte. Ihre Kinder hätten sich stets auf das Feuerwerk gefreut. Die Bürger-Umfrage nimmt Sunny Michael nicht sonderlich ernst, das sei alles eine politische Entscheidung.

Sunny Michael versteht nicht, warum man auf das große Seenachtfest in jetziger Form verzichten will.
Sunny Michael versteht nicht, warum man auf das große Seenachtfest in jetziger Form verzichten will. | Bild: Wagner, Claudia

Eine Feier in kleinerem Rahmen und ohne Feuerwerk

Hartmut Schuchna wiederum gefällt die Idee, das Fest in einem kleineren Rahmen zu gestalten. Er könnte sich ein erweitertes Stadtgartenfest vorstellen. „Als störend erlebe ich vor allem die Menge an Menschen, die im Auto anreisen“. Definitiv müsste es ein Fest ohne Feuerwerk sein. Von der Umfrage hält er nur bedingt etwas: „Es ist ja nie verkehrt, die Bürger zu fragen, aber der Gemeinderat könnte auch ohne Befragung den Mut haben, das zu entscheiden.“ Entscheidendes Gewicht habe die Umfrage für ihn nicht.

Hartmut Schuchna wünscht sich ein kleines Fest – und bitte ohne Feuerwerk.
Hartmut Schuchna wünscht sich ein kleines Fest – und bitte ohne Feuerwerk. | Bild: Wagner, Claudia