Anne Gabele will gar nicht leugnen, dass sich seit Beginn der Corona-Krise das Kaufverhalten der Kunden geändert hat. Mit den Produkten ihres Betriebs „Paradies Gemüse“ ist sie mehrmals wöchentlich auf den Konstanzer Märkten. „Vergangenen Samstag haben die Leute auf Masse eingekauft, da hatten wir um 10 Uhr nichts mehr übrig“, sagt sie. Vor allem Zwiebeln und Kartoffeln standen hoch im Kurs.

Carola Schindler und Anne Gabele am Marktstand von Gemüse Paradies. Das Geschäft läuft derzeit
Carola Schindler und Anne Gabele am Marktstand von Gemüse Paradies. Das Geschäft läuft derzeit | Bild: Wagner, Claudia

Das merke sie natürlich positiv am Umsatz. Allerdings hätten die heimischen Bauern auch mit den Preisen angezogen. Sie sei froh, dass das meiste ihrer Ware aus der Region stamme – die Produkte aus Italien wolle keiner mehr haben, aus Furcht, sie könnten das Corona-Virus auf ihrer Oberfläche tragen.

Auch bei Eiern steigt die Nachfrage

Arturo Stivalla, der auf dem Wochenmarkt Eier des Geflügelhofs Haug verkauft, bestätigt diesen Trend. „50 Prozent mehr Umsatz machen wir schon“, sagt er. Die Kunden, die sonst zehn Eier kauften, wollten nun 20. „Das passiert, weil alle Angst haben, dass der Markt geschlossen wird“, sagt Stivalla. Er sei aber optimistisch, dass der Wochenmarkt weiter betrieben werde.

Arturo Stivala verkauft an die meisten Kunden etwa doppelt so viele Eier wie sonst.
Arturo Stivala verkauft an die meisten Kunden etwa doppelt so viele Eier wie sonst. | Bild: Wagner, Claudia

Andreas Graf, der einen Gemüseanbau in Moos betreibt und die Waren auf dem Wochenmarkt verkauft, spricht von Umsatzsteigerungen von etwa 40 Prozent. Er sieht aber auch in die Zukunft: „Wir haben rumänische Erntehelfer, sie sollten im April kommen“, sagt er. Jetzt müsse er umplanen. Möglicherweise könnten Familienmitglieder beim Pflanzen helfen.

In Apotheken sind Medikamente gefragt, Kosmetika nicht

Viel Betrieb ist dieser Tage auch bei Apotheken. Am heutigen Freitag ist es ruhiger, wie überall in der Stadt. Die Kunden meiden das Zentrum – und es gibt hier ohnehin wenig zu kaufen bei geschlossenen Geschäften. Die Nachfrage nach Desinfektionsmittel sei besonders hoch, sagt Daniel Hölzle, Inhaber der Tiergarten-Apotheke. Es wird inzwischen von den Pharmazeuten selbst hergestellt und gehe vor allem an Arztpraxen.

Daniel Hölzle, Inhaber der Tiergarten-Apotheke, spricht von einem großen Ansturm auf Medikamente. In Apotheken gilt es ab jetzt, Abstand zu halten.
Daniel Hölzle, Inhaber der Tiergarten-Apotheke, spricht von einem großen Ansturm auf Medikamente. In Apotheken gilt es ab jetzt, Abstand zu halten. | Bild: Wagner, Claudia

Darüber hinaus verordneten die Ärzte den Patienten Medikamente auf Vorrat, damit sie das Haus nicht unbedingt verlassen müssen. „Der Ansturm ist im Moment groß, aber auch verlagert“, sagt Hölzle. Medikamente seien gefragt, dafür liege der Absatz bei Kosmetikartikeln bei null.

Bei Edeka Baur ist die Nachfrage nach bestimmten Produkten zwar stark erhöht – das wirkt sich allerdings nicht auf ein Umsatzplus aus. Drogerieartikel, Desinfektionsmittel, Toilettenpapier, Mehl, Trockenhefe, Haferflocken, Milch, Hülsenfrüchte, Konserven und Mikrowellengerichte seien sehr stark gefragt, berichtet Dennis Fritzsche, Assistent Marketing und Unternehmenskommunikation.

Trotz hoher Nachfrage verzeichnet Edeka Baur Umsatzrückgang

Dennoch verzeichnet Edeka Baur Umsatzrückgänge, keine Steigerungen. Im Gesamtunternehmen gebe es ein Minus von fünf Prozent, im Edeka-Center liege der Rückgang bei 30 Prozent.

Nicht jeder Pizza-Lieferdienst profitiert

Pino Leo, Geschäftsführer von Pizza Flitzer, kann nichts von einer gestiegenen Nachfrage berichten. Obwohl die Konstanzer, so wäre zu vermuten, bei geschlossenen Restaurants verstärkt auf Pizzalieferdienste zurückgreifen müssten. „Bisher ist die Nachfrage aber nicht größer“, sagt Leo und ist ein wenig ratlos. „Seit einer Woche haben wir Einbußen“, sagt er und führt das vor allem auf das fehlende Mittagsgeschäft zurück. Er habe das Restaurant geschlossen, weil ihm das Risiko einer Ansteckung seiner Mitarbeiter zu groß sei. Nun sei er allein auf den Pizza-Lieferdienst angewiesen.

Beim Radkurier Fakt zieht das Geschäft an

Der Fahrradkurier Fakt hat im Moment ordentlich zu tun. Stark zurückgegangen sei das Paketgeschäft für UPS, weil die Geschäfte nichts mehr bestellten, sagt Vera Zahner, Mitgeschäftsführerin bei Fakt. Bei der Essensauslieferung gebe es allerdings einen deutlichen Zuwachs. „Jeden Tag kommt etwa ein Restaurant hinzu, für das wir Speisen ausfahren“, sagt Zahner.

Der Fahrradkurier Fakt – hier (v.l.) Vera Zahmer und Sofie Scheuing – hat viel zu tun. Das Team liefert auch Essen direkt von den Restaurants nach Hause zu den Kunden. Bild: Aurelia Scherrer
Der Fahrradkurier Fakt – hier (v.l.) Vera Zahmer und Sofie Scheuing – hat viel zu tun. Das Team liefert auch Essen direkt von den Restaurants nach Hause zu den Kunden. Bild: Aurelia Scherrer | Bild: Scherrer, Aurelia

Damit gebe es jeden Abend etwa 20 Fahrtenbestellungen zusätzlich. Bisher hätten sie wenige Kurierfahrten gehabt, das werde sich jetzt ändern. Auch die Fahrer sind gefragt: Essen muss schnell ausgeliefert werden. „Uns kommt im Moment der fehlende Verkehr auf den Straßen entgegen, die Fahrer kommen schnell durch“, sagt Zahner.

Im Moment hielten sich neue Nachfrage und wegfallende Geschäftszweig in etwa die Waage, sagt Zahner. Sie erkennt aber die Chance: „Es wäre die beste Zeit, dass Konstanzer Händler und Gastronomen den Fahrradkurier entdecken.“